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Aint' no -
umgangssprachlich für "am not", "are not", "isn't".
Alan Lomax sammelte seit den 30er Jahren, wie
schon vor ihm sein Vater John Alan Lomax, im Auftrag der Library of Congress
in Washington das Liedgut der afroamerikanischen Bevölkerung und brachte
es samt Text und Noten zu Papier. Dazu fuhr er auch in die Gefängnisse
der Südstaaten, wo die Gefangenen in ihrer Isolation noch Lieder aus
den ländlichen Gegenden kannten.
Bei seinen feldforschungsmäßigen Recherchen lernte Lomax einen
Insassen namens Huddie Ledbetter kennen, den seine Kameraden
Lead
Belly nannten, ein Wortspiel, das dem schlagkräftigen Mann
als "Bleibauch" Respekt zollte. Lead Belly saß wegen Mordes an einem
Nebenbuhler seiner Freundin. Sein Spiel auf der 12-saitigen Gitarre soll
(der Legende nach) Governor Pat Neff aus Texas so sehr beeindruckt haben,
dass er seinen Schwur, niemals einen Gefangenen zu begnadigen, brechen musste.
Lomax stellte Lead Belly nach seiner Entlassung als Chauffeur an, so dass
beide lange Zeit gemeinsam unterwegs waren. Lead Belly hat dabei noch mehr
Songs gelernt. Es heißt, er habe die Gabe besessen, sich ein Lied beim
ersten Hören einprägen zu können.
Lomax war ein großer Liebhaber der traditionellen schwarzen Gesangskultur
- inbesondere des Blues. Später erging er sich in Vorurteilen über
städtische - und zu dem noch weiße Bluesbands, und musste sich
den Vorwurf des Pourismus gefallen lassen. So geriet er als Leiter eines
Workshops beim Newport Blues Festivals 1965 mit Bob Dylans Manager Albert
Grossman in Handgreiflichkeiten, nach dem sich Lomax über Grossmans
künftige Klienten "The Paul Butterfield Band" herablassend
äußerte. Auch Dylans erster Auftritt mit E-Gitarre löste
bei diesem Festival Empörung aus. Wie dem auch sei, es ist Allen Lomax'
unbestrittenens Verdienst, neben anderen Lead Belly entdeckt und auf die
Bühnen gebracht zu haben.
Angola State Prison - eines jener noch immer
existierenden berüchtigten Gefängnisse der USA, in denen vor allem
zum Tode verurteilte Männer verwahrt werden. Die Aussichten auf Begnadigung
sind nach wie vor recht gering. Einmal dort eingesperrt, ist es kaum noch
möglich, seine Unschuld zu beweisen oder das Urteil anzufechten. Wer
es dennoch versucht (und angesichts der unmenschlichen Knastverhältnisse
versuchen es wohl auch Täter), sieht sich einer gnadenlosen Jury von
Richtern gegenüber. Einen eigenen Anwalt können sich viele Verurteilte
nicht leisten. Einige schaffen es denn auch tatsächlich, dieser Hölle
zu entkommen. CD-Tip: Angola Prisoners Blues (aufgenommen im kalifornischen
Angola State Prison zwischen 1952 und 1959, also mit mobiler Technik,aber
einer für damalige Verhältnisse bemerkenswert gutern
Aufnahmequalität!).
Anthology of American Folk Music -
ein 1952 von Harry Smith veröffentlichtes
Album von drei Doppel-LPs, auf welche er Aufnahmen von alten 78ern
quasi als legales Bootleg
veröffentlichte. Es enthielt eine Auswahl teils archaisch anmutender
Aufnahmen, die Smith nach drei musikalischen Genres (Ballads, Songs, Social
Music) klassifizierte. Die meisten der dort repräsentierten Künstler
hielt man in den Jahren nach der Veröffentlichung der Anthology bereits
für tot, dabei gab es durchaus noch Überlebende aus dem "alten
unheimlichen Amerika" (Greil Marcus).
Beispielsweise John Hurt, der auch dank eines gewachsenen Interesses von
Intellektuellen aus den Städten des Nordens am
Country Blues und Jazz später
noch zu Ruhm und Ehren, sprich Plattenaufnahmen und Auftritten kam, auch
außerhalb der USA, etwa bei den europäischen American Folk Blues
Festivals. Für das sogenannte Folk
Revival der 60er Jahre ist die Anthologie eine wahre Fundgrube geworden,
aus der sich (neben meiner Wenigkeit) auch Bob Dylan die eine oder andere
Perle herauspickte
Arvella Gray - folgt man dem Booklet-Text
von Bob Dylans "Bootleg Series", ein blinder Straßensänger aus
Chicago. Von ihm soll Dylan "He Was A Friend Of
Mine" adoptiert haben. Andere Aufnahmen des Songs sind mit dem Vermerk
"Traditional" versehen.
Aura
Lee - Wann und wo die besungene Dame lebte, ist mir nicht bekannt.
Das Lied stammt aus den 1860ern und wurde 20 Jahre später sehr
populär, auch unter dem Titel "Army Blues", wie es Angehörige der
U.S. Military Academie von West Point sangen. Ein Jahrhundert später
pfiffen es erneut die Spatzen von den Dächern, denn die Melodie wurde
in den späten 1950ern von Elvis Presley für seine Mega-Schnulze
Love Me Tender" verwendet. Ergo nehme man die eher von letzterem bekannte
Melodie und fröhne mal wieder dem
Traditional
Bacco
- Slang für "tobacco" (Taback)
Bale - das ist, wie
Lead
Belly in seinem Vorwort zu "Pick A Bale
Of Cotton" meint, ein Ballen" von 1000 Pfund, nach anderen Quellen
aber von 500 Pfund. Wie dem auch sei, es ist jedenfalls ziemlich viel,
und um diese Menge Baumwolle an einem Tag pflücken zu können,
muß man sich auch zu zweit noch sehr anstrengen... Aber mit Liedern
dieser Art, sogenannten Worksongs oder auch Fieldholler, hat man sich
bei der harten und monotonen Arbeit in den Plantagen gegenseitig bei Laune
gehalten. Und den zusätzlichen Gewinn, den "bei Laune"
gehaltene Sklaven erwirtschafteten, haben die Plantagenbesitzer um so
mehr geschätzt. Daher wurde das Singen der Skalven weitgehend geduldet
und teilweise gefördert, indem etwa der Aufseher den Sklaven seine
Lieblingslieder vorsang und sie so ermunterte, diese (seine) Lieder zu singen.
Auf diese Weise könnte, wenn dies auch nicht beabsichtigt war, der Same
für die so fruchtbare Verschmelzung von afrikanischer und europäischer
Gesangskultur gestreut worden sein ("Pick A Bale" ist freilich ein Lied,
das in jeder beliebigen Agrarkultur entstanden sein konnte). Den Aufsehern
waren die Gesangseinlagen durchaus eine angenehme Abwechslung. Mitunter
dirigierten sie ein zügigeres Tempo der Lieder, um das Arbeitstempo
anzutreiben. Von
Lead
Belly gibt es eine recht getragene Version mit einem
Background-Chor und eine recht flotte Version mit Woody Guthrie. Mein
Text ist eine lose Aneinanderreihung von Strophen, die sowohl beiden Versionen
als auch anderen Quellen entnommen sind.
Baton Rouge - Ort in Louisiana, von
französischstämmigen, teils aus Kanada vertriebenen Siedlern
gegründet. Neben den Namen erinnern Baustil, Musiktradition und Küche
an die Kultur der französischen Einwanderer (siehe auch
Cajun) Bayou - Mündungsgebiet des
Mississippi (siehe auch Cajun)
Bella Lee war der Name eines
Frachtdampfers.
Lead
Bellys Song "Old Man", in dem dieser
Dampfer erwähnt wird, ist eine Art Shanty bzw. Worksong, der
während der Beladung des Dampfers gesungen wurde.
Bill O'Neal - Autor der "Encyclopedia
of Western Gunfighters" (University Of Oklahoma Press, Norman 1979; deutsch:
Gunfihgter. Alle Revolverhelden des Wilden Westens; Oesch Verlag, Zürich
1997), in der er die Romantisierung und Glorifizierung der Owtlaws und Desperados
auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Auf der Basis akribischer Recherchen
entmystifiziert er jene amerikanische Epoche des Faustrechts und entzaubert
anhand historischer Dokumente die meisten von insgesamt 255 Desperados als
skrupellose Verbrecher (siehe auch Billy
The Kid, Jesse James,
John Wesley Harding,
Pretty Boy Floyd,
Railroad Bill)
Billy - gemeint
ist der Outlaw Billy The Kid, von
dessen zahlreichen Opfern nicht ein einziges in einem Lied verewigt wurde
- es lebe das Stereotyp: die Leiden des ständig auf der Hut sein
müssenden Täters, der Dauerstress des fliehenden Massenmörders,
das lässt selbst die Erwähnung eines einzigen namenlosen Opfers
zur Beiläufigkeit herabsinken. Außerdem, sie war ja nur ne
Hure, wenn auch ne recht heiße eine. Und diese Lieder, die sich
im Grunde doch äußerst skrupel- und rücksichtslosen Individuen
widmen, sind so reizvoll, dass man sie singen muss...
Billy The Kid - Auch in
dieser Outlaw-Ballade wird ein skrupelloser Killer als poor Billy"
verharmlost, hier immerhin mit der Moral von der Geschicht, besser nicht
seinem Vorbild zu folgen... Sein tragisches Geschick (oder besser Ungeschick)
bestand nämlich darin, von seinem eigenen Freund und einstigem Kumpan
Pat Garrett, der inzwischen zum Sheriff
aufgestiegen war, zur Strecke gebracht zu werden. Eine Version des Songs
gibt es von Ry Cooder. Bob Dylan schrieb für den Western "Pat Garrett
& Billy The Kid", der diese Story auf seine Weise erzählt, seine
eigenen, insgesamt vier Billy -Versionen, drei davon
allerdings als Instrumental (gleichnamige
LP/CD entstand bei Columbia 1973).
Black Jack Davey - In
dem von Bob Dylan aufgenommenen
Traditional handelt es sich, Melodie
und Text folgend, um den gleichen von Woody Guthrie unter dem Titel
"Gypsy Davey" veröffentlichten Song. Eine live
aufgenommene Version von "Gypsy Davey" gibt es ebenfalls von Bob Dylan. Unter
dem Titel "Black Jack David" gibt es eine Version der
Carter Family.
Bluegrass - die recht flotte, traditionelle
Variante der Country Music, welche wegen religiöser Akzente gelegentlich
als "weißer Gospel" bezeichnet wurde - Gospel wurde in den schwarzen
Gemeinden, besonders bei den Babtisten, sehr gepflegt und weiterentwickelt.
Musikalisch wird der Bluegrass von meist männlichem Satzgesang, oft
in höhrern Tonlagen und von virtuosen Banjo-Soli beherrscht. Als Urvater
des Bluegrass gilt Bill Monroe mit seinem Hit "Blue
Moon Of Kentucky".
Blue-Tail Fly -
ursprünglich ein nach gleichnamigem Insekt benannter
Minstrel Song aus den 1840ern, der
wie "Dixie" der Urheberschaft von Daniel
D. Emmett zugeschrieben wird. Das Lied wurde dann bei den sogenannten
Abolitionern beliebt, die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten.
Die politische Botschaft des Songs kommt allerdings nur unterschwellig zum
Ausdruck. Wer immer jener (im Refrain) Korn dreschende Jimmy war, werden
wir nie erfahren, dafür lässt uns der Sänger wissen, dass
der Gaul des Masters (d.h. Sklavenbesitzers) von jenem Insekt gestochen wurde,
daraufhin scheute, den Master in den Graben warf, welcher sich dann dabei
das Genick brach. Die Freude über das dadurch bedingte Ableben des Masters
dürfte aus der Sicht eines geschundenen Sklaven verständlich werden.
Blues - wahrscheinlich das
einflussreichste Genre der populären Musik im 20. Jahrhundert. Eine
Definition wäre daher müßig. Gängigste Auffassung von
der musikalischen Struktur des Blues ist die 12-taktige Strophe. Dieses
Charakteristikum kann man aber eigentlich nur als ein Extrakt dessen
bezeichnen, was bei der Urbanisierung des
Blues herauskam: Rhythm & Blues bzw.
Chicago
Blues und schließlich Rock & Roll. Die ursprünglichen
etwa um 1900 in den ländlichen Gebieten der Südstaaten entstandenen
Stilistiken sind wesentlich vielfältiger - teils mit einfacheren (auf
zwei oder gar nur einen Akkord begrenzten) Harmoniestrukturen, teils wesentlich
raffinierter als heutigen Hörern vertraut! Über die Herkunft
des Begriffs Blues zitiere ich Samuel B. Charters:
Der Gebrauch des Wortes Blues für eine besondere Stimmung oder ein
Gefühl ist sehr alt. Er geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Im
19. Jahrhundert war der Ausdruck in den Vereinigten Staaten allgemein verbreitet,
obwohl man sich nicht ganz einig darüber war, was es eigentlich bedeutete,
"blue" zu sein. 1824 war "ein Anfall des Blues" gleichbedeutend mit "seelischer
Depression". 1853 empfahl die Bostoner Zeitung Yankee Blade einen humoristischen
Roman mit den Worten: "... für alle, die zum Blues neigen oder zur
Langeweile." (...) Das Wort tauchte gelegentlich auch in Liedtiteln auf,
jedoch nur als Slangausdruck ohne jegliche Beziehung zu einem musikalischen
Stil. Im Jahr 1910 hörte man das Wort bereits überall, und es war
zu erwarten, dass die Musik, die man später den Blues nennen sollte,
immer populärer wurde."Seit der Kommerzialisierung des Blues ist
natürlich die Frage, ob Musiker aus nicht afro-amerikanischer Herkunft
dafür überhaupt qualifiziert seien, immer wieder das Thema
unzähliger Diskussionen, erst recht dank der weltweiten Kommunikation
via Internet. Und eben hier kommen auch Leute zu Wort, die nicht als Musikologe,
Schriftsteller etc. autorisiert sind. So entdeckte ich auf
dem Tweedboard
von Tweed's Blues ein
kurzes, aber vielsagendes Statement:
The blues is pain.The blues is suffering.Pain & suffering are color
blind.Everybody who has ever lived has had the blues,there are no exceptions.Some
have had more pain & suffering than others.Some are able to articulate
that suffering in their music.Some just hold it inside of themselves.Some
turn to religion.Some turn to violence.Everyone deals with it differently,but
everyone gets the blues.The blues is a fact of life! (MaddMike) Blues
Tree - der musikologische Versuch, die Spielarten des Blues in einem Stammbaum
zu genealogiseren, was zur ersten Orientierung für interessierte Outsider
nützlich sein mag, aber wegen der unterschiedlichsten Definitionen und
Auffassungen diverser "Zweige" und "Wurzeln"ein - meines Erachtens - ziemlich
hoffnungsloses Unterfangen sein dürfte (siehe
Blues). Zudem basiert die populäre Musik des 20. Jahrhunderts, sei
es Jazz, Bluegrass, Country oder Rock & Roll, überwiegend
auf musikalischen Elementen des Blues. Selbst den seit den 1980er Jahren
populären Hip Hop kann man auf den Talkin Blues, wie beispielsweise
in Aufnahmen von Woody Guthrie, zurückführen.
Bodhrán (ausgesprochen etwa:
borron) ist eine jedem Irland-Reisenden in Erinnerung bleibende, weil in
jedem Souvenir Shop hängende Handtrommel, die mit einem Stöckchen
(Stick) geschlagen wird. Ähnliche, aber unterschiedlich gespielte Trommeln
gibt oder gab es bei vielen Völkern und daher kann man über die
Herkunft des Instruments allenfalls Vermutungen anstellen. Einer der Theorien
zufolge wurde sie aus einem Sieb entwicket, mit dem man die Spreu vom Weizen
trennte. Der Form nach ist das tatsächlich sehr naheliegend. Es könnte
meiner Meinung nach aber auch - das mag provokant wirken- umgekehrt
gewesen sein. Wie haben uns - man möge mir die kleine philosophische
Abschweifung gestatten - daran gewöhnt vorauszusetzen, der Mensch habe
immer zuerst dasWerkzeuge und dann das Spielzeug erfunden. Dies ist aber
nur die Denkart von Leuten, die Arbeit und Pflicht strikt von Geselligkeit
und Kunst trennen und dabei Ersteres über Letzteres stellen. Grundlage
aller menschlichen Kultur ist aber - und gewiss bin ich mit dieser Auffassung
nicht allein - die Kunst und im besonderen die Musik! Mehr übers
Bodhrán
Bojangles - In New Orleans' Bourbon Street,
der Touristen-Meile des French Quarter
schlechthin, kann man etlichen schwarzen Jungs beim Steppen zusehen. Vor
ihnen auf dem Fußweg steht jeweils ein Karton oder ein anderes
Behältnis, das geeignet ist, die Dollar-Scheine der Touristen aufzunehmen.
Da Touristen dort in der Regel recht großzügig sind, kann
mancher der Jungen von diesen Trinkgeldern (tips) durchaus seine Familie
ernähren oder wenigstens gut zum Unterhalt beitragen. Wegen des Anblicks
der schwarzen Jungen stellt man sich unter Mr. Bojangles ebenfalls einen
Schwarzen vor. Michael Hardie, der den texanischen Songwriter des Songs,
Jerry Jeff Walker, persönlich kannte, erzählte mir, dass dessen
Mr. Bojangles allerdings kein Schwarzer gewesen
sei. Im Grunde ist das wohl nicht wichtig, macht aber deutlich, dass man
bei derartigen Songs doch eher geneigt ist, sich einen "poor black guy"
vorzustellen...
Boll Weevil - auch
Bo Weavil geschrieben - wurde ein aus Mexiko nach Texas vorgedrungener
Schädling genannt, der sich Ende des 19. Jahrhunderts besonders in den
Baumwollfeldern breitgemacht hatte und auf diese Weise einen großen
Teil der Ernte vernichtete. In den verschiedenen Versionen wird das Insekt
- mehr oder weniger stellvertretend für sonstige Parasiten - verspottet.
Eine Version des Songs gibt es unter dem Titel
Mississippi Bo Weavil Blues" von The Masked
Marvel (ein Pseudonym von Charlie Patton) auf Harry Smith
Anthology Of American
Folk Music . Weitere Versionen gibt es von Lead
Belly und - neu aufgelegt - unter dem Titel "Boll
Weevil Blues" von Linda Tillery & Co.
Booklet ist ein der CD oder LP
beigefügtes Heft, das in der Regel genauere Angaben über die einzelnen
Titel (Texter/Komponist/Besetzung etc.) enthält, aber auch sehr umfangreiche
Informationen über die Songs, gelegentlich auch Songtexte, enthalten
kann. So enthält z.B. das Booklet der wiederveröffentlichten
Anthology Of American
Folk Music neben einem Faksimile des von
Harry Smith gestalteten Booklets
ein weiteres mit Essays, etwa von
Greil Marcus.
Bootleg - zu gut deutsch soviel
wie Stiefelschaft. Darin ließ sich allgemein, aber erst recht zur Zeit
der Prohibition manch illegal
erworbenes Feuerwässerchen transportieren. Der Begriff wurde daher
zunächst zum Synonym für geschmuggelten Alkohol. Seit der Zeit
der massenweise unautorisierten Vervielfältigung von Tonaufnahmen,
beispielsweise von heimlich gemachten Konzertmitschnitten, bezeichnet der
Begriff auch jede illegal veröffentlichte LP bzw. CD. Da die Musikfans
aber gerade auch wegen jenem bei Live-Aufnahmen abgängigen Perfektionismus
derartiges Material ihrer Idole sehr zu schätzen wissen, hat sich ein
unüberschaubarer Schwarzmarkt entwickelt. Clevere Geschäftsleute
unter den Managern veranlassen daher gleich selbst die Veröffentlichung
einst nicht dazu vorgesehener Aufnahmen ihrer Künstler. In etwa so
könnte es zur Veröffentlichung des als "Bootleg Series" betitelten
Dreifach-Albums von Bob Dylan gekommen sein, wobei es sich bei den dort
herausgebrachten Aufnahmen genaugenommen um sogenannte
Out Takes handelt.
Bottany Bay - zur Kolonialzeit ein britisches
Straflager in Australien
Bottleneck - zu gut deutsch Flaschenhals,
womit man spätestens seit den 20er Jahren über die Saiten der Gitarre
rutschte und auf diese Weise gleitend-jaulende Klänge erzeugte. Neben
Robert Johnson gehörte Blind Willie Johnson zu den Klassikern dieser
Technik. Irgendwie gehört das Sliding, wie diese Spielart auch genannt
wird, heutezutage so ziemlich zum Grundhandwerk des Bluesgitarristen,
aber nur wenige beherrschen es heute so virtuos wie z.B. Ry Cooder oder Leo
Kottke. Heute benutzt man statt abgeschlagener Flaschenhälse
üblicherweise maschinell gefertigte Glas- oder Messingröhrchen,
wobei letztere einen brillanteren Ton als Glas erzeugen. Die zum Inbegriff
dieser Spielweise gewordene Gitarre ist die legendäre
Dobro, eine Resonatorgitarre mit Metallkorpus,
welche zu Zeiten, als es noch keine Verstärker gab, einen erheblichen
Lautstärkevorteil gegenüber der herkömmlichen Holzklampfe
besaß und sich somit mehr Gehör verschaffen konnte.
Buffalo Skinners - die von Woody Guthrie
gesungene Version eines
Traditionals, das es unter
verschiedensten Titeln und aus den verschiedensten Gegenden zwischen Mexiko
und Kanada gibt. Überall fielen Arbeiter auf die gleichen Tricks ihrer
Bosse herein. In Guthries Version legen die Cowboys aus Rache die Knochen
ihres Arbeitgebers zum Bleichen aus. Bei Songs mit Titeln wie
On The Trail Of The Buffalo" oder "On The Trail
To Mexico" oder On The Trail To Canadee-I-O") handelt es sich im
wesentlichen um die gleiche Story, nur an anderem Ort und unter anderen Berufen
wie beispielsweise Holzfäller. Bob Dylan sang Guthries Version
in frühen Jahren ganz im Stile von Woody (also allein zur Klampfe),
später auch in Rockband-Besetzung. Der Song hatte es auch mir
außerordentlich angetan, so dass er die Nummer Eins aller von mir je
aufgenommenen Titel wurde.
Cakewalk
- einerseits soviel wie "leichten Herzens spazieren gehen", urpsrünglich
ein unterhaltsames Picknick der Afroamerikaner, bei dem derjenige, der die
besten oder eigenartigsten Tanzbewegungen ausführte, als Preis ein
Stück Kuchen (cake) oder dergleichen erhielt. Nach dieser Sitte erhielt
dann ein Tanz mit entsprechend raffinierten (hüpfenden und nach hinten
lehnenden) Bewegungen den Namen Cakewalk.
Cajun - Bezeichnung für die aus
französischstämmigen Siedlern hervorgegangene Bevölkerung
im Mündungsgebiet (bayou) des Missippi sowie für deren Koch- und
Musiktradition. Letztere schöpft aus sowohl aus dem Blues als auch einem
der Country Music und Hillbilly Folklore verwandten, aber ursprünglich
mit französischen Texten gesungenen Liedgut, geprägt durch
das Akkordeon. Das Wort Cajun ist eine phonetische Abschleifung von Arcadia,
einem Ort im Nordosten Kanadas, wo sich bretonische Einwanderer ab 1604
niederließen. Im Kampf Frankreichs und Englands um die koloniale
Vorherrschaft fiel die Provinz Arcadia 1713 an England und wurde Nova Scotia
(New Scotland) genannt. Da sich die katholischen Arcadier weigerten, der
britischen Krone zu dienen und den puritanischen Glauben anzunehmen, wurden
sie vertrieben. Nach einer etwa zehnjährigen Odyssee über den
nordamerikanischen Kontinent fand einer größere Gruppe von etwa
8000 Menschen Zuflucht in den unwirtlichen Sumpfgebieten (swamps) des
Missippi-Deltas. Die zu jener Zeit dort lebenden spanischen Siedler sahen
in den katholischen Arcadiern Glaubensbrüder und erlaubten ihnen daher
die Besiedlung. Aus dem bunten kulturellem Gemisch von Nationalitäten
traten die Arcadier als dominante Gruppe hervor und prägen somit das
französische (bretonische) Flair im Delta, das sich dann im Namen von
New Orleans manifestiert, dessen heutiger Altstadtkern, das French Quarter,
historisches Zeugnis dieser Zeit ist. Entgegen dem allgemeinen Trend absorbierten
die Cajuns weitgehend die Amerikanisierung und erhielten sich auf diese Weise
eine eigenständige kulturelle Tradition, deren musikalischer Ausdruck
die Cajun Music ist. Mit dem Cajun verwandt ist die
Zydeco genannte Spielart, welche einen
karibisch-kreolischen Einschlag hat und daher auch als "black brother" des
Cajun bezeichnet wird. Auch beim Zydeco dominiert die Squeeze Box
(Quetschkommode). Zydeco ist eher in klassischer Bluesbandbesetzung zu
hören und konnte sich daher als Tanzmusik kommerziell erfolgreicher
durchsetzen als das traditionelle akustische Cajun, die von Handwerkern nach
Feierabend als Hausmusik gepflegt wurde und daher auch den Beinamen "dirty
fingernail music" erhielt.
Canadee-I-O - Der hiesige
Text ist hat nichts mit einem Song gleichen Titels zu tun, der aber eine
Version von On The Trail To Mexico" bzw.
On The Trail Of The Buffalo" ist, welcher
wiederum die Vorlage für Woody Guthries "Buffalo
Skinners" wurde.
Candyman - eigentlich nur
der Mann, der Candy, also Süßigkeiten verkauft. Handelt es sich
um ein neun Inch langes Stück Candy wie im
Candy Man Blues von John Hurt, wo es heißt
"she always takes a candy stick to bed", so ist das die obszöne Anspielung
auf ein männliches Körperteil offensichtlich, wobei der Wunsch
der Vater des Gedankens sein dürfte (1 inch = 2,54 cm)... Ein Instrumental
mit Titel Candy Man gibt es in mehreren Versionen
von Rev. Gary Davis, einem blindem Straßenprediger aus New York, dessen
musikalische Spezialität ausgefeilte
Ragtime Instrumentals auf der
Gitarre waren. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit dem Geld, das er -
von einigen Plattenaufnahmen abgesehen - vor allem mit Gitarrenuntericht
verdiente, wodurch er viele Gitarristen beeinflusste.
Carter Family - legendäres Country Trio
der 1920/30er Jahre. Durch Aufnahmen der Carter Family sind viele Folk Songs
des 18. und 19. Jahrhunderts, besonders aus Virginia, Tennessee, Kentucky,
Carolina erhalten. Charakteristisch sind die melodieführenden Gitarrensoli
mit Wechselbässen, als sogenannter Carter Lick beeinflusste der Stil
folgende Generation von Folksängern. (Foto der
Mitglieder)
Casey Jones - ein Eisenbahner dieses
Names soll 1900 bei Canton in Mississippi tötlich verunglückt sein.
Einige Jahre später wurde Casey Jones in
gleichnamiger Ballade glorigfiziert, zu der allerdings die Version von John
Hurt kaum Bezug haben dürfte.
C.C. Rider - Das "C.C." stand
nach Alan Lomax fürCavalry Corporal".
Gleichnamiges Traditional wäre
damit ursprünglich Lied gewordener, an einen Unteroffizier der Kavalerie
gerichteter Liebeskummer. Zur Zeit des Bürgerkrieges, aus der dieser
Song wahrscheinlich kommt, gab es keine Soldatinnen. Damit wäre
die ursprüngliche Adresse des Songs entweder der von einer Zivilistin
angeflehte Boy bei der Army gewesen oder aber, so mutmaßte es Alan
Lomax in einer Fußnote, das Lied könnte Zeugnis damals noch recht
offen gelebter Homosexulaität unter Soldaten sein. In späteren
Versionen sei dann aus Prüderie das C.C." durch
See, see" ersetzt wurden. Wie dem auch sei,
in der hier vorliegenden Textversion von Mississppi John Hurt ist von einem
derartigen Zusammenhang nichts übrig außer dem Titel, zumal Hurt
singt: "Blues ain't nothin' but a good gal on your mind" (Blues ist weiter
nichts als dauernd an Mädchen zu denken). Von sexueller Metaphorik ist
allerdings das Wort "Rider". Ein "Reiter" ist ein Liebhaber - und "Reiten"
ist das Liebste, das man mit ihm unternimmt.
CCR -
Credence Clearwater Revival
Central - mit diesem Kürzel ist meist
ein Zug gemeint.
Chain Gang - In einigen Gefängnissen
der USA (wie dem Angola State Prison) werden Gefangene, etwa wenn es zu
Arbeitseinsetzen außerhalb des Gefängnisses geht, zum Teil noch
heute in Fußfesseln gekettet, wobei mehrere Stäflinge gemeinsam
an eine Kette (Chain Gang) gefesselt sind. Das setzt sie nicht nur der
Willkür der Aufseher gänzlich aus, sondern macht darüber hinaus
jeden individuellen Fluchtversuch unmöglich (was freilich ein Argument
für die konservative Strafgesetzpolitik ist und von der Realität
ablenkt, die wohl darin bestehen dürfte, dass die permanente
Gewaltverherrlichung in den Medien, vor allem aber die Gewaltausübung
des Staates selbst solche gewalttätigen Individuen schafft).
Chicago Blues - im Gegensatz zum
ländlichen Country Blues der
Südstaaten, welcher der damaligen Zeit entsprechend auf rein akkustischen
Instrumenten gespielt wurde, ermöglichte seit den 1950er Jahren die
elektrisch verstärkten Gitarre, die auch verzerrende Soundeffekte
zuließ, überhaupt erst den Durchbruch des Blues als Tanzmusik
(Rhythm & Blues), da nun die Gitarre als harmonieführendes Instrument
auch bei Begleitung durch Schlagzeug und andere laute Instrumente hörbar
blieb. Heute so berühmte Bluesgitarristen wie Muddy Waters oder B.B.
King, die ihr Handwerk bei den legendären, teils in Vergessenheit geratenen
Virtuosen des Country Blues gelernt hatten, profitierten, als sie damals
in den Lokalitäten der Großstädte des Nordens, so vor allem
in Chicago, auftraten, von dieser technischen Neuerung und entwickelten deren
Möglichkeiten und Stilistik maßgeblich.
Chillun - Slang für "children" ("li'll
chillun" = "little children")
City of New Orleans
- Name eines
Zuges wie "Midnight Special" oder "Orange Blossom
Special" und viele mehr... Coocoo Bird - warum der gleichnamige Song so
heißt, weiß der Kuckuck... Wahrscheinlich wird man nie erfahren,
wem es so wichtig war, ne Hütte am Berg zu bauen, um von da aus beobachten
zu können, wie ein gewisser Willie vorüberzieht..., und um
so weniger wird uns jemals einleuchten, warum der Kuckuck angeblich niemals
vor dem 4. Juli "warbelt". Gut, wir wissen, dass das der Unabhängigkeitstag
ist, aber was hat der nun wieder damit zu schaffen, dass jemand sowohl in
England als auch in Spanien Karten spielte, sich zehn Dollar pumpte (in
Spanien!), um im nächsten Spiel gewinnen zu können, und dank des
Karo-Buben doch all sein Hab und Gut in Form von Silber und Gold verlor?
Wer mehr darüber wissen möchte, lese
Greil
Marcus' Basement
Blues", daraus das Kapitel Das alte unheimliche Amerika". Und wer das
Lied (und etliche andere aus dieser Sammlung) hören möchte, besorge
sich die Anthology Of American Folk Musik .
Country Blues - selbst unter einigen Musikern
irrtümlich als Mix zwischen Country Music und Blues verstanden, meint
aber die Stilistiken des in den 20er und 30er Jahren im ländlichen
Süden der USA hervorgebrachten und damals rein akkustischen Blues, dessen
Markenzeichen das Folk Picking und Bottleneck -Slide auf der Gitarre
waren. Legendärster Vertreter war Robert Johnson. Der Begriff dient
heute vor allem der Unterscheidung vom elektrisch verstärkten Blues,
wie er ab etwa den 50er Jahren in den Großstädten des Nordens
gespielt wurde, daher auch Urban Blues oder
Chicago Blues genannt. Berühmtester
Vertreter letzterer Spielart war Muddy Waters, der aber wie B.B. King und
all die anderen Stars des Blues ihr Handwerk im Delta lernten.
Cover - Deckblatt, Titelseite einer LP oder
CD, bei letzterer Bestandteil des Booklets
Coverversion - eigentlich die Neuaufnahme
eines einstigen Hits durch einen anderen Interpreten, wobei sich die wesentlichen
stilistischen Merkmale mit denen des Originals decken (to cover). Eine
Band, welche auf diese Weise ausschließlich die bekannten Songs anderer
Musiker "nachspielt", nennt man daher Coverband, welche einerseits
(beispielsweise als Rolling Stones-Ersatz) sehr verbreitet und beliebt
sind, andererseits im Ruf mangelnder eigener Kreativität stehen. Da
sich allerdings auch anerkannte und so legendäre Musiker wie Elvis
Presley, Janis Joplin oder Jimmy Hendrix mit den Werken ihrer Kollegen
auseiandergesetzt haben, während andere Sänger wie Joe Cocker
überhaupt durch das Covern zu Stars wurden, ist das Image des Coversongs
ambivalent, denn mitunter übtrifft die Cover-Version das Original an
Ausdruck und Dyanmik, bekanntestes Beispiel ist eben Cockers Version von
"With A Lttle Help From My Friends".
Credence Clearwater Reviaval
- eine dem Folk & Blues verwurzelte kalifornische Rockband
um 1970, welche neben den von Bandleader John Fogerty geschriebenen Songs
auch
Traditionals und Lead Belly-Klassiker wie
"Midnight Special" und "Cotton
Song" zum Hit machten.
Cumberland Gap - eine Gegend
in West Virginia, die an die Bundesstaaten Kentucky und Tennesse angrenzt.
Während des Sezzessionskrieges (1861-1865) besetzten Truppen der Union
(Nordstaaten) unter General Morgan diesen strategisch bedeutsamen Punkt (Juni
1862), verloren ihn jedoch bereits drei Monate später (September 1962)
wieder an die Konföderation (Südstaaten). In der von Alan Lomax
überlieferten Version werden einige der historischen Namen und
Ereignisse erwähnt. Eine von Woody Guthrie gesungene Version verzichtet
auf den historischen Bezug, so dass das Lied eher den Touch eines Hobosongs
hat... Die Hobos gaben möglicherweise Informationen wie etwa "17 miles
to the Cumberland Gap" von einem Wagon zum nächsten durch. Vielleicht
gab es an der Stelle einen Haltepunkt, an dem die Wagons kontrolliert wurden.
Es war dann ratsam, sich dort nicht erwischen zu lassen. Vielleicht war dort
auch eine Weiche (Gap) und daher unklar, welche Richtung der Zug einschlagen
würde, so dass man nach dem Passieren dieser Stelle gegebenenfalls zum
Absprung bereit sein musste.
Daddy - in Bluestexten seltener
so etwas wie Pappi, sondern Liebhaber. Gleiches gilt für Mama. "My mama
left me" heißt also soviel wie "Meine Alte ist abgehaun". Shugar
Daddy ist ein meist älterer Mann, der mittels diverser Geschenke
oder finanzieller Zuwendungen eine meist jüngere Frau bzw. ein Mädchen
aushält, das ihm als Gegenleistung etwas das Alter versüßt.
Delta Blues - ein musikologischer Begriff,
der den im Mississippi Delta beheimateten Blues meint. Darunter ist primär
der ländliche, dem Country Blues
verwuzelte Stil zu verstehen,
aber im Unterschied zu letzterem auch seine moderneren, d.h. elektrifizierten
Formen, welches wiederum Bandbesetzung einschließen kann.
Deportees - eines jener Lieder,
die Woody Guthrie aufgrund einer Zeitungsschlagzeile oder Nachrichtenmeldung
schrieb. In diesem Falle enthielt sie die Meldung eines Flugzeugabsturzes,
was an sich immer ein gewisses Aufsehen erregt. Allerdings wurde
hinzugefügt, dass es sich bei den verunglückten Passagieren "nur"
um abgeschobene mexikanische Gastarbeiter gehandelt habe, daher heißt
es im Refrain: "And all they will call you is deportee" (Und sie nennen euch
einfach nur Abgeschobene).
Depression - meint hier die durch den
Kurssturz am Schwarzen Freitag (25. Oktober 1929) in den USA eingeleitete
wirtschaftliche Rezension, welche mehrere Jahre anhielt und besonders in
ländlichen Gegenden des Südwestens (Texas, Oklahoma) zu bitterer
Armut großer Teile der Bevölkerung führte. So
trug hauptsächlich die Wirtschaftskrise in den zuvor durch den
Öl-Boom prosperierenden Städten Oklahomas zum Exodus der Bewohner
bei, welche dann als Okies bezeichnet wurden, obgleich sich mit ihnen auch
Texaner und Bewohner anderer Bundesstaaten dem Track gen Westen, ins
vielverheißene Kalifornien, anschlossen. Bekanntester Okie wurde der
1912 in Okemah geborene Woody Guthrie und die später in John Steinbecks
Roman "Früchte des Zorns" geschaffene Figur Tom Joad, welche wiederum
durch gleichnamigem Song von Woody Guthrie populär wurde. Guthrie war
demnach an jenem Schwarzen Freitag ein junger Mann von 17 Jahren, und
nichts hielt ihn in der zudem auch noch von verherrenden Staubstürmen
heimgesuchten Provinz. Diese Situation vor Augen machte er die kollektive
Erfahrung der Heimatlosigkeit, denn wo er herkam, gab es keine Perspektiven,
und wo er hinkam, betrachtete man die Neulinge als Konkurrenten um die Jobs
und zudem als Wegelagerer. Guthrie thematisierte die Ausweglosigkeit in
zahlreichen seiner Songs, was ihn nicht gerade zum Star der kommerziellen
Musik, dafür aber um so mehr zur Gallionsfigur der Linken und der um
die Rechte der Arbeiter kämpfenden Gewerkschaften machte. Skrupellose
Arbeitgeber nutzten das Elend aus, indem sie die herumziehenden Hobos als
billigste Arbeitskräfte ausbeuteten.
Deputy - Assistent des Sherriffs,in den Songs
oft von schlechtem Ruf als korrupter Hilfssheriff
Dime - 10 Cent-Münze
Dixieland - einerseits die Bezeichnung
für jene, dem Jazz zugeordnete, von Bläsern dominierte instrumentale
Tanzmusik und andererseits für die Gegend der Herkunft dieser Musik,
eben Dixieland, worunter man die Südstaaten der USA versteht - und zwar
südlich der sogenannten "Mason-Dixon Line". Zwei Feldmesser hatten
seinerzeit die Grenzlinie zwischen Pennsylvania und Maryland abgesteckt.
Einer von ihnen hieß Mason, der andere Dixon. Entweder kommt die
Bezeichnung also von jenem "Dixon" oder aber, was als wahrscheinlicher gilt,
von jenen durch französische Siedler in New Orleans herausgebrachten
Zehn-Dollarscheinen, die nach dem französischen Wort "dix" (für
"zehn") Dixies hießen und als wertlos galten. Im Begriff Dixie Land
lebt schließlich auch noch eine Portion Südstaatler-Patriotismus
mit, der besonders durch die Kriegshymne "Dixie" Verbreitung fand. Das Lied
vurde allerdings von einem Nordstaatler namens Daniel D. Emmett geschrieben
- und das erste, worum Lincoln bei seiner Amtseinführung verlangt haben
soll, war, die Band möge "Dixie" spielen. Die Südstaaten-Nostalgie
findet ihren Ausdruck auch in Jimmy Rogers' Dixie-Hymne "Somewhere Down Below
The Dixon Line".
Dobro - der Markenname einer 1927 von John
Dopyera erfundenen und daraufhin in Serie produzierten sogenannten
Resonator-Gitarre. Sie besaß einen Stahlkorpus und eine, dem damals
gerade entwickelten Lautsprechern nachempfundene Membran im Schallloch, welches
zusammen für einen erheblichen Lautstärkevorteil gegenüber
der herkömmlichen Holzklampfe sorgte und damit in der prä-elektrischen
Musikepoche die Chance bot, sich gegen lautere Instrumente wie Banjo, Fiddle,
und Akkordeon, die bis dahin die Begleitung von Blues und Folksongs bestimmten,
zu behaupten. Aber auch im Jazz und Dixieland, wo Trompeten und Posaunen
das Sagen hatten, erhielt die Gitarre damit mehr bzw. überhaupt
Gehör. In den 40er Jahren wurden kriegswichtige Rohstoffe stark
rationiert, was zur Einstellunjg der Dobro-Produktion führte. Später
wurden unter dem Namen "National Steel" und "Regal"wieder ähnliche Gitarren
gebaut, in der Regel verchromt, während die Oberfläche des Original
teils mit Emailliertechniken bearbeitet wurden, die heute nicht mehr bekannt
oder zumindest zu aufwendig für eine Neuauflage sind. Mit der Dobro
unterm Arm gingen Musiker wie Bukka White, Blind Boy Fuller und Son House
in die Blues-Geschichte ein. Verbunden mit dem Namen Dobro ist auch
die als Bottleneck oder Slide bezeichnete Spielweise.
Doncha - Slang für "Don't you"
Dust Bowl - soviel wie Staubkessel. Ausbleibender Regen führte
Anfang der 30er im Südwesten der USA (Oklahoma, Texas) zur Austrocknung
weiter Landschaftsflächen. Neben dem Niedergang der Landwirtschaft
führte dies zu einer anhaltenden Umweltkatastrophe, denn als der Wind
über die ausgedörten Felder fegte, die keiner Pflanze mehr Halt
boten, wurden nicht nur die Lanschaften, sondern auch Dörfer und
Städte mit dem Staub überzogen, der durch jede Fuge drang.
Für die ländliche Bevölkerung, die ohnehin schon am
stärksten unter der wirtschaftlichen
Depression litt, führte dies in
eine Verelendung, von der viele Amerikaner erst in den 40er jahren durch
die Verfilmung von John Steinbecks "Früchte des Zorns" erfuhren. Viele
Okies, wie die Flüchtlinge aus Oklahoma und benachbarten Bundesstaaten
genannt wurden, machten sich mit den wenigen Dingen, die sie besaßen,
auf den Weg ins verheißungsvolle Kalifornien. Doch schon unterwegs
und um so weniger im sonnigen Kalifornien waren die als Landstreicher verrufenen
Okies beliebt, wurden weiter vertrieben oder als billigste Arbeitskräfte
ausgebeutet. Die Dramatik dieser kaum noch bekannten Epoche wurde in vielen
Songs Woody Guthries, der in jungen Jahren selbst zu diesen Flüchtlingen
gehörte, wiedergegeben. Eine ganze LP mit dem Titel "Dust Bowl Ballads"
widmete sich diesem Thema.
Dust my broom - zu deutsch so viel, wie "den Besen entstauben",
eine wahrlich poetische Metapher für das, was man auf deutsch "einen
runterholen" nennt.
Dust Pneumonia- soviel wie Staublunge. Wegen der Staubstürme
in Oklahoma und benachbarten Bundestaaten litten viele Einwohner in den 30er
Jahren an dieser Krankheit (siehe auch Dust Bowl)
Dylanology - mittlerweile ernst gemeinter
Begriff, der die äußerst umfangreiche literarische Beschäftigung
mit dem Werk und der Persönlichkeit Bob Dylans bezeichnet.
Elfego Baca - eine historische Figur des Wilden
Westens, nur nicht so bekannt wie die anderen Rabauken. Sein großer
Traum war es, Sheriff oder wenigstens Deputy zu werden. Da ihn niemand dazu
berief, besorgte er sich selbst einen Sheriffstern, steckte ihn sich ans
Jacket und sorgte für Ordnung, wie und wo er es für nötig
hielt. Eines Tages - um genau zu sein: am 30 November anno 1884 - trieb sich
in der hauptsächlich von Mexikanern bewohnten Stadt Francisco in New
Mexico ein betrunkener Cowboy herum, der den Mexikanern vor die Füße
schoss, um sie zum "Tanzen" zu bewegen. Der selbsternannte Sheriff Elfego
Baca mischte sich ein und "verhaftete" den Cowboy, womit er einerseits eine
ihm nicht erteilte "Befugnis" überschritt und andererseits die 80 Mann
umfassende Clique des übermütigen Cowboys gegen sich brachte...
Wie die Geschichte weiter und zu Ende ging, erzählt
mein Song. Und die Idee des Songs war es, auch mal
einem jener Revolverhelden ein musikalisches Denkmal zu setzen, die sich
kraft ihrer Fäuste und Waffen für die Sache des moralischen
Rechts eingesetzt haben, denn über die bösen Buben gibt es
ja bereits genug Lieder...
Fishing - zu gut deutsch so viel wie Angeln -
ist auch eine Metapher für eine Angelegenheit, die man hier ebenso
metaphorisch "Baggern" nennt. Mithin geht es nicht um den Fisch, jedenfalls
nicht um den allein, sondern um die Bräute, die man sich angelt oder
angeln möchte. Und wenn es im Refrain von Henry Thomas'
"Fishing Blues" heißt, "jeder Fisch beißt,
wenn man 'nen guten Köder an der Rute hat...", dann ist das auch in
diesem übertragenen Sinne zu verstehen.
Folk Picking ist eine Spieltechnik, bei der der Gitarrist
durch das Zupfen (engl.: picking) einzelner Saiten eine subtile Begleitung
seine Gesangs erreichen kann. Während die im permanenten Wechsel gezupften
Bass-Saiten den Rhythmus unterstreichen, können die gleichzeitig gezupften
höheren Seiten die Melodie hervorheben. Die Meister dieser Technik
können sich dann auch gitarristische Solo-Einlagen erlauben. Klassiker
dieser Spielart sind Mississippi John Hurt und Elizabeth Cotton.
Folk Revival nennt man eine Bewegung,
die sich in den 60er Jahren auf die Wurzeln der (damaligen) Popmusik
zurückbesann, d.h. auf das Liedgut der Folksongs, die Balladen und die
Blues. Als Vorreiter könnte man Woody Guthrie und
Lead Belly bezeichnen. Da die beiden gemeinsam
mit weiteren musikalischen Begleitern in den 50er Jahren in New York wohnhaft
wurden, von wo die Bewegung dann ausging, ist ihr Einfluß unbestritten.
Als Motor dieser Bewegung dürfte allerdings der Folk-Purist Pete Seeger
gelten. Vor allem könnte aber die Präsenz von Bob Dylan in New
York, etwa in "Gerde's Folk City", jener
wegen der Auftritte von inzwischen weltbekannten Musikern legendär
gewordenen Musikkneipe im Greenwich Village,
ein wichtiger Impuls gewesen sein. Gewiss müssten hier etliche weitere
Namen genannt werden, was aber den Rahmen sprengen würde. Ein weiteres
Moment, das die Folk und Blues Nostalgie begünstigte, war, dass man
bereits einer musikalischen Modeerscheinung der späten 50er namens
Rock'nRoll überdrüssig war und daher "back to the roots" (zurück
an die Wurzeln) wollte. Ein besonders entscheidender Aspekt des Folksongs
wie des Blues war aber auch, dass die Songs seit jeher teils rebellische,
zumindest aber sozial relevante Texte transportierten. In den 40er Jahren
wurden Melodien von Folksongs benutzt, um politische Themen zu popularisieren:
Gewerkschaftshymnen sowohl als auch patriotische Lieder entstanden. Die
während des Dauereinsatzes der US-Army in Vietnam um sich greifende
Kriegsmüdigkeit der Amerikaner, besonders aber die Auflehnung und
Wehrdienstverweigerung vieler junger Leute der sogenannten Beat-Generation
öffneten den Folkbarden Hof und Tor. Und Bob Dylan war genau zur richtigen
Zeit genau am richtigen Ort genau mit dem richtigen Song: "Blowin' In The
Wind", ein Song, der später zu einer der Hymnen der Hippies wurde, mit
deren Verschwinden dann allerdings auch das Folk Revival sein Ende
fand...
Folk Rock ist eine abgeriffene Bezeichnung, mittels
derer man sich zunächst mit Bob Dylans Griff zur elektrischen Gitarre
(Newport 19965) zu versöhnen suchte. Dylan hatte sich damals vehement
dagegen verwehrt, als Folkie vereinnahmt zu werden, entsprechend war die
Entrüstung für seinen elektrifizierten Auftritt. Dennoch ist Dylan,
ob es ihm passt oder nicht, in Sachen Folk einer der kompetentesten Musiker
der Gegenwart, nicht nur bezüglich der Art, wie er Folksongs und
Traditionals interpretiert, sondern auch wie er sich zum Wesen dieser Musik
äußerst (siehe Greil
Marcus). Mittlerweile wird
offenbar alles als Folk und Folk Rock etikettiert, was man in keiner anderen
Schublade unterkriegt - und das spricht im Grunde nur um so mehr für
die Unergründlichkeit der musikalischen und lyrischen Wurzeln...
Forty - je nach Kontext zum Beispiel eine 40 Acre große
Plantage.
Foster, Stephen
Frankie and Albert - in anderen Versionen auch "Frankie & Johnny", waren
ein verliebtes Pärchen wie irgendsonst auf Erden, bis der Alltag einzog...
Albert alias Johnny war nicht gerade einer von der feinen Sorte, amüsierte
sich auch mit anderen Mädchen, und als es Frankie zu fett wurde,
erschoß sie ihn. So geschehen anno 1899 in St. Louis, aber gewiss schon
etliche Male davor und etliche Male danach. Die unzähligen Versionenen
des
Traditionals können daher auch auf historisch früheren
Ereignissen beruhen. Wie dem auch sei, die Geschichte kommt immer wieder
und in der besten Familie vor. Da aber eher die Herren der Schöpfung
bewaffnet sind, ist meistens eine Frau als Opfer zu beklagen. Wegen der
vermeintlichen Entschlossenheit einer Frau, einen typischen Vetreter der
Sorte Macho zu liquidieren, galt der Song als Kampflied der nordamerikanischen
Emanzipationsbewegung... Woody Guthrie schrieb 1941 unter dem Titel "Adolph
& Nevilline" eine Persiflage auf das Traditional, in der er das politische
Techtelmechtel zwischen Hitler und Chamberlain aufs Korn nahm, bei welchem
dem deutschen Diktator die Duldung seiner Invasion in der Tschechei abgesegnet
wurde - mit den bekannten historischen Konsequenzen. Erstaunlich ist, dass
Guthrie bereits 1941, also noch mitten im Propagandarummel der
Kriegsgegener, die tatsächlichen Intrigen der Politiker durchschaute.
Eine Aufnahme dieses Songs existiert wahrscheinlich nicht .
French Quarter - historischer Stadtkern von New Orleans (siehe
auch Cajun)
Frog Went A-Courtin'- Ursprünglich kommt das Lied aus England, wo es
schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt ist. Den gleichen Inzest"
erzählt ein
Traditional mit dem Titel King Kong Kitchie Kitchie Ki-Me-O",
aufgenommen 1928 von Chubby Parker and His Old Time Banjo, zu hören
auf Harry Smith Anthology of American Folk Music. Textlich ein deutsches
Pendant wäre Ein Vogel wollte Hochzeit machen". Der Text hiesiger
Version folgt (bis auf die letzten 3 Strophen) der Version von Bob Dylan.
Die letzten drei Strophen sind einer aus Texas überlieferten Version
entnommen, bei der jeweils der erste Vers nur einmal wiederholt wird,
was durch eine Wiederholung des uh-huh" am Ende des Liedes ausgeglichen
wird.
Gal - Slang für "girl"
GEMA - Gesellschaft für musikalische
Aufführungs und mechanische Vervielfältigungsrechte, gegründet
als Deutsche Urheberechtsschutzvereinigung für Musiker 1915 in Berlin
-siehe auch Tantiemen .
Gerde's Folk City - unter diesem Namen wurde
eine zuvor mehr schlecht als recht laufende Kneipe in New Yorks Greenwich
Village bekannt, nach dem sich dort von 1960 bis 1964 die gesamte Folkszene
der Stadt etabliert hatte. Freunde des Inhabers jener inzwischen (ich war
1993 dort) wieder ebenso schäbigen, aber recht geräumigen Spelunke
organsierten dort Gigs und als Hootenanny bezeichnete Jam Sessions bzw. Open
Mic -Abende für Musiker, unter denen einige damals noch kaum bekannt,
inzwischen aber Teil der Musikgeschichte sind, und andere wie Gary Davis
schon berühmt waren. Als Bob Dylan 1961 dort auftrat, war er stolz,
mit Namen wie John Lee Hooker auf einem Programmzettel erwähnt zu sein.
In jedem Fall spielte der Laden damals auch eine zentrale Rolle für
das sogenannte Folk Revival .
Gig - geringfügig bezahlter Auftritt von
Musikern in kleineren Lokalitäten wie Cafes oder Kneipen, zu deutsch
auch Mugge = Kürzel für "Musikalisch
geschäftliche Gelegenheit" - in Unkenntnis dieser Bedeutung
fälschlich auch "Mucke" geschrieben.
Gimme - auch gimmy -Slang für "give me" style='font-size:
13.5pt'>Git - Slang für "get"
Gray, Arvella
Greenwich Village- Kiez im New Yorker
Stadtteil Manhatten, wo sich bis in die 1970er die Boheme konzentrierte.
Nachdem der Kiez in der Künstler- und Musikerszene angesagt war und
somit die Mieten stiegen, verlagerte sich das Flair zum East Village. Darauf
bezieht sich "Take A Walk On The Wild Side" von Lou Red - siehe auch
Gerde's Folk City und
Folk Revival.
Greil Marcus - Autor von "Basement Blues.
Bob Dylan und das alte unheimliche Amerika" (1998 Rogner & Bernhard
bei Zweitauseneins) und weiterer großartiger zeitgeschichtlicher und
biographischer Bücher. Genanntes Buch ist nicht nur für Dylanologen,
sondern auch - und mehr noch - für jeden an Folk & Blues interessierten
Leser sehr empfehlenswert.
Gumbo - ein tradionelles Gericht der Cajun
-Küche, das wie Jambalaya im wesentlichen aus Fisch mit Reis besteht
und mittels diverser Gewürze einen Hauch vonn Karibik erhält. Besungen
und daher weltbekannt wurden beide Gerichte durch den Hit
"Jambalaya" von Hank Williams .Weniger bekannt,
aber dafür das eindeutigere Hohelied auf eine Speise ist
"Gumbo" von Jesse Thomas.
Hanna - Synonym für Sonne - siehe
Rising Sun
Harry Smith (1923-1991 New York) war
enthusiastischer Sammler alter Platten, die vor der
Depression produziert wurden, wegen
der Kriegswirtschaft mit ihrer Rohstoffrationierung nicht wieder aufgelegt
wurden und wovon teils selbst die Master-Aufnahmen nicht mehr existierten.
Smith recherchierte akribisch, woher die Aufnahmen stammten, ordnete sie
drei Kategorien zu, um schließlich einen Teil davon 1952 als Anthology
Of American Folk Music herauszugeben.
Hawkins talks - synonym für Kälte, Winter, Frost, also
etwa Herr Frost spricht"
Hobo - Tramp, Wanderarbeiter,
Tagelöhner. Das Wort (auch in der Schreibweise: Hoboe) ist ein Kürzel,
das aus "hoe" (Schaufel) und "boy" abgeleitet wurde, und bedeutet
wörtlich also soviel wie "Schaufelbursche", jemand, der mit nur
wenigen Habseligkeiten und einer Schaufel ausgerüstet, auf der Suche
nach Arbeit von Ort zu Ort zog. Während der
Depression der frühen dreißiger
Jahre gab es für die verarmte ländliche Bevölkerung, besonders
in den südwestlichen Bundesstaaten der USA, fast nirgends genug Arbeit,
um den Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Da die Hobos meist als blinde
Passagiere in Güterzügen mitfuhren, wurden sie von offizieller
Seite als Landstreicher und Diebe deklariert.
Hootenanny -
offene Bühne im legendären New Yorker Lokal
Gerde's Folk City, wo sich unter etlichen
schon damals namhaften Musikern der junge Bob Dylan seine ersten Lorbeeren
erwarb. Heutzutage ist für dergleichen Veranstaltungen eher der Begriff
Jam Session üblich, ob nun tatsächlich gejammt wird oder
nicht. Die etymologische Wurzel des Wortes ist unklar, seine Bedeutung
ist jedenfalls "Bühne frei für Amateure"
Hot Corn Cold Corn -
Dieser in die Melodie eines Kinderliedes verpackte Song ist alles andere
als ein Hohelied aufs Getreide, jedenfalls nicht in fester, sondern in
flüssiger Form. Denn damit das Korn "hot" wird, muss es entsprechend
verarbeitet werden. Erst dieser Verarbeitung ist eine Essenz zu verdanken,
die man in einen "demijon" (Krug) füllen und schließlich trinken
kann - mit anderen Worten: Whiskey. CD-Tip: Jerry Garcia & David Grisman:
"Not for Kids Only". Unter dem Titel "Green Corn"
gibt es eine ähnliche Version von
Lead
Belly - siehe
auch Prohibition
Howard,
Thomas |
I.C. - Illinois
Central - Eisenbahstrecke bzw. Name eines Zuges von Chicago (Illinois) nach
Miami (Florida).
Injun - Slang für "Indians" (Indianer)
Instrumental - Musikwerk ohne Text bzw. ohne Gesang. Instrumentals
hatten seit den Zeiten von Ragtime bis in die 60er und 70er Jahre
Stammplätze auf den oberen Rängen der Hitparaden. Heute hingegen
sind eingängige und dennoch originelle Melodien so selten wie
eingängige und dennoch anpruchsvolle Texte. Das Instrumental ist so
gut wie ausgestorben.
Jack of
Diamonds - zu deutsch: Karo Bube, keine besondere Trumpfkarte...
Original ist der gleichnamige Song vom allseits bekannten Blind Lemon Jefferson.
Diese Version allerdings ist von Jesse Thomas, einem selbst unter den eifrigsten
Blues-Kennern kaum bekannten Sänger und Gitarristen alter Klasse (Jahrgang
1908), der 1995(!) eine phantastische Scheibe veröffentlichte, worauf
sich auch die in dieser Sammlung enthaltenen Songs Besse
Lavon", Your Ways And Actions" und
"Gumbo" und andere befinden (CD-Tip: Jesse Thomas:
Blue Goose Blues).
Jam
Session
Jambalya - siehe Gumbo
James Howard - blinder Fiddler aus Kentucky.
Von ihm hat Alan Lomax den
seinerseits als
Traditional ausgewiesenen Song
"Down In The Valley" angeblich aufgezeichnet.
Möglicherweise hat Huddie Ledbetter alias
Lead
Belly, der unter Vermittlung von Alan Lomax begnadigt und vorzeitig
aus dem Gefängnis entlassen wurde und dann als Lomax' Chauffeur tätig
war, Teile dieses Songs aufgeschnappt und entsprechend variiert, jedenfalls
gibt es von ihm eine ähnliche Version unter dem Titel
"Birmingham Jail".
Jelly Roll - mit
Marmelade (Jelly) gefülltes Gebäck, z.B. in
That Good Old Jelly Roll (Brownie McGhee) oder
in He's a Jelly Roll Baker (Lonnie Johnson).
In Bluestexten meist als sexuelle Metapher für Vagina. Der Liebhaber
bezeichnet sein bestes Stück in diesem Zusammenhang als "jelly
bean" und gibt damit an, ein "good jelly roll baker" zu sein. Die selbstbewusste
Frau behauptet von sich, sie könne gut "jello"...
Jesse James -
über den als Rächer und Freund der Armen glorifizierten Outlaw
gibt es historische Berichte, die ihn als skrupellosen Gangster entlarven.
Nach Bill ONeal
(Encyclopedia Of Western Gunfighters") besaß die Familie James
Sklaven und stand daher zum Ausbruch des Bürgerkrieges auf der Seite
des Südens. Angeblich von Anhängern der Union drangsaliert, schlossen
sich die Brüder James der Querrillia-Bande von William Quantrill an,
wo sie das Morden und Rauben lernten. Doch die Selbständigkeit"
der Brüder James wurde umgehend durch spektakuläre
Überfälle auf Banken und Züge unter Beweis gestellt. Wie so
oft in einer Gangsterbiographie wurde auch Jesses Leben durch ein Mitglied
seiner eigenen Bande, Robert Ford, der es auf das hohe Kopfgeld abgesehen
hatte, beendet. Witwe James soll Besucher für 25 Cents Eintritt zum
Grab des prominenten Toten geführt haben. Für einen Vierteldollar
gabs einen Stein von Jesses Grab als Souvenir. Ging der Vorrat aus,
besorgte sie sich neue Steine vom Ufer des nahen Baches (Fan-Tourismus im
19. Jahrhundert!).
Jig - die aus der traditionellen irischen und schottischen Folklore
stammenden Instrumentals, die auf einem 6/8-Takt beruhen - im Gegensatz zum
4/4 Takt des Reel genannten Pendants. Wichtig ist diese Unterscheidung besonders
für das Spielen des Bodhráns,
einer aus Irland stammenden Handtrommel. Der Bodhrán-Trommler muss
allerdings auch noch Slip Jigs (9/8-Takt) und andere rhythmische
Spezialitäten drauf haben.
Joad, Tom
John Hardy -
offensichtlich einer jener Desperados, die wie
Stagolee alles konnten, nur nicht beim
Pokern verlieren. Die Melodie des durch eine Aufnahme von
Lead
Belly überlieferten
Traditionals wurde auch von Woody Guthrie
für seinen Song Tom Joad "recycled".
John Henry
- bekannt als der Mann, dessen Ehrgeiz, mittels Muskelkraft die
Überlegenheit des Menschen über die Maschine beweisen zu wollen,
tötlich endete. Da in gleichnamigen
Traditional normalerweise vom "leader
of the chain gang" die Rede ist, sollte
allerdings erwogen werden, ob er dies allein aus diesem Motiv heraus wagte
oder ob er dafür andere Gründe hatte. Neben den bekannten John
Henry-Versionen von Woody Guthrie oder
Lead
Belly gibt es unter dem Titel Gonna Die With My Hammer"
eine Aufnahme von den Williamson Brothers
(Anthology Of American
Folk Music). Wie am Text von John Hurts "Spike
Driver Blues" zu erkennen ist, handelt es sich dabei einerseits um eine
Version von "Take This Hammer", andererseits bezieht
auch dieser Song sich auf die Legenden um John Henry.
John Riley
- gleichnamige Ballade kommt aus dem schottischen Liedgut und dürfte
- wenigstens inhaltlich - der gleichen Tradition wie "Belle
Isle" entstammen.
John Wesley Harding
- An Bob Dylans Song stimmt so gut wie gar nichts mit der historischen Figur
überein, nicht einmal der Name (Hardin ohne "g"), dennoch wird Hardin,
auch kurz Wes genannt, den Namen für diese Outlaw-Romantisierung geliehen
haben, die man eigentlich eher als eine so gewollte Verhohnepipelung des
Genres ansehen kann. Denn bei aller aufrichtigen Vorliebe von Bob Dylan für
die bösen Buben des Wilden Westens, werden ihm wohl ein paar mehr Fakten
über Hardin bekannt gewesen sein, als dass der keiner Fliege was zu
Leide tun konnte, stattdessen immer eine helping hand" besaß
und niemals einen foolish move" machte. Um mit letzterem anzufangen:
die tödliche Kugel traf ihn, wenn wir wiederum
Bill O'Neal (Encyclopedia
Of The Western Gunfighters") trauen dürfen, von hinten, und zwar beim
Pokerspiel, ziemlich uncool für einen Desperado. Bis zu diesem Tag hatte
er es auf immerhin 19 historisch überlieferte Schießereien und
in ein, den Umständen entsprechend, hohes Alter von 42 Jahren gebracht.
Wie Frank und Jesse James hatte auch
Hardin nicht gerade den Ruf eines Humanisten. Im zarten Alter von zwei Jahren
lehrte ihm sein Vater (von Beruf Methodistenpfarrer!) bei der Jagd und mittels
Standbildern von Abraham Lincoln den Umgang mit dem Schießeisen. Mit
11 Jahren stellte er unter Beweis, daß er auch mit herkömmlichen
Waffen umgehen konnte, in dem er einen anderen Jungen mit dem Messer verletzte.
Mit 15 schließlich wurde ein ehemaliger Sklave Opfer seiner
Schießkünste. Die drei Soldaten, die ihn daraufhin festnehmen
wollten, lockte er in einen Hinterhalt und legte sie gleichfalls um. Tja,
so war er, der kleine Wes, der, wie Dylan dichtete, dafür bekannt gewesen
sei, niemals einem honest man" ein Haar gekrümmt zu haben. Der
Weg dieses Mannes war gesäumt von Leichen, weitere Einzelheiten entnehme
man dem bereits zitierten O'Neal oder den zahlreichen dort angeführten
Quellen.
Kingsport
Town - Um welches Kingsport Town es sich in gleichnamigem Song
handelt, ist schwer zu sagen. Dylans Kingsport Town liegt offenbar in Tennessee,
wenn er singt: "Who's gonna kiss your Memphis mouth?" Bei diesem Song handelt
es sich um ein Out Take von Dylans
Freewheelin", später veröffentlicht auf The Bootleg
Series", wo es im Booklettext heißt, der Song sei eine Bearbeitung
von Woody Guthries Whos Going To Shoe Your Pretty Little Feet",
welches wiederum auf einer sehr alten Ballade basiere... Von der Stilistik
her könnte es auch eine jener typischen Balladen aus Irland sein. Der
Booklet-Autor identifiziert den sprachlichen Akzent als
Okie accent" (Oklahoma-Akzent), was
angesichts der Tatsache, dass Dylan sich in jungen Jahren sehr intensiv mit
dem Werk von Woody Guthrie beschäftigt hat, nachvollziehbar ist.
Lead Belly
- oft Leadbelly geschrieben - hieß mit bürgerlichem Namen Huddie
Ledbetter. Im Knast soll er von Mitgefangenen den Spitznamen Lead Belly bekommen
haben, weil er einen so kräftigen Körper hatte, dass ihm bei
Schlägerein niemand ernsthaft schlagen konnte. Sein Bauch sei wie aus
Blei gewesen (lead belly = Bleibauch). Lead Belly war mehrfach im Knast,
unter anderem weil er einen Nebenbuhler seiner Freundin getötet hatte.
Der Legende nach wurde er begnadigt und entlassen, weil der Gouverneur von
Texas so sehr von Lead Bellys Gesang und Spiel auf der 12-saitigen Gitarre
beindruckt war - siehe auch Alan Lomax
Little Sadie - eines jener Opfer eifersüchtiger
Liebhaber, von denen es in der amerikanischen Folk Music so zahlreiche gibt,
dass man ein eigenes Genre unter der Bezeichnung "Murderer Ballads" pflegte.
Weitere nach den Opfern benannte Songs sind "Lily Of The
West" und "Naomi Wise". Oft sind die
Titel aber dem Namen des Täters (bekanntestes Beispiel
"Tom Dooley") oder dem Ort des Verbrechens
("Banks Of The Ohio") entliehen. Auf Bob Dylans Album
Self Portrait" gibt es zwei Versionen von "Little Sadie". Während
die eine Version mittels flottem Tempo und eher einfachen Akkordwechseln
die tragische Situation des Erzählers (Mord, Reue, Flucht Verurteilung,
Knast) eher absurd wirkt oder wenigstens das ansich tragische Geschehen mit
einer gewissen Gleichgültigkeit herunterspult, dramatisiert die andere
"In Search of Little Sadie" benannte Version
mittels raffiniertem Rhythmus- und Tonartwechsel, teils innerhalb der
Strophe.
Lomax,
Alan
L & N
- eines jener zahlreichen
Kürzel, die meist für den Namen eines Zuges stehen, z.B. auch im
M & O Blues
M
& O -
eines jener zahlreichen Kürzel, die meist für den Namen eines Zuges
stehen, z.B. im M & O Blues
Mama - siehe Daddy
Master - 1. Sklavenaufseher, 2. die
endgültige, auf ein anderes Medium (heutzutage meist DAT-Tape) kopierten
Tonspur (Tracks) einer Studioaufnahme. Gesang und Instrumente werden mit
seperaten Mikrofonen auf seperate Spuren (beim herkömmlichen Tonband)
oder Kanäle (bei moderner Digitalaufnahme) aufgezeichnet. Der Tonmeister
muss, in Absprache mit den Musikern, von diesen diversen Spuren einen
klanglich alle Beteiligten zufriedenstellenden Mix zusammenzaubern, welcher
dann als Master die Grundlage zur Vervielfältigung, sprich CD-Pressung
wird. Ist dieses Original verloren gegangen oder durch Zerstörung vernichtet
worden, dann bleibt nur noch das Kopieren von anderen Scheiben. In der Epoche
der Schellackplatte bedeutete der Verlust des Masters, dass man von einer
Platte zurückkopieren musste, die bereits wegen diverser Kratzer knisterte.
Das Knistern lässt sich wiederum von Computern berechnen und dann teils
recht erfolgreich eliminieren. Weil bis zurm fertigen Endmix viel Arbeit
angefallen ist, war man besonders im prä-digitalen Zeitalter gut
beraten, das Master wie den eigenen Augapfel zu hüten.
Midnight Special
- der Name eines Zuges. Der
Zug und sein von weitem zu hörendes Pfeifen weckte die Sehnsucht nach
Freiheit. Daher stehen der Name eines Zuges oder Wörter wie "train"
und "whistle" in etlichen Jailhouse-Songs als Symbol für die ferne,
unerreichbare Freiheit. Bekannteste Coverversion dieses Songs ist der einstige
Hit von CCR - siehe auch
"Rising Sun"
Minstrel
Show - im 19. Jahrhundert eine Veranstaltung, bei der sich weiße
Sangesbarden ihre Haut schwarz bemalten und auf diese Weise schwarze Sänger
nachahmten oder auch verhöhnten, was absichtlich grotesk wirken sollte.
Denn vor allem ging es bei den Shows um Belustigung der Masse. Ähnlich
ging es um die Jahrhundertwende bei den sogenannten Medicin Shows zu. Wie
der Name schon sagt, dient die Unterhaltung dem Verkauf diverser Heilmittelchen.
Comedy diente dem Kommerz, bevor es selbst das Business schlechthin wurde
(no business like show business!) Beispiel für einen Minstrel Song ist
das Traditional "Arkansas Traveler" (CD-Tip: Jerry
Garcia & David Grissman: Not For Kids Only). Das Wort Minstrel ist meines
Wissens mit dem Begriff Minnesang verwandt bzw. davon entlehnt. Unter Bob
Dylans Minstrel Boy hat man sich wohl eher einen
Straßenmusikanten vorszustellen. Dylan besaß die Kühnheit,
seinen Minstrel Boy bei einem Open Air Festival vorzutragen. Die von jolendem
Publikum begleitete Live-Aufnahme ist auf seinem Album
"Self Portrait"(1970) zu hören.
Mojo - I got my mojo workin' - jeder Bluesfan
kennt diesen Hit von Willie Dixon bzw. Muddy Waters. Aber was ist ein Mojo?
Das weiß heute nicht einmal jeder, der diesen Blues singt oder den
Refrain mitgrölt. Ursprünglich ist ein Mojo weiter nichts als das
wichtigste Amulett des Hoodoo oder auch Voodoo genannten Kultes, der aus
verschieden Elementen afrikanischer Religionen besteht und durch die
Sklaventransporte zunächst in die Karibik gelangte. Die christlichen
Missionare verboten diese für sie unverständlichen Bräuche,
so dass die Zeremonien des Voodoo nur als heimliche Rituale praktiziert
werden konnten. Das Mojo, so glauben die Anhänger der Religion, kann
verschiede Lebensangelegenheiten beeinflussen, etwa das Haus zu schützen.
In diesem Falle wurden ein Mojo nahe an der Tür befestigt. Je nach Zweck
sind unterschiedliche Zutaten erforderlich. Um beispielsweise das Glück
in der Liebe oder beim Pokern zu beeinflussen, musste man es versteckt am
Körper tragen. Was das Mojo besonders ominös machte und zur sexuellen
Assoziation führte, ist die Tatsache, dass Frauen das magische Amulett
in einem kleinen Beutel unter ihrem Rock trugen. "Going to find that mojo",
ist demnach eine Metapher für "unter den Rock greifen". Ein Beispiel
für diese Zeideutigkeit ist der Scarey Day
Blues von Blind Willie McTells. Wo der ursprüngliche Sinn
des Wortes unbekannt oder verloren ist, überwiegt die sexuelle Konotation.
Der synonyme Gebrauch für Penis ist demnach eine weit hergeholte
Interpretation.
Moonshiner
- illegal gebrannter Schnapps während der Zeit der
Prohibition,
der im schützenden Dunkel der Nacht hergestellt wurde. Als Kumpan erwies
sich dabei der Mondschein, der die einzige Lichtquelle beim heimlichen Tun
blieb - daher das Wort Moonshiner, was einerseits das Produkt (in der Regel
Whiskey), aber auch den Trinker, vor allem den abhängigen Alkoholiker
bezeichnete, der sich sein Gläschen mitunter gleich vor Ort, in der
Brennerei (still) füllte. Die
Whiskeey-Steuer war bereits Ende des 19. Jahrhunderts über einenen Dollar
pro Galone gestiegen (zur damaligen Zeit war ein Dollar wesentlich mehr als
heute). Mit dieser hohen Steuer wurde die Gewinnspanne für die Hersteller
und Händler so niedrig, dass bereits um die Jahrhundertwende der
Handel mit illegal hergestelltem (ohne Steuer verkauften) Whiskey blühte.
Diesem enormen Steuerloch versuchte man dann in den zwanziger Jahren mit
den Prohibitionsgesetzen zu begegnen (womit das Pferd erst recht von hinten
aufgezäumt wurde). Und so blieb die illegale Schnappsbrennerei (Moonshining)
noch lange nach Aufhebung der
Prohibition
bis in die fünfziger Jahre populär, besonders in abgelegenen
Gegenden wie den Bergen und Wäldern von Virginia, Tennesse, Georgia,
Carolina.
Mr. Bojangles
Murderer Ballads - siehe
Little Sadie
Naomi
Wise - eines jener in sogenannten Murderer Ballads besungenen
Opfer männlicher Eifersucht, Rache oder jedenfalls Gewalttätigkeit.
Im Zustand der Schwangerschaft soll Ommie, wie sie in einigen Versionenen
des Traditionals auch genannt wird,
1807 in Deep River, North Carolina, von ihrem Liebhaber ertränkt worden
sein. Der Täter konnte entkommen und wurde nie gefasst.
Nickel - 5 Cent-Münze Nobody's Fault - Song von Blind Willie
Johnson, an dem sich nur wenige versuchen, teils wegen schwer
verständlicher Textabschnitte, zum andern wegen der einzigartigen Bottleneck
-Technik Johnsons. Es heißt, Johnson habe die Slide-Effekte mit der
Klinge eines Taschenmesser serzeugt. style='font-size: 13.5pt'>Number
- Züge waren entweder schlicht nummeriert (number one, number nine)
oder hatten teils so phantastische Namen wie "Orange Blossom Special", nach
dem etwa der gleichnamige Bluegrass benannt wurde.
Okie - saloppe Bezeichnung für jemend, der aus Oklahoma stammt-
siehe auch
Depression
Old Hannah - siehe Rising Sun
Open Mic
- Kürzel für
"open microphon" ("offenes Mikrophon). Während es auf den
Amateurbühnen in Deutschland meist recht lässig zugeht, sind solche
Veranstaltungen in den USA meist gut organisert, d.h. von einem Mangaer oder
Musiker betreut, der Anweisungen über das Wann und Ob gibt - also auch
Kandidaten abweisen kann.
Opener - Musiker, der eine
Jam Session "eröffnet" oder insgesamt
leitet.
Outta - Slang für "ought to"
Out Take - die nicht zur
Veröffentlichung gelangte, "herausgenommene" Aufnahme einer
Recording Session, die mitunter
später auf diversen Samplern mit
dem Vermerk "previously not released" (zuvor unveröffentlicht)
herausgebracht wird.
Pastures of Plenty
- Woody Guthrie schrieb eine ganze Reihe von Songs über Gast- oder
Wanderarbeiter. Die sogenannten Hobos waren
billige Arbeitskräfte, die zum Beispiel auch für den Bau des Grand
Coulee Staudamms benötigt wurden, zumindest für die groben, schweren
körperlichen Arbeiten. Diese Lieder bedienten einerseits die
Landstreicherromantik und huldigten gleichzeitig dem technischen Fortschritt
der damaligen Zeit, dem zunächst einmal Arbeit und Lohn, dann
Elektrizität und ein gewisser Komfort zu verdanken war. Einige dieser
Songs waren Auftragswerke der Unternehmen. Dies sei nur angemerkt, um dem
einseitigen Mythos, Woody sei einzig der Sänger der Arbeiter und
Gewerkschaften gewesen, etwas entgegen zu halten. Unter obigem Titel wurde
posthum auch ein Buch mit zuvor unveröffentlichten Texten Guthries
veröffentlicht.
Pat Garrett - einstiger Kompanion des
berühmt-berüchtigeten, sich durch den Wilden Westen
schießenden Outlaws und Viehdiebes
Billy the Kid. Als Pat Garret,
der sich in jungen Jahren als Cowboy und Barkeeper verdingte, 1880 zum Sheriff
von Lincoln County ernannt wurde, kam es ihm zu, den einstigen Freund zu
stellen. Dies gelang ihm auch, aber Billy konnte entkommen, indem er sich
ein weiteres Mal den Weg freischoss (woher er auch immer die Waffe hatte?).
Als Garret ein Jahr später Billy erneut stellte, erschoss er ihn. Die
Legenden spinnen sich um diese tragisch endende Männerfreundschaft,
verfilmt etwa 1970 in "Pat Garret & Billy The Kid" mit Kriss Krisstofferson
als Pat Garret, Filmmusik von Bob Dylan, der als "Alias" eine markante Nebenrolle
spielt.
Peach Bowl - die Obstplantagen
des verheißungsvollen Kalifornien - im Gegensatz zum
ausgedürrten Dust Bowl, den von
Staubstürmen verwüsteten Landschaften Oklahomas.
Pen - Slang für "penalty" (Strafe) und
Wortspiel mit "pen" (Stall), daher im jeweiligen Kontext mit Knast zu
übersetzen.
Penny's Farm -
ein
Traditional, das die Ausbeutung der Pächter von Farmland
durch gierige Landlords und knallharte Geschäftsleute reflektiert. Mit
dem Ende des Bürgerkriegs wurde die Abschaffung der Sklaverei besiegelt.
Etliche Plantagenbesitzer, deren Wohlstand auf der Sklavenarbeit beruhte,
verpachten daraufhin ihr Land an arme Leute und befreite Sklaven, und
zwar mit Abgabenlasten, welche die Situation für die einstigen Sklaven
so wenig verbesserte wie für die anderen Pächter. Die Lage war
mitunter hoffnungslos, und dennoch besaßen die Leute den Mut, in Liedern
wie "Penny's Farm" ihrer eigenen Situation zu spotten, und den Humor, Scherze
wie diesen zu machen: "Come over to my house for dinner. We got a thousand
things to eat, and everyone of them is whippoorwill beans."(Komm doch zum
Essen rüber und sei unser Gast! Wir haben tausenderlei Dinge zu essen,
und jedes davon ist ein Häufchen Vogelkacke.) "Penny's Farm" ist dank
der Bentley Boys (und dank Harry Smith)
auf der Anthology Of American Folk Music
überliefert. Bob Dylan entlieh sich die s>Melodie für seinen
Song "Hard Times in New York Town", in dem seinen ersten Versuch, sich in
der Folk-Szene der Metropole zu etablieren, reflektiert. Als er den Song
aufnahm, Ende 1961, war er allerdings schon angekommen, denn er hatte nicht
nur den Plattenvertrag mit Columbia in der Tasche, sondern auch schon die
Songs aufgenommen, darunter jenes erst 30 Jahre später auf den Bootleg
Series veröffentlichte "Hard Times in New York Town". Im Übrigen
liegt es nahe, dass ihn "Penny's Farm" auch zu "Maggie's Farm"
inspirierte.
Pretty Boy Floyd
- In Woody Guthries Song wird Floyd als edler Outlaw, als Robin Hood
dargestellt, der quasi nur infolge jenes Zwischenfalls mit einem provokanten
Deputy Sherrif auf die schiefe Bahn gekommen
ist. Kinky Friedman kommentiert auf einer Live-CD (From One Good American
To Another"), dass Floyd zu unrecht glorifiziert wurde, denn er sei schlichtweg
ein gemeiner Bankräuber gewesen. Wäre Floyd tatsächlich einer
jener skrupellosen Gangster oder Killer des Wilden Westens gewesen, so
könnte man erwarten, dass Bill
O'Neal ihn nicht übersehen und in seine Encyclopedia ff Western
Gunfighters" aufgenommen hätte. Dem ist allerdings nicht so, und somit
bleibt die Legende vom edlen Outlaw als dem Freund der Armen.
Prodiagl Son - die Geschichte
vom verlorenen Sohn. Der hiesige Text entspricht weitgehend dem (teilweise
leider unverständlichen) Original von Rev. Robert Willkins (aufgenommen
beim Newport Folk Festival 1964). Es gibt eine weitere Version von Willkins
unter dem Titel Thatll Be The Way To Get Along". In einer etwas
kürzeren Version wurde der Song von Rev. Mig Jagger & Co...
auf "Beggars Banquet" gecovert.
Prohibition - das Verbot der
Herstellung, des Verkaufs und Erwebs, des Besitzes, Ausschankes, der
Ein- und Ausfuhr von Alkohol in den Jahren von 1920 bis 1934 (USA). Gesetze
sind bekanntlich immer sehr ausführlich, um alle juristisch relevanten
Aspekte abzudecken. Eigenartig dabei ist, dass der eigentliche Konsum der
verbotenen Dinge nicht ausdrücklich untersagt war. Seltsames Relikt
der Prohibition ist das bis heute gültige Verbot des Alkoholkonsums
in der Öffentlichkeit, d.h. außerhalb der eigenen vier
Wände bzw. von Bars etc., zu denen man im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten erst ab dem Alter von 21 Jahren Zutritt hat, was von
Türstehern penibel kontrolliert wird. Trinklieder und "musikalische
Anleitungen" zur Herstellung von Whiskey (Copper
Kettle) gab es allerdings schon vor der Prohibition. Eines der seinerzeit
populärsten Hohelieder auf Whiskey war Little
Brown Jug, das 1869 publiziert und einem Songwriter namens Joseph Winner
zugeschrieben wird. Aus gleicher Ära dürften Songs wie
"Hot Corn Cold Corn" oder
"Green Corn" stammen. Aus Irland, das dank kluger
Mönche die Heimat des Whiskeys ist, dürfte eine der melancholischsten
Balladen zum Thema stammen: Moonshiner
Ragtime - ursprünglich
für Klavier komponiert und daher an selbigem gespielt. Als Urvater dieser
um die Jahrhundertwende beliebten Tanzmusik gilt Scott Joplin mit seinem
1899 geschriebenen "Maple Leaf Rag", so benannt nach dem gleichnamigen Club
in Sedalia, Missouri, wo er als Pianist engagiert war. Der Erfolg seines
Instrumentals führte einige
Jahre danach, 1903, zur Ergänzung um einen Text von Sidney Brown, was
die Popularität vergrößerte (ähnlich später bei
Carmichaels "Star Dust"). Da Ragtime
so beliebt war, bemühten sich auch Gitarristen darum, die Stücke
auf ihrem Instrument zu spielen. Die beim Ragtime benötigten Akkorde
ließen sich auf den Tasten des Pianos greifen, jedoch auf dem Griffbrett
einer Gitarre erforderten sie sehr gelenkige und erst recht flinke Finger.
Ragtime Picking ist daher wahrscheinlich die raffinierteste aller
Begleittechniken auf der Gitarre. Meister dieser Technik und Guru für
eine ganze Generation von Gitarristen war der blinde Straßenprediger
Rev. Gary Davis aus New York. Auf Gitarre gezupfter Ragtime ist wegen dieser
nur mit großer Geduld erlernbaren Technik heute nur selten live zu
hören.
Railroad Bill - Von diesem, sich besonders
im Umfeld der Eisenbahn durchs Leben schießenden schwarzen Outlaw aus
Alabama erzählt die Legende, er habe sein Tun in die hehren Dienste
der Gerechtigkeit gestellt, indem er sein Diebesgut billig an die schwarze
Bevölkerung verhökerte. Ihm blühte das Schicksal vieler seiner
Kollegen (siehe "Billy The Kid"):
er wurde in einen Hinterhalt gelockt und von Kugeln durchsiebt.
Recording Session - Aufenthalt
im Tonstudio zur Aufnahme von Musik.
Ride the Blind - Den "Blinden"
fahren: Damit war der Gepäckwagen eines Zuges gemeint, der keine Verbindung
zum Zug hatte (blind) und wo man deshalb während der Fahrt als
Hobo (blinder Passagier) vom Zugpersonal nicht
erreicht wurde. (Danke für diesesn Hinweis an Axel Schifer aus
Stuttgart)
Rising Sun - Die aufgehende Sonne ist gewiss
das Letzte, wonach sich ein in der Chain
Gang angeketteter Sträfling sehnt. Denn jeder neue Tag in einem
der berüchtigten Gefängnisse und Straflager der USA, etwa
Angola State Prison, ist ein
harter Tag voll schwerster körperlicher Arbeit unter unmenschlichsten
Bedingungen. Daher wünschten sich die Gefangenen lieber, die Sonne,
die sie auch "Old Hannah" nannten, möge
endlich und für immer untergehen: "Go down, Old Hannah, and no more
rise!" (Geh unter, alte Hannah, und nie wieder auf!) wie in
Lead Bellys Song "Go
Down Old Hannah".
Robert Ford - jener "schmutzige
kleine Bastard" (wie es in der Outlaw-Ballade über
Jesse James heißt), der
"wie ein Dieb in der Nacht kam" und den legendären Bank- und Zugräuber
zur Strecke brachte. Ford war einst selbst Mitglied der James Bande und
hatte es dann auf das Kopfgeld des Mannes abgesehen, der einst sein
Anführer war. Moral von der Geschicht: Man traue niemals seinen Angestellten
nicht! Rock Island Line - Name eines Zuges.
Bekannt gemacht - und daher immer mit seinem Namen verbunden - wurde dieses
Traditional in den 50er Jahren von
Lead Belly, der auch den ungewöhnlich
langen gesprochenen Teil hinzufügte. Die letzten beiden Strophen sind
aus Versionen, die Alan Lomax 1934
auf seiner Suche nach Folksongs bei den schwarzen Gefangenen in den
Gefängnissen von Arizona (Little Rock) aufnahm. Lead Belly, einst selbst
Sträfling, war zu dieser Zeit Lomax Chauffeur, wo er diesen und
viele Song skennenlernte.
Rolling Stone - Metapher für jemand,
der mehr oder weniger freiwillig unterwegs (on the road) ist, siehe auch
Tumbleweed und
Hobo . Danach benannt hat sich die allseits
bekannte Kapelle der Herren Jagger & Richards, die's wohl eher freiwillig
sind... Bekannt ist die Metapher auch durch den Titel "Papa Was A Rolling
Stone" von The Tamptations. Schließlich hat eine renomierte
Musikzeitschrift zur Popularisierung der Metapher beigetragen.
Rosetta Henry - eine von Charlie Patton in seinem Song.
"Moon's Goin' Down" erwähnte Freundin aus
Clarksdale, Mississippi. Und viel mehr als das, was Patton in diesem Song
verrät, wissen die Blues-Forscher über seine Herkunft und sein
Leben auch nicht. Route 66 - legendäre
Fernstraße von Chicago nach Los Angeles, heute nur noch in
Bruchstücken erhalten, da durch modernere (breitere) Highways ersetzt.
In die Musikgeschichte eingegangen ist die Straße, weil auf ihrem Asphalt
sowohl in den Metropolen, die sie verbindet als auch im Südwesten, den
sie durchquert, großartige Musiker unterwegs waren. Hier auch nur einige
aufzuzählen, wäre müßig. Vor allem ist die Straße
aber durch den nach ihr benannten Song von Bobby Troup zu Kultstatus und
damit zu touristischer Atraktivität gelangt: "If you ever plan to motor
west, travel my way, take the highway, that's the best." Indem der Song etliche
an der Strecke gelegenen Orte benennt, wird einem recht typischen
Lokalpatriotismus gefrönt, und das macht den Song bekannt. Zum Hit wurde
er allerdings durch den urigen Reim "Get your kicks on route 66!" Gecovert
von den Rolling Stones und auf diese Weise auch jüngeren Europäern
bekannt gemacht, besorgte der Ohrwurm seit den frühen 60ern Jahren mehr
als jeder andere Hit eine stattliche Tantioemen-Rente für seinen Urheber.
Salty Dog - wie der
Name sagt, eine salziger Hund, d.h. ein Kerl, dessen Ausdünstungen dampfende
Muskelpakete assoziieren - und das sind in der Regel die Rauhbeine: Cowboys,
Abenteurer, Gängster, Männer jedenfalls, die nicht jeden Morgen
in die Wanne steigen. Solche Burschen waren (für romantische Mädels
nach wie vor) begehrte Liebhaber. Dass der Begriff auch eine sexuelle Metaphorik
hat (bezüglich eines gewissen Körperteils), ist naheliegend.
Sampler - LPs oder CDs, die Aufnahmen
verschiedener Musiker oder Ausschnitte aus dem Gesamtwerk eines Künstlers
bzw. einer Band enthalten, z.B. die sogeanannten "The Best Of"-Scheiben.
Session -Treffen von Musikern zwecks gemeinsamen
Musizierens. Jam Session bedeutet, dass ein Musiker von anderen begleitet
wird, ohne dass das Stück vorher gemeinsam geprobt wurde. Dies setzt
allerdings voraus, dass die Musiker sich im Genre und Repertoire des
"Openers" gut auskennen oder dass die Titel
gemeinhin bekannt (Standard) sind.
Set - eine Anzahl von Songs, die in einem Teil
des gesamten Programms gespielt werden. Beim Auftritt mit einer Band bedient
man sich meist einer Set List, welche die Reihenfolge der Songs festlegt
und Tonarten oder sonstige Hinweise enthält.
Shanandoah - Name
eines am Missoury beheimateten Indianerstammes. Die Melodie des gleichnamigen
Traditionals (hier eine aus verschiedenen Fassungen vereinte
Version) wurde auch für einen (möglicherweise älteren) Song
mit dem Titel "Mizzoury" verwendet. Ein Leser
teilte mir mit, dass Shenandoah ein "running song" in dem Drama "Morning
Becomes Electra" von Eugene O'Neil sei.
Singer - Songwriter -
relativ moderne Bezeichnung für Sänger, die vorwiegend ihre eigenen
Songs singen und sich dazu auf einem Instrument (meist Gitarre) begleiten.
Von Singer/Songwritern geschriebene Songs unterscheiden sich meist auch durch
den künstlerischen Anspruch von Titeln, welche in Arbeitsteilung für
die Masse produziert werden. Die klassische Avantgarde der Country-Sänger
wie Gene Autry, Hank Williams und Jimmy Rogers gehörten zu
jenen Künstlern, denen die Musen sowohl als Dichter, Komponist und Musiker
zu Diensten waren.
Smith, Harry
Soho - Kürzel für: South of Houston (bedeutet: südlich
der Housten Street im New Yorker Stadtteil Manhattan - eine Gegend mit vielen
Bars, Kneipen etc.
SP - Southern Pacific (Eisenbahnstrecke)
Stagolee - der eigentliche
Name soll Stack Lee gewesen sein, Sohn einer Familie, welcher eine Dampferflotte
auf dem Mississippi gehörte. Es heißt, Stack sei als Heizer auf
einem dieser Dampfer tätig gewesen. Wer auch immer dieser bad
nigger" (wie es im Text heißt) wirklich war, dem Song nach war
er wenigstens alles andere als ein guter Verlierer, denn von ihm weiß
man, dass er 1895 seinen überlegenen Kontrahenten umlegte.
Alan Lomax sammelte drei Dutzend Strophen
(!), welche davon erzählen, wie Stack beim Pokern verlor, sich über
den Verlust so sehr grämt, dass er seinen Spielpartner Bill Lyon zum
Duell herausforderte und umlegte, gefolgt von der Reaktion der Lyon-Witwe
und der anschließenden Flucht Stacks, seiner Verfolgung, Verhaftung,
Verurteilung und Hinrichtung. Und damit nicht genug, denn schließlich
erfahren wir auch noch von Stacks Ankunft in der Hölle und seinem Deal
mit dem Teufel, was an sich schon so komisch ist, dass man daraus eine
selbständige Version schaffen muss ("Stack &
The Devil"). Keine der mir bekannten Versionen handelt übrigens
die ganze 36-Strophen-Story ab. Die älteste Aufnahme dieses
Traditonals dürfte die von Frank
Hutchinson (Anthology
of American Folk Music) sein, welche Bob Dylan als Basis für seine
Version auf World Gone Wrong" benutzte. Weitere Versionen gibt es von
Hogman Maxey (Angola Prisoners
Blues) und von Mississippi John Hurt.
Standard - Titel, besonders aus dem Genre
des Blues und Jazz, der einer Mehrheit der in diesem Bereich tätigen
Musiker bekannt ist und daher meist als Lehrstücke dient.
Star Dust - 1929 von
Hoagy Carmichael als Pseudo- Ragtime fürs
Klavier geschrieben, wurde das
Instrumental ein Jahr später um einen Text von Mitchell Parish
ergänzt und der Rhythmus dem romantischen Text angepasst, d.h. sehr
verlangsamt. Daraufhin gehörte es in den USA bis in die 1950er Jahre
zu den "Top 10" der am meisten aufgenommen Songs. In jüngerer Zeit ist
es von Willie Nelson aufgenommen worden, der mit solchen Stücken immer
wieder seine Vielseitigkeit unterstreicht. Hört man die Melodie oder
versucht gar, das Stück selbst zu spielen, so kann man sich bei der
Komplexität der Harmonien wohl kaum vorstellen, dass Carmichael weder
Noten lesen noch schreiben gekonnt haben soll.
Stephen Foster - schrieb etwa um die Mitte
des 19. Jahrhunderts an die 200 Songs, wovon neben Old Folks At Home"
wohl Oh Susanna" der bekannteste sein dürfte. Als Dichter und
Komponist in einem und dazu als einer der ersten Autoren, die ihre Lieder
patentrechtlich schützen und vermarkten ließen, ist Foster im
Grunde das Vorbild dessen, was man seit Ende des 20. Jahrhunderts
Singer/Songwriter nennt. Etliche
seiner Lieder mögen hinterfragbare Zeugnisse seiner Epoche sein, aber
"Hard Times" gehört zweifellos zu jenem
zeitlosen Liedgut, das uns beispielsweise Sänger wie Bob Dylan (Good
As I Been To You") immer wieder nahebringen können.
Still - Slang für
"distillery", zu deutsch: Brennerei - und zwar nicht etwa für so profane
Dinge wie Ziegel oder Töpfe, sondern zur Verarbeitung diverser
Getreidesorten. Schwarz gebrannt wurde besonders während der
Prohibition (siehe auch
Moonshiner), aber dass man aus Korn
nicht nur Brot backen kann, wusste man schon früher sieh siehe:
Hot Corn Cold Corn
Sugar Daddy - siehe Daddy
Sugar Land - ironische Metapher für
das ganz und gar nicht süße Leben im Knast
Ta ya - Slang für "to you"
Take - eine im Tonstudio erfolgte
Musikaufnahme, welche meistens nummeriert wird, um sie von wiederholten Aufnahmen
des gleichen Songs zu unterscheiden. Die Nummerierung ermöglicht ein
leichteres Auffinden und Vergleichen von Aufnahme für den Tonmeister,
den Musiker und gegebenenfalls für den Produzenten, welche getrennt
oder gemeinsam über die Auswahl des zur Veröffentlichung bestimmten
Takes entscheiden (siehe auch Out Takes).
Tantiemen - finanzielle Anteile, die dem
Urheber (Texter und Komponist bzw. dessen Verleger etc.) bei öffentlicher
Aufführung eines Musikwerkes (sei es live auf der Bühne, im Radio
gesendet oder vom DJ in der Disko aufgelegt) zugeteilt werden. Sogenannte
Verwertungsgesellschaften - in Deutschland die
GEMA - treiben das Geld bei den Veranstaltern ein, was aufgrund von Tarifen,
die mitunter höher als die Gagen der Musiker sind, manch kleines Lokal
davon abhält, überhaupt noch Live-Musik anzubieten.
Tatos - Slang für "potatos" (Kartoffeln)
Thomas Howard - ab 1881 eines der Pseudonyme
des Outlaws Jesse James. Es war (und
ist) für eine Gangster-Karierre typisch, sich mit verschiedenen Namen
durchs Leben zu schießen, um unerkannt zu bleiben, erst recht für
den Fall, dass es der eine oder andere unter ihnen tatsächlich schafft,
sich unbehelligt zur Ruhe zu setzen.
Tijuana - liegt auf der mexikanischen
Seite der kalifornischen Grenzstadt San Diego. Während die Grenze zwischen
einem der reichsten Industrieländer und einem der sogenannten
Schwellenländer fern ab solcher Städte ziemlich unbewacht und -
wie etwa am Rio Grande - nur natürliche Hindernisse kennt, gibt
es in San Diego/Tijuana eine strenge Grenzbewachung, um den Strom der sogenannten
Wirtschaftsflüchtlinge und Arbeitspendler "in Grenzen" zu halten (siehe
auch "Deportee"). Tom Cat - Bezeichnung
für die männliche Katze, also den Kater Tom catting - - wie ein
Kater auf Katzenpirsch - nicht sehr wählerisch bei der Auswahl einer
Partnerin - und besonders die Abwechslung mögend - mit anderen
Worten: die Promiskuität bevorzugend (Textbeispiel:
In the Jailhouse Now)
Tom Dooley - alias Tom Dula wurde 1866
in Wilkes County, North Carolina, zum Tod am Galgen verurteilt, nachdem er
seine Geliebte, eine gewisse Laura Foster, umgebracht hatte. Warum er dies
tat, spielt im gleichnamigen
Traditional
sowenig eine Rolle wie in den
meisten anderen Songs dieses Genres, den sogenannten Murderer Ballads (siehe
"Little Sadie").
Tom Joad - Die Titelfigur
geht auf den Roman von John Steinbeck Früchte des Zorns" (1939)
zurück, welchen Hollywood in 1940* verfilmte und auf diese Weise vielen
Amerikanern die bittere Armut der ländlichen Bevölkerung, besonders
der als Okies verrufenen Arbeitsmigranten,
während der großen Depression
der frühen 1930er Jahre vor Augen führte. Guthrie, einst selbst
einer jener Okies, sah den Film und schrieb - angeblich an einem einzigen
Tag - diese epische Ballade. Die Melodie basiert auf dem Traditional
"John Hardy", bekannt u.a. durch
Aufnahmen von Lead Belly und der
Carter Family. (*Anmerkung einer Leserin)
Traditional - Bezeichnung für
jeden Song, für den keine Urheberschaft mehr nachweisbar ist. Der
größte Teil aller uns beispielsweise durch
Lead Bellys bekannten und daher mit seinem
Namen verbundenen Songs ist traditionellen Ursprungs, so beispielsweise auch
"Midnight Special" und
"Rock Island Line". Traditionals stehen jedem
Musiker zur freien Bearbeitung zur Verfügung, was auch reichlich
genutzt wird, da es, wenn man mit so einer Bearbeitung einen Hit landet
(wie um 1970 etwa das Duo John Travolta & Olivia Newton John mit
"Banks Of The Ohio" oder
CCR mit "Midnight
Special"), auch reichlich in der
Tantiemen -Kasse klingeln kann. Die Bearbeitung eines Songs, dessen Urheber
bekannt ist und noch Ansprüche geltend machen kann (was national
unterschiedlich geregelt ist - in Deutschland meines Wissens 70 Jahre nach
Anmeldung des Werkes), wird von den Inhabern oder Verwaltern der
Urheberrechte (etwa in Gestalt von Verlegern) meist untersagt, da sie bei
kommerziellem Erfolg dieser Bearbeitung mit dem Bearbeiter anfallende Tantiemen
teilen müssten. Das sogenannte Covern
eines derartigen Bestsellers, was de facto auch eine Bearbeitung ist, aber
eben nicht als solche deklariert wird, steht jedem Musiker frei. Wenn die
Cover-Version eines Songs, der sich bereits millionenfach verkauft hat, sich
erneut massenweise verkaufen lässt, kann das auch einige Spesen für
den Urheber wettmachen (falls er noch lebt).
Tumbleweed - in
Wörterbüchern als Steppenkraut und/oder als Steppenläufer
übersetzt, womit herumwirbelndes Steppenkraut gemeint ist. Eine bessere
Vorstellung bekommt man, wenn man Tumbleweed wörtlich übersetzt:
to tumble = stürzen/zerzausen, weed = Kraut/Unkraut/Gestrüpp. Einmal
entwurzelt, wird es zur Beute des Windes und durch die Gegend getrieben,
bildet ein Knäuel, eine Rolle, und rollt und rollt ... etwa so wie manche
Leute vom Leben durch die Welt - oder von der Welt durchs Leben getrieben
werden... "like tumbleweed or a poor old rolling
stone".
Tune - Synonym für Song, wird aber eher
im Sinne von Melodie und zur Bezeichnung von
Instrumentals verwendet. Tuner -
ein zum Stimmen von Saiteninstrumenten erfundenes elektronisches Messgerät,
das zwar inzwischen die gute alte Stimmgabel (und die weniger geeignete
Stimmpfeife) abgelöst hat, nicht aber ein geübtes Gehör ersetzen
kann. Die blinkenden Lämpchen eines Tuners haben bisher sehr wenig Ahnung
davon, dass der Klang einer Saite nicht nur aus einer messbaren Frequenz,
sondern aus einer breiten, für jedes Instrument charakteristischen Skala
von Ober- und Untertönen besteht. Zum Finden des sogenannten Kammertones
und beim Stimmen in geräuschvoller Umgebung ist der Tuner also hilfreich,
aber die letzte Instanz kann nur das Ohr des Musikers sein.
Urban Blues - in den
Großstädten der Nordstaaten seit den 1950er Jahren populäre
Art des Blues. Die aus den ländlichen
Gebieten der Südstaaten (besonders Mississippi, Louisiana) kommenden
Gitarristen spielten zunächst ihren ursprünglichen
Country
Blues, dann jedoch, auf
den neu entwickelten elektrischen Gitarren, begleitet von einer Band. Die
daurch wesentlich lautere Spielart eignete sich bestens als Tanzmusik und
etablierte sich besonders in Städten wie Chicago, daher auch
Chicago Blues genannt. Um als Musiker in
den Tanzlokalen engagiert werden zu können, musste man, was die
Bandbesetzung betrifft, flexibel sein. Jeder musste mit jedem spielen
können. Dies erforderte unter anderem eine gewisse Homogenität
des Repertoires bzw. der Stilistik. Der Raum für individuelle musikalische
Experimente wurde damit zumindest auf der Bühne eingeschränkt.
Die bis heute anhaltende große Beliebtheit dieser Spielart führte
zu weltweiten Konzerttourneen der großen Bluesmen aus Chicago, sodass
es den Superstars wie Muddy Waters und B.B.King möglich wurde,
dem Urban Blues wieder ihre individuellen Charakter zu geben.
Vigilante
Man - jemand von der Bürgerwache. Das Wort ist abgeleitet
von "vigilant" (aufmerksam). Der Vigilante Man sorgte dort für "Ordnung",
wo das Auge des Gesetzes fehlte. Diese Bürgerwächtler richtete
jedoch auch willkürlich und rassistisch motiviert. Selbstjustiz und
Lynchmord wird im gleichnamigen Song Woody Guthries hinterfragt.
Whatcha Gonna
Do - Slang für "What are you going to do?
Whiff - zu deutsch: Hauch, aber im
Kontext von "Take A Whiff On Me" bedeutet es
wörtlich soviel wie: "Nimm'n Näschen auf mich" - oder richtig
übersetzt: "Ich geb'ne Prise Koks aus". Diverse Pülverchen waren
um 1900, besonders in den Südstaaten der USA, ganz legal verbreitet.
Allerdings wusste man bald, dass der regelmäßige Genuss des eigentlich
eher zur Besänftigung von Pferden gedachten Stoffs Nebenwirkungen hat,
die der Gesundheit abträglich sind, "nur wann", das würden die
Ärzte nicht dazu sagen, wie es in jenem Lied heißt... Also konnte
man damals fröhlich in ein gemeinsames whifferee and whiffery"
einstimmen. Songs wie "Take A Whiff" und "Cocaine"
kommen etwa aus den 1920ern, als die Wirkung gemeinhin bekannt war und die
Mittel schließlich rezeptpflichtig wurden.
Whiskey - siehe Still
Ya - Slang für "you"
Yas Yas - Als diverse A-Wörter noch
nichtsalonfähig waren, setzte man ein "Y" davor und verschleierte somit
etwas den obszönenen Oberton. Titel-Beispiele: "Duck
Yas Yas" (zu deutsch: Entenyarschyarsch) oder "Get
Yer Yas Up" (zu deutsch: Setz 'en Yarsch
in Bewegung)
Yer - Slang für "your"
You Shall Be
Free - Sowohl der Refrain als auch Teile einzelner Strophen
dieser hier im Duett von Lead Belly und Woody
Guthrie gesungenen Version stammen aus verschiedensten
Traditionals. Beispielsweise kommt die gesamte Struktur der
Lead Belly-Version in einem gleichnamigen Song mit ähnlichem Refrain,
aber inhaltlich völlig anderen Strophen vor, was wahrscheinlich das
Muster für Lead Belly war. Den Refrain gibt es auch in "There Was An
Old Nigger His Name Was Dr. Peck". Eine mit der Zeile "Nigger be nigger,
whatever he do" beginnende Version enthält Teile der von Lead Belly
benutzten Strophen und der Refrain ist abgewandelt zu "Shout to glory, you
shall be free". Ein ausschließlich im Schema des Refrains variierender
Text enthält der Titel "We'll Soon Be Free". Ein gutes Dutzend weiterer
Strophen enthält die bei Alan Lomax
"When De Good Lord Sets You Free" betitelte Version.
Zydeco - eine besonders in
New Orleans, Lousiana, beheimatete populäre Form der Cajun Music - siehe
Cajun
Literatur
-
A Folk
Song History of America. America Through His Songs - Samuel
L.Forcucci, Prentice Hall 1984
Balladen und Lieder des schwarzen Amerika - Christiane Agricola
(Hg.), Kiepenheuer 1984
-
American
Folksongs of Protest - John Greenway, Perpetua Edition
1960
-
Blues
Fell This Morning - Die Bedeutung des Blues - Paul Oliver, Hannibal
Verlag
-
Der Country
Blues - Samuel Charters, Rowohlt 1994
-
Die Geschichte
des Blues - Paul Oiver, Hannibal
-
Freedom
In The Air. Song Movements Of The Sixties Josh Dunson, Greenword Press
1965)
-
Legenden
des Blues - State of the Blues - Jeff Dunas, Könemann 1999, Aperture
Foundation inc. 1998 (eine hervorragende Portraitsammlung von
Blues-Sängern)
-
Long Steel
Rail. The Railroad in American Folksong - Norman Cohen: University
of Illinois Press 1981
-
Pastures
of Planty - A Self-Portrait - Woody Guthrie, edited by D. Marsh &
H. Leventhal, Harper Perennial - weiteres von und über Woody Guthrie:
Bound for Glory; American Folksong; Hard Hitting Songs for Hard-Hit Poeple,
Born to Win; Woody Sez; The Woody Guthrie Songbook; Sedds of Man

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