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Lexikon

  • Auf dieser Seite sind Slangwörter aus der Folk- und Blues-Lyrik erklärt,
    darüber hinaus Namen und Personen sowie etliche musikalische Fachbegriffe.
  • Am Ende der Seite ist ausgewählte Literatur zu finden.
  • Und wer was weiß, was ich nicht weiß, darf es mich wissen lassen.

A B C D E F G H I J K L M N O P R S T U V W Y Z





















Aint' no - umgangssprachlich für "am not", "are not", "isn't".

Alan Lomax sammelte seit den 30er Jahren, wie schon vor ihm sein Vater John Alan Lomax, im Auftrag der Library of Congress in Washington das Liedgut der afroamerikanischen Bevölkerung und brachte es samt Text und Noten zu Papier. Dazu fuhr er auch in die Gefängnisse der Südstaaten, wo die Gefangenen in ihrer Isolation noch Lieder aus den ländlichen Gegenden kannten.

Bei seinen feldforschungsmäßigen Recherchen lernte Lomax einen Insassen namens Huddie Ledbetter kennen, den seine Kameraden Lead Belly nannten, ein Wortspiel, das dem schlagkräftigen Mann als "Bleibauch" Respekt zollte. Lead Belly saß wegen Mordes an einem Nebenbuhler seiner Freundin. Sein Spiel auf der 12-saitigen Gitarre soll (der Legende nach) Governor Pat Neff aus Texas so sehr beeindruckt haben, dass er seinen Schwur, niemals einen Gefangenen zu begnadigen, brechen musste. Lomax stellte Lead Belly nach seiner Entlassung als Chauffeur an, so dass beide lange Zeit gemeinsam unterwegs waren. Lead Belly hat dabei noch mehr Songs gelernt. Es heißt, er habe die Gabe besessen, sich ein Lied beim ersten Hören einprägen zu können.

Lomax war ein großer Liebhaber der traditionellen schwarzen Gesangskultur - inbesondere des Blues. Später erging er sich in Vorurteilen über städtische - und zu dem noch weiße Bluesbands, und musste sich den Vorwurf des Pourismus gefallen lassen. So geriet er als Leiter eines Workshops beim Newport Blues Festivals 1965 mit Bob Dylans Manager Albert Grossman in Handgreiflichkeiten, nach dem sich Lomax über Grossmans künftige Klienten "The Paul Butterfield Band" herablassend äußerte. Auch Dylans erster Auftritt mit E-Gitarre löste bei diesem Festival Empörung aus. Wie dem auch sei, es ist Allen Lomax' unbestrittenens Verdienst, neben anderen Lead Belly entdeckt und auf die Bühnen gebracht zu haben.

Angola State Prison - eines jener noch immer existierenden berüchtigten Gefängnisse der USA, in denen vor allem zum Tode verurteilte Männer verwahrt werden. Die Aussichten auf Begnadigung sind nach wie vor recht gering. Einmal dort eingesperrt, ist es kaum noch möglich, seine Unschuld zu beweisen oder das Urteil anzufechten. Wer es dennoch versucht (und angesichts der unmenschlichen Knastverhältnisse versuchen es wohl auch Täter), sieht sich einer gnadenlosen Jury von Richtern gegenüber. Einen eigenen Anwalt können sich viele Verurteilte nicht leisten. Einige schaffen es denn auch tatsächlich, dieser Hölle zu entkommen. CD-Tip: Angola Prisoners Blues (aufgenommen im kalifornischen Angola State Prison zwischen 1952 und 1959, also mit mobiler Technik,aber einer für damalige Verhältnisse bemerkenswert gutern Aufnahmequalität!).

Anthology of American Folk Music - ein 1952 von Harry Smith veröffentlichtes Album von  drei Doppel-LPs, auf welche er Aufnahmen von alten 78ern quasi als legales Bootleg veröffentlichte. Es enthielt eine Auswahl teils archaisch anmutender Aufnahmen, die Smith nach drei musikalischen Genres (Ballads, Songs, Social Music) klassifizierte. Die meisten der dort repräsentierten Künstler hielt man in den Jahren nach der Veröffentlichung der Anthology bereits für tot, dabei gab es durchaus noch Überlebende aus dem "alten unheimlichen Amerika" (Greil Marcus). Beispielsweise John Hurt, der auch dank eines gewachsenen Interesses von Intellektuellen aus den Städten des Nordens am Country Blues und Jazz später noch zu Ruhm und Ehren, sprich Plattenaufnahmen und Auftritten kam, auch außerhalb der USA, etwa bei den europäischen American Folk Blues Festivals. Für das sogenannte Folk Revival der 60er Jahre ist die Anthologie eine wahre Fundgrube geworden, aus der sich (neben meiner Wenigkeit) auch Bob Dylan die eine oder andere Perle herauspickte

Arvella Gray - folgt man dem Booklet-Text von Bob Dylans "Bootleg Series", ein blinder Straßensänger aus Chicago. Von ihm soll Dylan "He Was A Friend Of Mine" adoptiert haben. Andere Aufnahmen des Songs sind mit dem Vermerk "Traditional" versehen.

Aura Lee - Wann und wo die besungene Dame lebte, ist mir nicht bekannt. Das Lied stammt aus den 1860ern und wurde 20 Jahre später sehr populär, auch unter dem Titel "Army Blues", wie es Angehörige der U.S. Military Academie von West Point sangen. Ein Jahrhundert später pfiffen es erneut die Spatzen von den Dächern, denn die Melodie wurde in den späten 1950ern von Elvis Presley für seine Mega-Schnulze „Love Me Tender" verwendet. Ergo nehme man die eher von letzterem bekannte Melodie und fröhne mal wieder dem Traditional

Bacco - Slang für "tobacco" (Taback)

Bale  - das ist, wie Lead Belly  in seinem Vorwort zu "Pick A Bale Of Cotton" meint, ein „Ballen" von 1000 Pfund, nach anderen Quellen aber von 500 Pfund. Wie dem auch sei, es ist  jedenfalls ziemlich viel, und um diese Menge Baumwolle an einem Tag pflücken zu können, muß man sich auch zu zweit noch sehr anstrengen... Aber mit Liedern dieser Art, sogenannten Worksongs oder auch Fieldholler,  hat man sich bei der harten und monotonen Arbeit in den Plantagen gegenseitig bei Laune gehalten. Und den zusätzlichen Gewinn, den "bei Laune" gehaltene Sklaven erwirtschafteten, haben die Plantagenbesitzer um so mehr geschätzt. Daher wurde das Singen der Skalven weitgehend geduldet und teilweise gefördert, indem etwa der Aufseher den Sklaven seine Lieblingslieder vorsang und sie so ermunterte, diese (seine) Lieder zu singen. Auf diese Weise könnte, wenn dies auch nicht beabsichtigt war, der Same für die so fruchtbare Verschmelzung von afrikanischer und europäischer Gesangskultur gestreut worden sein ("Pick A Bale" ist freilich ein Lied, das in jeder beliebigen Agrarkultur entstanden sein konnte). Den Aufsehern waren die Gesangseinlagen durchaus eine angenehme Abwechslung. Mitunter dirigierten sie ein zügigeres Tempo der Lieder, um das Arbeitstempo anzutreiben. Von Lead Belly gibt es eine recht getragene Version mit einem Background-Chor und eine recht flotte Version mit Woody Guthrie. Mein Text ist eine lose Aneinanderreihung von Strophen, die sowohl beiden Versionen als auch anderen Quellen entnommen sind.

Baton Rouge - Ort in Louisiana, von französischstämmigen, teils aus Kanada vertriebenen Siedlern gegründet. Neben den Namen erinnern Baustil, Musiktradition und Küche an die Kultur der französischen Einwanderer (siehe auch Cajun) Bayou - Mündungsgebiet des Mississippi (siehe auch Cajun)

Bella Lee  war der Name eines Frachtdampfers. Lead Bellys Song "Old Man", in dem dieser Dampfer erwähnt wird, ist eine Art Shanty bzw. Worksong, der während der Beladung des Dampfers gesungen wurde.

Bill O'Neal - Autor der "Encyclopedia of Western Gunfighters" (University Of Oklahoma Press, Norman 1979; deutsch: Gunfihgter. Alle Revolverhelden des Wilden Westens; Oesch Verlag, Zürich 1997), in der er die Romantisierung und Glorifizierung der Owtlaws und Desperados auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Auf der Basis akribischer Recherchen entmystifiziert er jene amerikanische Epoche des Faustrechts und entzaubert anhand historischer Dokumente die meisten von insgesamt 255 Desperados als skrupellose Verbrecher (siehe auch Billy The Kid, Jesse James, John Wesley Harding, Pretty Boy Floyd, Railroad Bill)

Billy - gemeint ist der Outlaw Billy The Kid, von dessen zahlreichen Opfern nicht ein einziges in einem Lied verewigt wurde - es lebe das Stereotyp: die Leiden des ständig auf der Hut sein müssenden Täters, der Dauerstress des fliehenden Massenmörders, das lässt selbst die Erwähnung eines einzigen namenlosen Opfers zur Beiläufigkeit herabsinken. Außerdem, sie war ja nur ‘ne Hure, wenn auch ‘ne recht heiße eine. Und diese Lieder, die sich im Grunde doch äußerst skrupel- und rücksichtslosen Individuen widmen, sind so reizvoll, dass man sie singen muss...

Billy The Kid - Auch in dieser Outlaw-Ballade wird ein skrupelloser Killer als „poor Billy" verharmlost, hier immerhin mit der Moral von der Geschicht, besser nicht seinem Vorbild zu folgen... Sein tragisches Geschick (oder besser Ungeschick) bestand nämlich darin, von seinem eigenen Freund und einstigem Kumpan Pat Garrett, der inzwischen zum Sheriff aufgestiegen war, zur Strecke gebracht zu werden. Eine Version des Songs gibt es von Ry Cooder. Bob Dylan schrieb für den Western "Pat Garrett & Billy The Kid", der diese Story auf seine Weise erzählt, seine eigenen, insgesamt vier Billy -Versionen, drei davon allerdings als Instrumental (gleichnamige LP/CD entstand bei Columbia 1973).

Black Jack Davey - In dem von Bob Dylan aufgenommenen Traditional handelt es sich, Melodie und Text folgend,  um den gleichen von Woody Guthrie unter dem Titel "Gypsy Davey" veröffentlichten Song. Eine live aufgenommene Version von "Gypsy Davey" gibt es ebenfalls von Bob Dylan. Unter dem Titel "Black Jack David" gibt es eine Version der Carter Family.

Bluegrass - die recht flotte, traditionelle Variante der Country Music, welche wegen religiöser Akzente gelegentlich als "weißer Gospel" bezeichnet wurde - Gospel wurde in den schwarzen Gemeinden, besonders bei den Babtisten, sehr gepflegt und weiterentwickelt. Musikalisch wird der Bluegrass von meist männlichem Satzgesang, oft in höhrern Tonlagen und von virtuosen Banjo-Soli beherrscht. Als Urvater des Bluegrass gilt Bill Monroe mit seinem Hit "Blue Moon Of Kentucky".

Blue-Tail Fly - ursprünglich ein nach gleichnamigem Insekt benannter Minstrel Song aus den 1840ern, der wie "Dixie" der Urheberschaft von Daniel D. Emmett zugeschrieben wird. Das Lied wurde dann bei den sogenannten Abolitionern beliebt, die sich für die Abschaffung der Sklaverei einsetzten. Die politische Botschaft des Songs kommt allerdings nur unterschwellig zum Ausdruck. Wer immer jener (im Refrain) Korn dreschende Jimmy war, werden wir nie erfahren, dafür lässt uns der Sänger wissen, dass der Gaul des Masters (d.h. Sklavenbesitzers) von jenem Insekt gestochen wurde, daraufhin scheute, den Master in den Graben warf, welcher sich dann dabei das Genick brach. Die Freude über das dadurch bedingte Ableben des Masters dürfte aus der Sicht eines geschundenen Sklaven verständlich werden.

Blues - wahrscheinlich das einflussreichste Genre der populären Musik im 20. Jahrhundert. Eine Definition wäre daher müßig. Gängigste Auffassung von der musikalischen Struktur des Blues ist die 12-taktige Strophe. Dieses Charakteristikum  kann man aber eigentlich nur als ein Extrakt dessen bezeichnen, was bei der Urbanisierung des Blues herauskam: Rhythm & Blues bzw. Chicago Blues und schließlich Rock & Roll. Die ursprünglichen etwa um 1900 in den ländlichen Gebieten der Südstaaten entstandenen Stilistiken sind wesentlich vielfältiger - teils mit einfacheren (auf zwei oder gar nur einen Akkord begrenzten) Harmoniestrukturen, teils wesentlich raffinierter als heutigen Hörern  vertraut! Über die Herkunft des Begriffs Blues zitiere ich Samuel B. Charters: 

Der Gebrauch des Wortes Blues für eine besondere Stimmung oder ein Gefühl ist sehr alt. Er geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Im 19. Jahrhundert war der Ausdruck in den Vereinigten Staaten allgemein verbreitet, obwohl man sich nicht ganz einig darüber war, was es eigentlich bedeutete, "blue" zu sein. 1824 war "ein Anfall des Blues" gleichbedeutend mit "seelischer Depression". 1853 empfahl die Bostoner Zeitung Yankee Blade einen humoristischen Roman mit den Worten: "... für alle, die zum Blues neigen oder zur Langeweile." (...) Das Wort tauchte gelegentlich auch in Liedtiteln auf, jedoch nur als Slangausdruck ohne jegliche Beziehung zu einem musikalischen Stil. Im Jahr 1910 hörte man das Wort bereits überall, und es war zu erwarten, dass die Musik, die man später den Blues nennen sollte, immer populärer wurde."Seit der Kommerzialisierung des Blues ist natürlich die Frage, ob Musiker aus nicht afro-amerikanischer Herkunft dafür überhaupt qualifiziert seien, immer wieder das Thema unzähliger Diskussionen, erst recht dank der weltweiten Kommunikation via Internet. Und eben hier kommen auch Leute zu Wort, die nicht als Musikologe, Schriftsteller etc. autorisiert sind. So entdeckte ich auf dem Tweedboard von Tweed's Blues ein kurzes, aber vielsagendes Statement:

The blues is pain.The blues is suffering.Pain & suffering are color blind.Everybody who has ever lived has had the blues,there are no exceptions.Some have had more pain & suffering than others.Some are able to articulate that suffering in their music.Some just hold it inside of themselves.Some turn to religion.Some turn to violence.Everyone deals with it differently,but everyone gets the blues.The blues is a fact of life! (MaddMike) Blues Tree - der musikologische Versuch, die Spielarten des Blues in einem Stammbaum zu genealogiseren, was zur ersten Orientierung für interessierte Outsider nützlich sein mag, aber wegen der unterschiedlichsten Definitionen und Auffassungen diverser "Zweige" und "Wurzeln"ein - meines Erachtens - ziemlich hoffnungsloses Unterfangen sein dürfte (siehe Blues). Zudem basiert die populäre Musik des 20. Jahrhunderts, sei es Jazz,  Bluegrass, Country oder Rock & Roll, überwiegend auf musikalischen Elementen des Blues. Selbst den seit den 1980er Jahren populären Hip Hop kann man auf den Talkin Blues, wie beispielsweise in Aufnahmen von Woody Guthrie, zurückführen.

Bodhrán (ausgesprochen etwa: borron) ist eine jedem Irland-Reisenden in Erinnerung bleibende, weil in jedem Souvenir Shop hängende Handtrommel, die mit einem Stöckchen (Stick) geschlagen wird. Ähnliche, aber unterschiedlich gespielte Trommeln gibt oder gab es bei vielen Völkern und daher kann man über die Herkunft des Instruments allenfalls Vermutungen anstellen. Einer der Theorien zufolge wurde sie aus einem Sieb entwicket, mit dem man die Spreu vom Weizen trennte. Der Form nach ist das tatsächlich sehr naheliegend. Es könnte  meiner Meinung nach aber auch - das mag provokant wirken- umgekehrt gewesen sein. Wie haben uns - man möge mir die kleine philosophische Abschweifung gestatten - daran gewöhnt vorauszusetzen, der Mensch habe immer zuerst dasWerkzeuge und dann das Spielzeug erfunden. Dies ist aber nur die Denkart von Leuten, die Arbeit und Pflicht strikt von Geselligkeit und Kunst trennen und dabei Ersteres über Letzteres stellen. Grundlage aller menschlichen Kultur ist aber - und gewiss bin ich mit dieser Auffassung nicht allein - die Kunst und im besonderen die Musik! Mehr übers Bodhrán

Bojangles - In New Orleans' Bourbon Street, der Touristen-Meile des French Quarter schlechthin, kann man etlichen schwarzen Jungs beim Steppen zusehen. Vor ihnen auf dem Fußweg steht jeweils ein Karton oder ein anderes Behältnis, das geeignet ist, die Dollar-Scheine der Touristen aufzunehmen. Da Touristen  dort in der Regel recht großzügig sind, kann mancher der Jungen von diesen Trinkgeldern (tips) durchaus seine Familie ernähren oder wenigstens gut zum Unterhalt beitragen. Wegen des Anblicks der schwarzen Jungen stellt man sich unter Mr. Bojangles ebenfalls einen Schwarzen vor. Michael Hardie, der den texanischen Songwriter des Songs, Jerry Jeff Walker, persönlich kannte, erzählte mir, dass dessen Mr. Bojangles allerdings kein Schwarzer gewesen sei. Im Grunde ist das wohl nicht wichtig, macht aber deutlich, dass man bei derartigen Songs doch eher geneigt ist, sich einen "poor black guy" vorzustellen...

Boll Weevil  - auch Bo Weavil geschrieben - wurde ein aus Mexiko nach Texas vorgedrungener Schädling genannt, der sich Ende des 19. Jahrhunderts besonders in den Baumwollfeldern breitgemacht hatte und auf diese Weise einen großen Teil der Ernte vernichtete. In den verschiedenen Versionen wird das Insekt - mehr oder weniger stellvertretend für sonstige Parasiten - verspottet. Eine Version des Songs gibt es unter dem Titel „Mississippi Bo Weavil Blues" von The Masked Marvel (ein Pseudonym von Charlie Patton) auf Harry Smith’ Anthology Of American Folk Music . Weitere Versionen gibt es von Lead Belly und - neu aufgelegt - unter dem Titel "Boll Weevil Blues" von Linda Tillery & Co.

Booklet ist ein der CD oder LP beigefügtes Heft, das in der Regel genauere Angaben über die einzelnen Titel (Texter/Komponist/Besetzung etc.) enthält, aber auch sehr umfangreiche Informationen über die Songs, gelegentlich auch Songtexte, enthalten kann. So enthält z.B. das Booklet der wiederveröffentlichten Anthology Of American Folk Music neben einem Faksimile des von Harry Smith gestalteten Booklets ein weiteres mit Essays, etwa von Greil Marcus.

Bootleg - zu gut deutsch soviel wie Stiefelschaft. Darin ließ sich allgemein, aber erst recht zur Zeit der Prohibition   manch illegal erworbenes Feuerwässerchen transportieren. Der Begriff wurde daher zunächst zum Synonym für geschmuggelten Alkohol. Seit der Zeit der massenweise unautorisierten Vervielfältigung von Tonaufnahmen, beispielsweise von heimlich gemachten Konzertmitschnitten, bezeichnet der Begriff auch jede illegal veröffentlichte LP bzw. CD. Da die Musikfans aber gerade auch wegen jenem bei Live-Aufnahmen abgängigen Perfektionismus derartiges Material ihrer Idole sehr zu schätzen wissen, hat sich ein unüberschaubarer Schwarzmarkt entwickelt. Clevere Geschäftsleute unter den Managern veranlassen daher gleich selbst die Veröffentlichung einst nicht dazu vorgesehener Aufnahmen ihrer Künstler. In etwa so könnte es zur Veröffentlichung des als "Bootleg Series" betitelten Dreifach-Albums von Bob Dylan gekommen sein, wobei es sich bei den dort herausgebrachten Aufnahmen genaugenommen um sogenannte Out Takes handelt.

Bottany Bay- zur Kolonialzeit ein britisches Straflager in Australien

Bottleneck - zu gut deutsch Flaschenhals, womit man spätestens seit den 20er Jahren über die Saiten der Gitarre rutschte und auf diese Weise gleitend-jaulende Klänge erzeugte. Neben Robert Johnson gehörte Blind Willie Johnson zu den Klassikern dieser Technik. Irgendwie gehört das Sliding, wie diese Spielart auch genannt wird, heutezutage so ziemlich zum Grundhandwerk des Bluesgitarristen, aber nur wenige beherrschen es heute so virtuos wie z.B. Ry Cooder oder Leo Kottke. Heute benutzt man statt abgeschlagener Flaschenhälse üblicherweise maschinell gefertigte Glas- oder Messingröhrchen, wobei letztere einen brillanteren Ton als Glas erzeugen. Die zum Inbegriff dieser Spielweise gewordene Gitarre ist die legendäre Dobro, eine Resonatorgitarre mit Metallkorpus, welche zu Zeiten, als es noch keine Verstärker gab, einen erheblichen Lautstärkevorteil gegenüber der herkömmlichen Holzklampfe besaß und sich somit mehr Gehör verschaffen konnte.

Buffalo Skinners - die von Woody Guthrie gesungene Version eines Traditionals, das es unter verschiedensten Titeln und aus den verschiedensten Gegenden zwischen Mexiko und Kanada gibt. Überall fielen Arbeiter auf die gleichen Tricks ihrer Bosse herein. In Guthries Version legen die Cowboys aus Rache die Knochen ihres Arbeitgebers zum Bleichen aus. Bei Songs mit Titeln wie „On The Trail Of The Buffalo" oder "On The Trail To Mexico" oder „On The Trail To Canadee-I-O") handelt es sich im wesentlichen um die gleiche Story, nur an anderem Ort und unter anderen Berufen wie  beispielsweise Holzfäller. Bob Dylan sang Guthries Version in frühen Jahren ganz im Stile von Woody (also allein zur Klampfe), später auch in Rockband-Besetzung. Der Song hatte es auch mir außerordentlich angetan, so dass er die Nummer Eins aller von mir je aufgenommenen Titel wurde.

Cakewalk - einerseits soviel wie "leichten Herzens spazieren gehen", urpsrünglich ein unterhaltsames Picknick der Afroamerikaner, bei dem derjenige, der die besten oder eigenartigsten Tanzbewegungen ausführte, als Preis ein Stück Kuchen (cake) oder dergleichen erhielt. Nach dieser Sitte erhielt dann ein Tanz mit entsprechend raffinierten (hüpfenden und nach hinten lehnenden) Bewegungen den Namen Cakewalk.

Cajun
 - Bezeichnung für die aus französischstämmigen Siedlern hervorgegangene Bevölkerung im Mündungsgebiet (bayou) des Missippi sowie für deren Koch- und Musiktradition. Letztere schöpft aus sowohl aus dem Blues als auch einem der Country Music und Hillbilly Folklore verwandten, aber ursprünglich mit französischen Texten gesungenen Liedgut,  geprägt durch das Akkordeon. Das Wort Cajun ist eine phonetische Abschleifung von Arcadia, einem Ort im Nordosten Kanadas, wo sich bretonische Einwanderer ab 1604 niederließen. Im Kampf Frankreichs und Englands um die koloniale Vorherrschaft fiel die Provinz Arcadia 1713 an England und wurde Nova Scotia (New Scotland) genannt. Da sich die katholischen Arcadier weigerten, der britischen Krone zu dienen und den puritanischen Glauben anzunehmen, wurden sie vertrieben. Nach einer etwa zehnjährigen Odyssee über den nordamerikanischen Kontinent fand einer größere Gruppe von etwa 8000 Menschen Zuflucht in den unwirtlichen Sumpfgebieten (swamps) des Missippi-Deltas. Die zu jener Zeit dort lebenden spanischen Siedler sahen in den katholischen Arcadiern Glaubensbrüder und erlaubten ihnen daher die Besiedlung. Aus dem bunten kulturellem Gemisch von Nationalitäten traten die Arcadier als dominante Gruppe hervor und prägen somit das französische (bretonische) Flair im Delta, das sich dann im Namen von New Orleans manifestiert, dessen heutiger Altstadtkern, das French Quarter, historisches Zeugnis dieser Zeit ist. Entgegen dem allgemeinen Trend absorbierten die Cajuns weitgehend die Amerikanisierung und erhielten sich auf diese Weise eine eigenständige kulturelle Tradition, deren musikalischer Ausdruck die Cajun Music ist. Mit dem Cajun verwandt ist die Zydeco genannte Spielart, welche einen karibisch-kreolischen Einschlag hat und daher auch als "black brother" des Cajun bezeichnet wird. Auch beim Zydeco dominiert die Squeeze Box (Quetschkommode). Zydeco ist eher in klassischer Bluesbandbesetzung zu hören und konnte sich daher als Tanzmusik kommerziell erfolgreicher durchsetzen als das traditionelle akustische Cajun, die von Handwerkern nach Feierabend als Hausmusik gepflegt wurde und daher auch den Beinamen "dirty fingernail music" erhielt.

Canadee-I-O - Der hiesige Text ist hat nichts mit einem Song gleichen Titels zu tun, der aber eine Version von „On The Trail To Mexico" bzw. „On The Trail Of The Buffalo" ist, welcher wiederum die Vorlage für Woody Guthries "Buffalo Skinners" wurde.

Candyman - eigentlich  nur der Mann, der Candy, also Süßigkeiten verkauft. Handelt es sich um ein neun Inch langes Stück Candy wie im Candy Man Blues von John Hurt, wo es heißt "she always takes a candy stick to bed", so ist das die obszöne Anspielung auf ein männliches Körperteil offensichtlich, wobei der Wunsch der Vater des Gedankens sein dürfte (1 inch = 2,54 cm)... Ein Instrumental mit Titel Candy Man  gibt es in mehreren Versionen von Rev. Gary Davis, einem blindem Straßenprediger aus New York, dessen musikalische Spezialität ausgefeilte Ragtime Instrumentals auf der Gitarre waren. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit dem Geld, das er - von einigen Plattenaufnahmen abgesehen - vor allem mit Gitarrenuntericht verdiente, wodurch er viele Gitarristen beeinflusste.

Carter Family - legendäres Country Trio der 1920/30er Jahre. Durch Aufnahmen der Carter Family sind viele Folk Songs des 18. und 19. Jahrhunderts, besonders aus Virginia, Tennessee, Kentucky, Carolina erhalten. Charakteristisch sind die melodieführenden Gitarrensoli mit Wechselbässen, als sogenannter Carter Lick beeinflusste der Stil folgende Generation von Folksängern. (Foto der Mitglieder)

Casey Jones -  ein Eisenbahner dieses Names soll 1900 bei Canton in Mississippi tötlich verunglückt sein. Einige Jahre später wurde Casey Jones in gleichnamiger Ballade glorigfiziert, zu der allerdings die Version von John Hurt kaum Bezug haben dürfte.

C.C. Rider - Das "C.C." stand nach Alan Lomax für„Cavalry Corporal". Gleichnamiges Traditional wäre damit ursprünglich Lied gewordener, an einen Unteroffizier der Kavalerie gerichteter Liebeskummer. Zur Zeit des Bürgerkrieges, aus der dieser Song wahrscheinlich kommt, gab es keine Soldatinnen. Damit wäre die ursprüngliche Adresse des Songs entweder der von einer Zivilistin angeflehte Boy bei der Army gewesen oder aber, so mutmaßte es Alan Lomax in einer Fußnote, das Lied könnte Zeugnis damals noch recht offen gelebter Homosexulaität unter Soldaten sein. In späteren Versionen sei dann aus Prüderie das „C.C." durch „See, see" ersetzt wurden. Wie dem auch sei, in der hier vorliegenden Textversion von Mississppi John Hurt ist von einem derartigen Zusammenhang nichts übrig außer dem Titel, zumal Hurt singt: "Blues ain't nothin' but a good gal on your mind" (Blues ist weiter nichts als dauernd an Mädchen zu denken). Von sexueller Metaphorik ist allerdings das Wort "Rider". Ein "Reiter" ist ein Liebhaber  - und "Reiten" ist das Liebste, das man mit ihm unternimmt.

CCR - Credence Clearwater Revival

Central - mit diesem Kürzel ist meist ein Zug gemeint.

Chain Gang - In einigen Gefängnissen der USA (wie dem Angola State Prison) werden Gefangene, etwa wenn es zu Arbeitseinsetzen außerhalb des Gefängnisses geht, zum Teil noch heute in Fußfesseln gekettet, wobei mehrere Stäflinge gemeinsam an eine Kette (Chain Gang) gefesselt sind. Das setzt sie nicht nur der Willkür der Aufseher gänzlich aus, sondern macht darüber hinaus jeden individuellen Fluchtversuch unmöglich (was freilich ein Argument für die konservative Strafgesetzpolitik ist und von der Realität ablenkt,  die wohl darin bestehen dürfte, dass die permanente Gewaltverherrlichung in den Medien, vor allem aber die Gewaltausübung des Staates selbst solche gewalttätigen Individuen schafft).

Chicago Blues - im Gegensatz zum ländlichen Country Blues der Südstaaten, welcher der damaligen Zeit entsprechend auf rein akkustischen Instrumenten gespielt wurde, ermöglichte seit den 1950er Jahren die elektrisch verstärkten Gitarre, die auch verzerrende Soundeffekte zuließ,  überhaupt erst den Durchbruch des Blues als Tanzmusik (Rhythm & Blues), da nun die Gitarre als harmonieführendes Instrument auch bei Begleitung durch Schlagzeug und andere laute Instrumente hörbar blieb. Heute so berühmte Bluesgitarristen wie Muddy Waters oder B.B. King, die ihr Handwerk bei den legendären, teils in Vergessenheit geratenen Virtuosen des Country Blues gelernt hatten, profitierten, als sie damals in den Lokalitäten der Großstädte des Nordens, so vor allem in Chicago, auftraten, von dieser technischen Neuerung und entwickelten deren Möglichkeiten und Stilistik maßgeblich.

Chillun - Slang für "children" ("li'll chillun" = "little children")

City of New Orleans - Name eines Zuges wie "Midnight Special" oder "Orange Blossom Special" und viele mehr... Coocoo Bird - warum der gleichnamige Song so heißt, weiß der Kuckuck... Wahrscheinlich wird man nie erfahren, wem es so wichtig war, ne Hütte am Berg zu bauen, um von da aus beobachten zu können, wie ein gewisser Willie vorüberzieht..., und um so weniger wird uns jemals einleuchten, warum der Kuckuck angeblich niemals vor dem 4. Juli "warbelt". Gut, wir wissen, dass das der Unabhängigkeitstag ist, aber was hat der nun wieder damit zu schaffen, dass jemand sowohl in England als auch in Spanien Karten spielte, sich zehn Dollar pumpte (in Spanien!), um im nächsten Spiel gewinnen zu können, und dank des Karo-Buben  doch all sein Hab und Gut in Form von Silber und Gold verlor? Wer mehr darüber wissen möchte, lese Greil Marcus' „Basement Blues", daraus das Kapitel „Das alte unheimliche Amerika". Und wer das Lied (und etliche andere aus dieser Sammlung) hören möchte, besorge sich die Anthology Of American Folk Musik .

Country Blues - selbst unter einigen Musikern irrtümlich als Mix zwischen Country Music und Blues verstanden, meint aber die Stilistiken des in den 20er und 30er Jahren im ländlichen Süden der USA hervorgebrachten und damals rein akkustischen Blues, dessen Markenzeichen das Folk Picking  und Bottleneck -Slide auf der Gitarre waren. Legendärster Vertreter war Robert Johnson. Der Begriff dient heute vor allem der Unterscheidung vom elektrisch verstärkten Blues, wie er ab etwa den 50er Jahren in den Großstädten des Nordens gespielt wurde, daher auch Urban Blues oder Chicago Blues genannt. Berühmtester Vertreter letzterer Spielart war Muddy Waters, der aber wie B.B. King und all die anderen Stars des Blues ihr Handwerk im Delta lernten.

Cover - Deckblatt, Titelseite einer LP oder CD, bei letzterer Bestandteil des Booklets

Coverversion - eigentlich die Neuaufnahme eines einstigen Hits durch einen anderen Interpreten, wobei sich die wesentlichen stilistischen Merkmale mit denen des Originals decken (to cover). Eine Band, welche auf diese Weise ausschließlich die bekannten Songs anderer Musiker "nachspielt", nennt man daher Coverband, welche einerseits (beispielsweise als Rolling Stones-Ersatz) sehr verbreitet und beliebt sind, andererseits im Ruf mangelnder eigener Kreativität stehen. Da sich allerdings auch anerkannte und so legendäre Musiker wie Elvis Presley, Janis Joplin oder Jimmy Hendrix mit den Werken ihrer Kollegen auseiandergesetzt haben, während andere Sänger wie Joe Cocker überhaupt durch das Covern zu Stars wurden, ist das Image des Coversongs ambivalent, denn mitunter übtrifft die Cover-Version das Original an Ausdruck und Dyanmik, bekanntestes Beispiel ist eben Cockers Version von "With A Lttle Help From My Friends".

Credence Clearwater Reviaval  - eine  dem Folk & Blues verwurzelte kalifornische Rockband um 1970, welche neben den von Bandleader John Fogerty geschriebenen Songs auch
Traditionals und Lead Belly-Klassiker wie "Midnight Special" und "Cotton Song" zum Hit machten.

Cumberland Gap - eine Gegend in West Virginia, die an die Bundesstaaten Kentucky und Tennesse angrenzt. Während des Sezzessionskrieges (1861-1865) besetzten Truppen der Union (Nordstaaten) unter General Morgan diesen strategisch bedeutsamen Punkt (Juni 1862), verloren ihn jedoch bereits drei Monate später (September 1962) wieder an die Konföderation (Südstaaten). In der von Alan Lomax überlieferten Version werden einige der historischen Namen und Ereignisse erwähnt. Eine von Woody Guthrie gesungene Version verzichtet auf den historischen Bezug, so dass das Lied eher den Touch eines Hobosongs hat... Die Hobos gaben möglicherweise Informationen wie etwa "17 miles to the Cumberland Gap" von einem Wagon zum nächsten durch. Vielleicht gab es an der Stelle einen Haltepunkt, an dem die Wagons kontrolliert wurden. Es war dann ratsam, sich dort nicht erwischen zu lassen. Vielleicht war dort auch eine Weiche (Gap) und daher unklar, welche Richtung der Zug einschlagen würde, so dass man nach dem Passieren dieser Stelle gegebenenfalls zum Absprung bereit sein musste.

Daddy - in Bluestexten seltener so etwas wie Pappi, sondern Liebhaber. Gleiches gilt für Mama. "My mama left me" heißt also soviel wie "Meine Alte ist abgehaun". Shugar Daddy ist ein meist älterer Mann, der mittels diverser Geschenke oder finanzieller Zuwendungen eine meist jüngere Frau bzw. ein Mädchen aushält, das ihm als Gegenleistung etwas das Alter versüßt.

Delta Blues - ein musikologischer Begriff, der den im Mississippi Delta beheimateten Blues meint. Darunter ist primär der ländliche, dem
Country Blues verwuzelte Stil zu verstehen, aber im Unterschied zu letzterem auch seine moderneren, d.h. elektrifizierten Formen, welches wiederum Bandbesetzung einschließen kann.

Deportees  - eines jener Lieder, die Woody Guthrie aufgrund einer Zeitungsschlagzeile oder Nachrichtenmeldung schrieb. In diesem Falle enthielt sie die Meldung eines Flugzeugabsturzes, was an sich immer ein gewisses Aufsehen erregt. Allerdings wurde hinzugefügt, dass es sich bei den verunglückten Passagieren "nur" um abgeschobene mexikanische Gastarbeiter gehandelt habe, daher heißt es im Refrain: "And all they will call you is deportee" (Und sie nennen euch einfach nur Abgeschobene).

Depression - meint hier die durch den Kurssturz am Schwarzen Freitag (25. Oktober 1929) in den USA eingeleitete wirtschaftliche Rezension, welche mehrere Jahre anhielt und besonders in ländlichen Gegenden des Südwestens (Texas, Oklahoma) zu bitterer Armut großer Teile der Bevölkerung führte. So trug hauptsächlich die Wirtschaftskrise in den zuvor durch den Öl-Boom prosperierenden Städten Oklahomas zum Exodus der Bewohner bei, welche dann als Okies bezeichnet wurden, obgleich sich mit ihnen auch Texaner und Bewohner anderer Bundesstaaten dem Track gen Westen, ins vielverheißene Kalifornien, anschlossen. Bekanntester Okie wurde der 1912 in Okemah geborene Woody Guthrie und die später in John Steinbecks Roman "Früchte des Zorns" geschaffene Figur Tom Joad, welche wiederum durch gleichnamigem Song von Woody Guthrie populär wurde. Guthrie war demnach an jenem Schwarzen Freitag ein junger Mann von 17 Jahren, und  nichts hielt ihn in der zudem auch noch von verherrenden Staubstürmen heimgesuchten Provinz. Diese Situation vor Augen machte er die kollektive Erfahrung der Heimatlosigkeit, denn wo er herkam, gab es keine Perspektiven, und wo er hinkam, betrachtete man die Neulinge als Konkurrenten um die Jobs und zudem als Wegelagerer. Guthrie thematisierte die Ausweglosigkeit in zahlreichen seiner Songs, was ihn nicht gerade zum Star der kommerziellen Musik, dafür aber um so mehr zur Gallionsfigur der Linken und der um die Rechte der Arbeiter kämpfenden Gewerkschaften machte. Skrupellose Arbeitgeber nutzten das Elend aus, indem sie die herumziehenden Hobos als billigste Arbeitskräfte ausbeuteten.

Deputy - Assistent des Sherriffs,in den Songs oft von schlechtem Ruf als korrupter Hilfssheriff

Dime - 10 Cent-Münze

Dixieland - einerseits die Bezeichnung für jene, dem Jazz zugeordnete, von Bläsern dominierte instrumentale Tanzmusik und andererseits für die Gegend der Herkunft dieser Musik, eben Dixieland, worunter man die Südstaaten der USA versteht - und zwar südlich der sogenannten "Mason-Dixon Line". Zwei Feldmesser hatten seinerzeit die Grenzlinie zwischen Pennsylvania und Maryland abgesteckt. Einer von ihnen hieß Mason, der andere Dixon. Entweder kommt die Bezeichnung also von jenem "Dixon" oder aber, was als wahrscheinlicher gilt, von jenen durch französische Siedler in New Orleans herausgebrachten Zehn-Dollarscheinen, die nach dem französischen Wort "dix" (für "zehn") Dixies hießen und als wertlos galten. Im Begriff Dixie Land lebt schließlich auch noch eine Portion Südstaatler-Patriotismus mit, der besonders durch die Kriegshymne "Dixie" Verbreitung fand. Das Lied vurde allerdings von einem Nordstaatler namens Daniel D. Emmett geschrieben - und das erste, worum Lincoln bei seiner Amtseinführung verlangt haben soll, war, die Band möge "Dixie" spielen. Die Südstaaten-Nostalgie findet ihren Ausdruck auch in Jimmy Rogers' Dixie-Hymne "Somewhere Down Below The Dixon Line".

Dobro - der Markenname einer 1927 von John Dopyera erfundenen und daraufhin in Serie produzierten sogenannten Resonator-Gitarre. Sie besaß einen Stahlkorpus und eine, dem damals gerade entwickelten Lautsprechern nachempfundene Membran im Schallloch, welches zusammen für einen erheblichen Lautstärkevorteil gegenüber der herkömmlichen Holzklampfe sorgte und damit in der prä-elektrischen Musikepoche die Chance bot, sich gegen lautere Instrumente wie Banjo, Fiddle, und Akkordeon, die bis dahin die Begleitung von Blues und Folksongs bestimmten, zu behaupten. Aber auch im Jazz und Dixieland, wo Trompeten und Posaunen das Sagen hatten, erhielt die Gitarre damit mehr bzw. überhaupt Gehör. In den 40er Jahren wurden kriegswichtige Rohstoffe stark rationiert, was zur Einstellunjg der Dobro-Produktion führte. Später wurden unter dem Namen "National Steel" und "Regal"wieder ähnliche Gitarren gebaut, in der Regel verchromt, während die Oberfläche des Original teils mit Emailliertechniken bearbeitet wurden, die heute nicht mehr bekannt oder zumindest zu aufwendig für eine Neuauflage sind. Mit der Dobro unterm Arm gingen Musiker wie Bukka White, Blind Boy Fuller und Son House in die Blues-Geschichte ein. Verbunden mit dem Namen Dobro ist auch die als Bottleneck oder Slide bezeichnete Spielweise.

Doncha - Slang für "Don't you"


Dust Bowl - soviel wie Staubkessel. Ausbleibender Regen führte Anfang der 30er im Südwesten der USA (Oklahoma, Texas) zur Austrocknung weiter Landschaftsflächen. Neben dem Niedergang der Landwirtschaft führte dies zu einer anhaltenden Umweltkatastrophe, denn als der Wind über die ausgedörten Felder fegte, die keiner Pflanze mehr Halt boten, wurden nicht nur die Lanschaften, sondern auch Dörfer und Städte mit dem Staub überzogen, der durch jede Fuge drang.  Für die ländliche Bevölkerung, die ohnehin schon am stärksten unter der wirtschaftlichen Depression litt, führte dies in eine Verelendung, von der viele Amerikaner erst in den 40er jahren durch die Verfilmung von John Steinbecks "Früchte des Zorns" erfuhren. Viele Okies, wie die Flüchtlinge aus Oklahoma und benachbarten Bundesstaaten genannt wurden, machten sich mit den wenigen Dingen, die sie besaßen, auf den Weg ins verheißungsvolle Kalifornien. Doch schon unterwegs und um so weniger im sonnigen Kalifornien waren die als Landstreicher verrufenen Okies beliebt, wurden weiter vertrieben oder als billigste Arbeitskräfte ausgebeutet. Die Dramatik dieser kaum noch bekannten Epoche wurde in vielen Songs Woody Guthries, der in jungen Jahren selbst zu diesen Flüchtlingen gehörte, wiedergegeben. Eine ganze LP mit dem Titel "Dust Bowl Ballads" widmete sich diesem Thema.

Dust my broom - zu deutsch so viel, wie "den Besen entstauben", eine wahrlich poetische Metapher für das, was man auf deutsch "einen runterholen" nennt.

Dust Pneumonia- soviel wie Staublunge. Wegen der Staubstürme in Oklahoma und benachbarten Bundestaaten litten viele Einwohner in den 30er Jahren an dieser Krankheit (siehe auch Dust Bowl)

Dylanology - mittlerweile ernst gemeinter Begriff, der die äußerst umfangreiche literarische Beschäftigung mit dem Werk und der Persönlichkeit Bob Dylans bezeichnet.

Elfego Baca - eine historische Figur des Wilden Westens, nur nicht so bekannt wie die anderen Rabauken. Sein großer Traum war es, Sheriff oder wenigstens Deputy zu werden. Da ihn niemand dazu berief, besorgte er sich selbst einen Sheriffstern, steckte ihn sich ans Jacket und sorgte für Ordnung, wie und wo er es für nötig hielt. Eines Tages - um genau zu sein: am 30 November anno 1884 - trieb sich in der hauptsächlich von Mexikanern bewohnten Stadt Francisco in New Mexico ein betrunkener Cowboy herum, der den Mexikanern vor die Füße schoss, um sie zum "Tanzen" zu bewegen. Der selbsternannte Sheriff Elfego Baca mischte sich ein und "verhaftete" den Cowboy, womit er einerseits eine ihm nicht erteilte "Befugnis" überschritt und andererseits die 80 Mann umfassende Clique des übermütigen Cowboys gegen sich brachte... Wie die Geschichte weiter und zu Ende ging, erzählt mein Song. Und die Idee des Songs war es, auch mal einem jener Revolverhelden ein musikalisches Denkmal zu setzen, die sich kraft ihrer Fäuste und Waffen für die Sache des moralischen Rechts eingesetzt haben, denn über die bösen Buben gibt es ja bereits genug Lieder...

Fishing - zu gut deutsch so viel wie Angeln - ist auch eine Metapher für eine Angelegenheit, die man hier ebenso metaphorisch "Baggern" nennt. Mithin geht es nicht um den Fisch, jedenfalls nicht um den allein, sondern um die Bräute, die man sich angelt oder angeln möchte. Und wenn es im Refrain von Henry Thomas' "Fishing Blues" heißt, "jeder Fisch beißt, wenn man 'nen guten Köder an der Rute hat...", dann ist das auch in diesem übertragenen Sinne zu verstehen.

Folk Picking  ist eine Spieltechnik, bei der der Gitarrist durch das Zupfen (engl.: picking) einzelner Saiten eine subtile Begleitung seine Gesangs erreichen kann. Während die im permanenten Wechsel gezupften Bass-Saiten den Rhythmus unterstreichen, können die gleichzeitig gezupften höheren Seiten die Melodie hervorheben. Die Meister dieser Technik können sich dann auch gitarristische Solo-Einlagen erlauben. Klassiker dieser Spielart sind Mississippi John Hurt und Elizabeth Cotton.

Folk Revival  nennt man eine Bewegung, die sich in den 60er Jahren auf die Wurzeln der (damaligen) Popmusik zurückbesann, d.h. auf das Liedgut der Folksongs, die Balladen und die Blues. Als Vorreiter könnte man Woody Guthrie und Lead Belly bezeichnen. Da die beiden gemeinsam mit weiteren musikalischen Begleitern in den 50er Jahren in New York wohnhaft wurden, von wo die Bewegung dann ausging, ist ihr Einfluß unbestritten. Als Motor dieser Bewegung dürfte allerdings der Folk-Purist Pete Seeger gelten. Vor allem könnte aber die Präsenz von Bob Dylan in New York, etwa in "Gerde's Folk City", jener wegen der Auftritte von inzwischen weltbekannten Musikern legendär gewordenen Musikkneipe im Greenwich Village, ein wichtiger Impuls gewesen sein. Gewiss müssten hier etliche weitere Namen genannt werden, was aber den Rahmen sprengen würde. Ein weiteres Moment, das die Folk und Blues Nostalgie begünstigte, war, dass man bereits einer musikalischen Modeerscheinung der späten 50er namens Rock'nRoll überdrüssig war und daher "back to the roots" (zurück an die Wurzeln) wollte. Ein besonders entscheidender Aspekt des Folksongs wie des Blues war aber auch, dass die Songs seit jeher teils rebellische, zumindest aber sozial relevante Texte transportierten. In den 40er Jahren wurden Melodien von Folksongs benutzt, um politische Themen zu popularisieren: Gewerkschaftshymnen sowohl als auch patriotische Lieder entstanden. Die während des Dauereinsatzes der US-Army  in Vietnam um sich greifende Kriegsmüdigkeit der Amerikaner, besonders aber die Auflehnung und Wehrdienstverweigerung vieler junger Leute der sogenannten Beat-Generation öffneten den Folkbarden Hof und Tor. Und Bob Dylan war genau zur richtigen Zeit genau am richtigen Ort genau mit dem richtigen Song: "Blowin' In The Wind", ein Song, der später zu einer der Hymnen der Hippies wurde, mit deren Verschwinden dann allerdings auch das Folk Revival sein Ende fand...

Folk Rock  ist eine abgeriffene Bezeichnung, mittels derer man sich zunächst mit Bob Dylans Griff zur elektrischen Gitarre (Newport 19965)  zu versöhnen suchte. Dylan hatte sich damals vehement dagegen verwehrt, als Folkie vereinnahmt zu werden, entsprechend war die Entrüstung für seinen elektrifizierten Auftritt. Dennoch ist Dylan, ob es ihm passt oder nicht, in Sachen Folk einer der kompetentesten Musiker der Gegenwart, nicht nur bezüglich der Art, wie er Folksongs und Traditionals interpretiert, sondern auch wie er sich zum Wesen dieser Musik äußerst (siehe
Greil Marcus). Mittlerweile wird offenbar alles als Folk und Folk Rock etikettiert, was man in keiner anderen Schublade unterkriegt - und das spricht im Grunde nur um so mehr für die Unergründlichkeit der musikalischen und lyrischen Wurzeln...

Forty - je nach Kontext zum Beispiel eine 40 Acre große Plantage.

Foster, Stephen

Frankie and Albert - in anderen Versionen auch "Frankie & Johnny", waren ein verliebtes Pärchen wie irgendsonst auf Erden, bis der Alltag einzog... Albert alias Johnny war nicht gerade einer von der feinen Sorte, amüsierte sich auch mit anderen Mädchen, und als es Frankie zu fett wurde, erschoß sie ihn. So geschehen anno 1899 in St. Louis, aber gewiss schon etliche Male davor und etliche Male danach. Die unzähligen Versionenen des
Traditionals können daher auch auf historisch früheren Ereignissen beruhen. Wie dem auch sei, die Geschichte kommt immer wieder und in der besten Familie vor. Da aber eher die Herren der Schöpfung bewaffnet sind, ist meistens eine Frau als Opfer zu beklagen. Wegen der vermeintlichen Entschlossenheit einer Frau, einen typischen Vetreter der Sorte Macho zu liquidieren, galt der Song als Kampflied der nordamerikanischen Emanzipationsbewegung... Woody Guthrie schrieb 1941 unter dem Titel "Adolph & Nevilline" eine Persiflage auf das Traditional, in der er das politische Techtelmechtel zwischen Hitler und Chamberlain aufs Korn nahm, bei welchem dem deutschen Diktator die Duldung seiner Invasion in der Tschechei abgesegnet wurde - mit den bekannten historischen Konsequenzen. Erstaunlich ist, dass Guthrie bereits 1941, also noch mitten im Propagandarummel der Kriegsgegener, die tatsächlichen Intrigen der Politiker durchschaute. Eine Aufnahme dieses Songs existiert wahrscheinlich nicht .

French Quarter - historischer Stadtkern von New Orleans (siehe auch Cajun)

Frog Went A-Courtin'- Ursprünglich kommt das Lied aus England, wo es schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt ist. Den gleichen „Inzest" erzählt ein
Traditional mit dem Titel „King Kong Kitchie Kitchie Ki-Me-O", aufgenommen 1928 von Chubby Parker and His Old Time Banjo, zu hören auf Harry Smith’ Anthology of American Folk Music. Textlich ein deutsches Pendant wäre „Ein Vogel wollte Hochzeit machen". Der Text hiesiger Version folgt (bis auf die letzten 3 Strophen) der Version von Bob Dylan. Die letzten drei Strophen sind einer aus Texas überlieferten Version entnommen, bei der  jeweils der erste Vers nur einmal wiederholt wird, was durch eine Wiederholung des „uh-huh" am Ende des Liedes ausgeglichen wird.

Gal - Slang für "girl"

GEMA - Gesellschaft für musikalische Aufführungs und mechanische Vervielfältigungsrechte, gegründet als Deutsche Urheberechtsschutzvereinigung für Musiker 1915 in Berlin -siehe auch Tantiemen .

Gerde's Folk City - unter diesem Namen wurde eine zuvor mehr schlecht als recht laufende Kneipe in New Yorks Greenwich Village bekannt, nach dem sich dort von 1960 bis 1964 die gesamte Folkszene der Stadt etabliert hatte. Freunde des Inhabers jener inzwischen (ich war 1993 dort) wieder ebenso schäbigen, aber recht geräumigen Spelunke organsierten dort Gigs und als Hootenanny bezeichnete Jam Sessions bzw. Open Mic -Abende für Musiker, unter denen einige damals noch kaum bekannt, inzwischen aber Teil der Musikgeschichte sind, und andere wie Gary Davis schon berühmt waren. Als Bob Dylan 1961 dort auftrat, war er stolz, mit Namen wie John Lee Hooker auf einem Programmzettel erwähnt zu sein. In jedem Fall spielte der Laden damals auch eine zentrale Rolle für das sogenannte Folk Revival .

Gig - geringfügig bezahlter Auftritt von Musikern in kleineren Lokalitäten wie Cafes oder Kneipen, zu deutsch auch Mugge = Kürzel für "Musikalisch geschäftliche Gelegenheit" - in Unkenntnis dieser Bedeutung fälschlich auch "Mucke" geschrieben.

Gimme - auch gimmy -Slang für "give me" style='font-size: 13.5pt'>Git - Slang für "get"

Gray, Arvella

Greenwich Village- Kiez im New Yorker Stadtteil Manhatten, wo sich bis in die 1970er die Boheme konzentrierte. Nachdem der Kiez in der Künstler- und Musikerszene angesagt war und somit die Mieten stiegen, verlagerte sich das Flair zum East Village. Darauf bezieht sich "Take A Walk On The Wild Side" von Lou Red - siehe auch Gerde's Folk City und Folk Revival.


Greil Marcus  - Autor von "Basement Blues.  Bob Dylan und das alte unheimliche Amerika" (1998 Rogner & Bernhard bei Zweitauseneins) und weiterer großartiger zeitgeschichtlicher und biographischer Bücher. Genanntes Buch ist nicht nur für Dylanologen, sondern auch - und mehr noch - für jeden an Folk & Blues interessierten Leser sehr empfehlenswert.

Gumbo - ein tradionelles Gericht der Cajun -Küche, das wie Jambalaya im wesentlichen aus Fisch mit Reis besteht und mittels diverser Gewürze einen Hauch vonn Karibik erhält. Besungen und daher weltbekannt wurden beide Gerichte durch den Hit "Jambalaya" von Hank Williams .Weniger bekannt, aber dafür das eindeutigere Hohelied auf eine Speise ist "Gumbo" von Jesse Thomas.

Hanna - Synonym für Sonne - siehe Rising Sun

Harry Smith (1923-1991 New York) war enthusiastischer Sammler alter Platten, die vor der Depression produziert wurden, wegen der Kriegswirtschaft mit ihrer Rohstoffrationierung nicht wieder aufgelegt wurden und wovon teils selbst die Master-Aufnahmen nicht mehr existierten. Smith recherchierte akribisch, woher die Aufnahmen stammten, ordnete sie drei Kategorien zu, um schließlich einen Teil davon 1952 als Anthology Of American Folk Music herauszugeben. 

Hawkins talks - synonym für Kälte, Winter, Frost, also etwa „Herr Frost spricht"


Hobo  - Tramp, Wanderarbeiter, Tagelöhner. Das Wort (auch in der Schreibweise: Hoboe) ist ein Kürzel, das aus "hoe" (Schaufel) und "boy" abgeleitet wurde, und bedeutet  wörtlich also soviel wie "Schaufelbursche", jemand, der mit nur wenigen Habseligkeiten und einer Schaufel ausgerüstet, auf der Suche nach Arbeit von Ort zu Ort zog.  Während der Depression der frühen dreißiger Jahre gab es für die verarmte ländliche Bevölkerung, besonders in den südwestlichen Bundesstaaten der USA, fast nirgends genug Arbeit, um den Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Da die Hobos meist als blinde Passagiere in Güterzügen mitfuhren, wurden sie von offizieller Seite als Landstreicher und Diebe deklariert.

Hootenanny - offene Bühne im legendären New Yorker Lokal Gerde's Folk City, wo sich unter etlichen schon damals namhaften Musikern der junge Bob Dylan seine ersten Lorbeeren erwarb. Heutzutage ist für dergleichen Veranstaltungen eher der Begriff Jam Session üblich, ob nun tatsächlich gejammt wird oder nicht. Die etymologische Wurzel des Wortes ist unklar, seine Bedeutung ist jedenfalls "Bühne frei für Amateure"

Hot Corn Cold Corn - Dieser in die Melodie eines Kinderliedes verpackte Song ist alles andere als ein Hohelied aufs Getreide, jedenfalls nicht in fester, sondern in flüssiger Form. Denn damit das Korn "hot" wird, muss es entsprechend verarbeitet werden. Erst dieser Verarbeitung ist eine Essenz zu verdanken, die man in einen "demijon" (Krug) füllen und schließlich trinken kann - mit anderen Worten: Whiskey. CD-Tip: Jerry Garcia & David Grisman: "Not for Kids Only". Unter dem Titel "Green Corn" gibt es eine ähnliche Version von
Lead Belly - siehe auch Prohibition

Howard, Thomas

I.C. - Illinois Central - Eisenbahstrecke bzw. Name eines Zuges von Chicago (Illinois) nach Miami (Florida).

Injun - Slang für "Indians" (Indianer)

Instrumental - Musikwerk ohne Text bzw. ohne Gesang. Instrumentals hatten seit den Zeiten von Ragtime bis in die 60er und 70er Jahre Stammplätze auf den oberen Rängen der Hitparaden. Heute hingegen sind eingängige und dennoch originelle Melodien so selten wie eingängige und dennoch anpruchsvolle Texte. Das Instrumental ist so gut wie ausgestorben.

Jack of Diamonds - zu deutsch: Karo Bube, keine besondere Trumpfkarte... Original ist der gleichnamige Song vom allseits bekannten Blind Lemon Jefferson. Diese Version allerdings ist von Jesse Thomas, einem selbst unter den eifrigsten Blues-Kennern kaum bekannten Sänger und Gitarristen alter Klasse (Jahrgang 1908), der 1995(!) eine phantastische Scheibe veröffentlichte, worauf sich auch die in dieser Sammlung enthaltenen Songs Besse Lavon", „ Your Ways And Actions" und "Gumbo" und andere befinden (CD-Tip: Jesse Thomas: Blue Goose Blues).

Jam Session

Jambalya  - siehe Gumbo

James Howard - blinder Fiddler aus Kentucky. Von ihm hat Alan Lomax  den seinerseits als Traditional ausgewiesenen Song "Down In The Valley" angeblich aufgezeichnet. Möglicherweise hat Huddie Ledbetter alias Lead Belly, der unter Vermittlung von Alan Lomax begnadigt und vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde und dann als Lomax' Chauffeur tätig war, Teile dieses Songs aufgeschnappt und entsprechend variiert, jedenfalls gibt es von ihm eine ähnliche Version unter dem Titel "Birmingham Jail".

Jelly Roll - mit Marmelade (Jelly) gefülltes Gebäck, z.B. in That Good Old Jelly Roll (Brownie McGhee) oder in He's a Jelly Roll Baker (Lonnie Johnson). In Bluestexten meist als sexuelle Metapher für Vagina. Der Liebhaber bezeichnet sein bestes Stück in diesem Zusammenhang als "jelly bean" und gibt damit an, ein "good jelly roll baker" zu sein. Die selbstbewusste Frau behauptet von sich, sie könne gut "jello"...


Jesse James - über den als Rächer und Freund der Armen glorifizierten Outlaw gibt es historische Berichte, die ihn als skrupellosen Gangster entlarven. Nach Bill O’Neal („Encyclopedia Of Western Gunfighters") besaß die Familie James Sklaven und stand daher zum Ausbruch des Bürgerkrieges auf der Seite des Südens. Angeblich von Anhängern der Union drangsaliert, schlossen sich die Brüder James der Querrillia-Bande von William Quantrill an, wo sie das Morden und Rauben lernten. Doch die „Selbständigkeit" der Brüder James wurde umgehend durch spektakuläre Überfälle auf Banken und Züge unter Beweis gestellt. Wie so oft in einer Gangsterbiographie wurde auch Jesses Leben durch ein Mitglied seiner eigenen Bande, Robert Ford, der es auf das hohe Kopfgeld abgesehen hatte, beendet. Witwe James soll Besucher für 25 Cents Eintritt zum Grab des prominenten Toten geführt haben. Für einen Vierteldollar gab’s einen Stein von Jesses Grab als Souvenir. Ging der Vorrat aus, besorgte sie sich neue Steine vom Ufer des nahen Baches (Fan-Tourismus im 19. Jahrhundert!).

Jig - die aus der traditionellen irischen und schottischen Folklore stammenden Instrumentals, die auf einem 6/8-Takt beruhen - im Gegensatz zum 4/4 Takt des Reel genannten Pendants. Wichtig ist diese Unterscheidung besonders für das Spielen des Bodhráns, einer aus Irland stammenden Handtrommel. Der Bodhrán-Trommler muss allerdings auch noch Slip Jigs (9/8-Takt) und andere rhythmische Spezialitäten drauf haben.

Joad, Tom

John Hardy - offensichtlich einer jener Desperados, die  wie Stagolee alles konnten, nur nicht beim Pokern verlieren. Die Melodie des durch eine Aufnahme von Lead Belly überlieferten Traditionals wurde auch von Woody Guthrie für seinen Song Tom Joad "recycled".

John Henry - bekannt als der Mann, dessen Ehrgeiz, mittels Muskelkraft die Überlegenheit des Menschen über die Maschine beweisen zu wollen, tötlich endete. Da in gleichnamigen Traditional normalerweise vom "leader of the chain gang" die Rede ist, sollte allerdings erwogen werden, ob er dies allein aus diesem Motiv heraus wagte oder ob er dafür andere Gründe hatte. Neben den bekannten John Henry-Versionen von Woody Guthrie oder Lead Belly gibt es unter dem Titel „Gonna Die With My Hammer" eine Aufnahme von den Williamson Brothers (Anthology Of American Folk Music). Wie am Text von John Hurts "Spike Driver Blues" zu erkennen ist, handelt es sich dabei einerseits um eine Version von "Take This Hammer", andererseits bezieht auch dieser Song sich auf die Legenden um  John Henry.

John Riley - gleichnamige Ballade kommt aus dem schottischen Liedgut und dürfte - wenigstens inhaltlich - der gleichen Tradition wie "Belle Isle" entstammen.

John Wesley Harding - An Bob Dylans Song stimmt so gut wie gar nichts mit der historischen Figur überein, nicht einmal der Name (Hardin ohne "g"), dennoch wird Hardin, auch kurz Wes genannt, den Namen für diese Outlaw-Romantisierung geliehen haben, die man eigentlich eher als eine so gewollte Verhohnepipelung des Genres ansehen kann. Denn bei aller aufrichtigen Vorliebe von Bob Dylan für die bösen Buben des Wilden Westens, werden ihm wohl ein paar mehr Fakten über Hardin bekannt gewesen sein, als dass der keiner Fliege was zu Leide tun konnte, stattdessen immer eine „helping hand" besaß und niemals einen „foolish move" machte. Um mit letzterem anzufangen: die tödliche Kugel traf ihn, wenn wir wiederum  Bill O'Neal („Encyclopedia Of The Western Gunfighters") trauen dürfen, von hinten, und zwar beim Pokerspiel, ziemlich uncool für einen Desperado. Bis zu diesem Tag hatte er es auf immerhin 19 historisch überlieferte Schießereien und in ein, den Umständen entsprechend, hohes Alter von 42 Jahren gebracht. Wie Frank und Jesse James hatte auch Hardin nicht gerade den Ruf eines Humanisten. Im zarten Alter von zwei Jahren lehrte ihm sein Vater (von Beruf Methodistenpfarrer!) bei der Jagd und mittels Standbildern von Abraham Lincoln den Umgang mit dem Schießeisen. Mit 11 Jahren stellte er unter Beweis, daß er auch mit herkömmlichen Waffen umgehen konnte, in dem er einen anderen Jungen mit dem Messer verletzte. Mit 15 schließlich wurde ein ehemaliger Sklave Opfer seiner Schießkünste. Die drei Soldaten, die ihn daraufhin festnehmen wollten, lockte er in einen Hinterhalt und legte sie gleichfalls um. Tja, so war er, der kleine Wes, der, wie Dylan dichtete, dafür bekannt gewesen sei, niemals einem „honest man" ein Haar gekrümmt zu haben. Der Weg dieses Mannes war gesäumt von Leichen, weitere Einzelheiten entnehme man dem bereits zitierten O'Neal oder den zahlreichen dort angeführten Quellen.

Kingsport Town - Um welches Kingsport Town es sich in gleichnamigem Song handelt, ist schwer zu sagen. Dylans Kingsport Town liegt offenbar in Tennessee, wenn er singt: "Who's gonna kiss your Memphis mouth?" Bei diesem Song handelt es sich um ein Out Take  von Dylans „Freewheelin’", später veröffentlicht auf „The Bootleg Series", wo es im Booklettext heißt, der Song sei eine Bearbeitung von Woody Guthries „Who’s Going To Shoe Your Pretty Little Feet", welches wiederum auf einer sehr alten Ballade basiere... Von der Stilistik her könnte es auch eine jener typischen Balladen aus Irland sein. Der Booklet-Autor identifiziert den sprachlichen Akzent als „Okie accent" (Oklahoma-Akzent), was angesichts der Tatsache, dass Dylan sich in jungen Jahren sehr intensiv mit dem Werk von Woody Guthrie beschäftigt hat, nachvollziehbar ist.

Lead Belly - oft Leadbelly geschrieben - hieß mit bürgerlichem Namen Huddie Ledbetter. Im Knast soll er von Mitgefangenen den Spitznamen Lead Belly bekommen haben, weil er einen so kräftigen Körper hatte, dass ihm bei Schlägerein niemand ernsthaft schlagen konnte. Sein Bauch sei wie aus Blei gewesen (lead belly = Bleibauch). Lead Belly war mehrfach im Knast, unter anderem weil er einen Nebenbuhler seiner Freundin getötet hatte. Der Legende nach wurde er begnadigt und entlassen, weil der Gouverneur von Texas so sehr von Lead Bellys Gesang und Spiel auf der 12-saitigen Gitarre beindruckt war - siehe auch Alan Lomax

Little Sadie - eines jener Opfer eifersüchtiger Liebhaber, von denen es in der amerikanischen Folk Music so zahlreiche gibt, dass man ein eigenes Genre unter der Bezeichnung "Murderer Ballads" pflegte. Weitere nach den Opfern benannte Songs sind "Lily Of The West" und "Naomi Wise". Oft sind die Titel aber dem Namen des Täters (bekanntestes Beispiel "Tom Dooley") oder dem Ort des Verbrechens ("Banks Of The Ohio") entliehen. Auf Bob Dylans Album „Self Portrait" gibt es zwei Versionen von "Little Sadie". Während die eine Version mittels flottem Tempo und eher einfachen Akkordwechseln die tragische Situation des Erzählers (Mord, Reue, Flucht Verurteilung, Knast) eher absurd wirkt oder wenigstens das ansich tragische Geschehen mit einer gewissen Gleichgültigkeit herunterspult, dramatisiert die andere "In Search of Little Sadie" benannte Version mittels raffiniertem Rhythmus- und Tonartwechsel, teils innerhalb der Strophe.

Lomax, Alan

L & N
- eines jener zahlreichen Kürzel, die meist für den Namen eines Zuges stehen, z.B. auch  im M & O Blues

M & O - eines jener zahlreichen Kürzel, die meist für den Namen eines Zuges stehen, z.B. im M & O Blues

Mama - siehe Daddy

Master - 1. Sklavenaufseher, 2. die endgültige, auf ein anderes Medium (heutzutage meist DAT-Tape) kopierten Tonspur (Tracks) einer Studioaufnahme. Gesang und Instrumente werden mit seperaten Mikrofonen auf seperate Spuren (beim herkömmlichen Tonband) oder Kanäle (bei moderner Digitalaufnahme) aufgezeichnet. Der Tonmeister muss, in Absprache mit den Musikern, von diesen diversen Spuren einen klanglich alle Beteiligten zufriedenstellenden Mix zusammenzaubern, welcher dann als Master die Grundlage zur Vervielfältigung, sprich CD-Pressung wird. Ist dieses Original verloren gegangen oder durch Zerstörung vernichtet worden, dann bleibt nur noch das Kopieren von anderen Scheiben. In der Epoche der Schellackplatte bedeutete der Verlust des Masters, dass man von einer Platte zurückkopieren musste, die bereits wegen diverser Kratzer knisterte. Das Knistern lässt sich wiederum von Computern berechnen und dann teils recht erfolgreich eliminieren. Weil bis zurm fertigen Endmix viel Arbeit angefallen ist, war man besonders im prä-digitalen Zeitalter gut beraten, das Master wie den eigenen Augapfel zu hüten.

Midnight Special
- der Name eines Zuges. Der Zug und sein von weitem zu hörendes Pfeifen weckte die Sehnsucht nach Freiheit. Daher stehen der Name eines Zuges oder Wörter wie "train" und "whistle" in etlichen Jailhouse-Songs als Symbol für die ferne, unerreichbare Freiheit. Bekannteste Coverversion dieses Songs ist der einstige Hit von CCR - siehe auch "Rising Sun"

Minstrel Show - im 19. Jahrhundert eine Veranstaltung, bei der sich weiße Sangesbarden ihre Haut schwarz bemalten und auf diese Weise schwarze Sänger nachahmten oder auch verhöhnten, was absichtlich grotesk wirken sollte. Denn vor allem ging es bei den Shows um Belustigung der Masse. Ähnlich ging es um die Jahrhundertwende bei den sogenannten Medicin Shows zu. Wie der Name schon sagt, dient die Unterhaltung dem Verkauf diverser Heilmittelchen. Comedy diente dem Kommerz, bevor es selbst das Business schlechthin wurde (no business like show business!) Beispiel für einen Minstrel Song ist das Traditional "Arkansas Traveler" (CD-Tip: Jerry Garcia & David Grissman: Not For Kids Only). Das Wort Minstrel ist meines Wissens mit dem Begriff Minnesang verwandt bzw. davon entlehnt. Unter Bob Dylans Minstrel Boy hat man sich wohl eher einen Straßenmusikanten vorszustellen. Dylan besaß die Kühnheit, seinen Minstrel Boy bei einem Open Air Festival vorzutragen. Die von jolendem Publikum begleitete Live-Aufnahme ist auf  seinem Album "Self Portrait"(1970) zu hören.

Mojo - I got my mojo workin' - jeder Bluesfan kennt diesen Hit von Willie Dixon bzw. Muddy Waters. Aber was ist ein Mojo? Das weiß heute nicht einmal jeder, der diesen Blues singt oder den Refrain mitgrölt. Ursprünglich ist ein Mojo weiter nichts als das wichtigste Amulett des Hoodoo oder auch Voodoo genannten Kultes, der aus verschieden Elementen afrikanischer Religionen besteht und durch die Sklaventransporte zunächst in die Karibik gelangte. Die christlichen Missionare verboten diese für sie unverständlichen Bräuche, so dass die Zeremonien des Voodoo nur als heimliche Rituale praktiziert werden konnten. Das Mojo, so glauben die Anhänger der Religion, kann verschiede Lebensangelegenheiten beeinflussen, etwa das Haus zu schützen. In diesem Falle wurden ein Mojo nahe an der Tür befestigt. Je nach Zweck sind unterschiedliche Zutaten erforderlich. Um beispielsweise das Glück in der Liebe oder beim Pokern zu beeinflussen, musste man es versteckt am Körper tragen. Was das Mojo besonders ominös machte und zur sexuellen Assoziation führte, ist die Tatsache, dass Frauen das magische Amulett in einem kleinen Beutel unter ihrem Rock trugen. "Going to find that mojo", ist demnach eine Metapher für "unter den Rock greifen". Ein Beispiel für diese Zeideutigkeit ist der Scarey Day Blues von Blind Willie McTells.  Wo der ursprüngliche Sinn des Wortes unbekannt oder verloren ist, überwiegt die sexuelle Konotation. Der synonyme Gebrauch für Penis ist demnach eine weit hergeholte Interpretation.

Moonshiner - illegal gebrannter Schnapps während der Zeit der Prohibition, der im schützenden Dunkel der Nacht hergestellt wurde. Als Kumpan erwies sich dabei der Mondschein, der die einzige Lichtquelle beim heimlichen Tun blieb - daher das Wort Moonshiner, was einerseits das Produkt (in der Regel Whiskey), aber auch den Trinker, vor allem den abhängigen Alkoholiker bezeichnete, der sich sein Gläschen mitunter gleich vor Ort, in der Brennerei (still) füllte. Die Whiskeey-Steuer war bereits Ende des 19. Jahrhunderts über einenen Dollar pro Galone gestiegen (zur damaligen Zeit war ein Dollar wesentlich mehr als heute). Mit dieser hohen Steuer wurde die Gewinnspanne für die Hersteller und Händler so niedrig, dass bereits um die Jahrhundertwende der Handel mit illegal hergestelltem (ohne Steuer verkauften) Whiskey blühte. Diesem enormen Steuerloch versuchte man dann in den zwanziger Jahren mit den Prohibitionsgesetzen zu begegnen (womit das Pferd erst recht von hinten aufgezäumt wurde). Und so blieb die illegale Schnappsbrennerei (Moonshining) noch lange nach Aufhebung der Prohibition bis in die fünfziger Jahre populär, besonders in abgelegenen Gegenden wie den Bergen und Wäldern von Virginia, Tennesse, Georgia, Carolina.

Mr. Bojangles

Murderer Ballads - siehe Little Sadie

Naomi Wise - eines jener in sogenannten Murderer Ballads besungenen Opfer männlicher Eifersucht, Rache oder jedenfalls Gewalttätigkeit. Im Zustand der Schwangerschaft soll Ommie, wie sie in einigen Versionenen des Traditionals auch genannt wird, 1807 in Deep River, North Carolina, von ihrem Liebhaber ertränkt worden sein. Der Täter konnte entkommen und wurde nie gefasst.

Nickel - 5 Cent-Münze Nobody's Fault - Song von Blind Willie Johnson, an dem sich nur wenige versuchen, teils wegen schwer verständlicher Textabschnitte, zum andern wegen der einzigartigen Bottleneck -Technik Johnsons. Es heißt, Johnson habe die Slide-Effekte mit der Klinge eines Taschenmesser serzeugt. style='font-size: 13.5pt'>Number - Züge waren entweder schlicht nummeriert (number one, number nine) oder hatten teils so phantastische Namen wie "Orange Blossom Special", nach dem etwa der gleichnamige Bluegrass benannt wurde.

Okie - saloppe Bezeichnung für jemend, der aus Oklahoma stammt- siehe auch Depression

Old Hannah - siehe Rising Sun

Open Mic  - Kürzel für "open microphon" ("offenes Mikrophon). Während es auf den Amateurbühnen in Deutschland meist recht lässig zugeht, sind solche Veranstaltungen in den USA meist gut organisert, d.h. von einem Mangaer oder Musiker betreut, der Anweisungen über das Wann und Ob gibt - also auch Kandidaten abweisen kann.

Opener - Musiker, der eine Jam Session "eröffnet" oder insgesamt leitet.

Outta - Slang für "ought to"

Out Take  - die nicht zur Veröffentlichung gelangte, "herausgenommene" Aufnahme einer Recording Session, die mitunter später auf diversen Samplern  mit dem Vermerk "previously not released" (zuvor unveröffentlicht) herausgebracht wird.

Pastures of Plenty - Woody Guthrie schrieb eine ganze Reihe von Songs über Gast- oder Wanderarbeiter. Die sogenannten Hobos waren billige Arbeitskräfte, die zum Beispiel auch für den Bau des Grand Coulee Staudamms benötigt wurden, zumindest für die groben, schweren körperlichen Arbeiten. Diese Lieder bedienten einerseits die Landstreicherromantik und huldigten gleichzeitig dem technischen Fortschritt der damaligen Zeit, dem zunächst einmal Arbeit und Lohn, dann Elektrizität und ein gewisser Komfort zu verdanken war. Einige dieser Songs waren Auftragswerke der Unternehmen. Dies sei nur angemerkt, um dem einseitigen Mythos, Woody sei einzig der Sänger der Arbeiter und Gewerkschaften gewesen, etwas entgegen zu halten. Unter obigem Titel wurde posthum auch ein Buch mit zuvor unveröffentlichten Texten Guthries veröffentlicht.

Pat Garrett - einstiger Kompanion des berühmt-berüchtigeten, sich durch den Wilden Westen schießenden Outlaws und Viehdiebes Billy the Kid.  Als Pat Garret, der sich in jungen Jahren als Cowboy und Barkeeper verdingte, 1880 zum Sheriff von Lincoln County ernannt wurde, kam es ihm zu, den einstigen Freund zu stellen. Dies gelang ihm auch, aber Billy konnte entkommen, indem er sich ein weiteres Mal den Weg freischoss (woher er auch immer die Waffe hatte?). Als Garret ein Jahr später Billy erneut stellte, erschoss er ihn. Die Legenden spinnen sich um diese tragisch endende Männerfreundschaft, verfilmt etwa 1970 in "Pat Garret & Billy The Kid" mit Kriss Krisstofferson als Pat Garret, Filmmusik von Bob Dylan, der als "Alias" eine markante Nebenrolle spielt.

Peach Bowl - die Obstplantagen des verheißungsvollen Kalifornien - im Gegensatz zum ausgedürrten Dust Bowl, den von Staubstürmen verwüsteten Landschaften Oklahomas.

Pen - Slang für "penalty" (Strafe) und Wortspiel mit "pen" (Stall), daher im jeweiligen Kontext mit Knast zu übersetzen.

Penny's Farm - ein
Traditional, das die Ausbeutung der Pächter von Farmland durch gierige Landlords und knallharte Geschäftsleute reflektiert. Mit dem Ende des Bürgerkriegs wurde die Abschaffung der Sklaverei besiegelt. Etliche Plantagenbesitzer, deren Wohlstand auf der Sklavenarbeit beruhte, verpachten daraufhin ihr Land an arme Leute und befreite Sklaven, und zwar mit Abgabenlasten, welche die Situation für die einstigen Sklaven so wenig verbesserte wie für die anderen Pächter. Die Lage war mitunter hoffnungslos, und dennoch besaßen die Leute den Mut, in Liedern wie "Penny's Farm" ihrer eigenen Situation zu spotten, und den Humor, Scherze wie diesen zu machen: "Come over to my house for dinner. We got a thousand things to eat, and everyone of them is whippoorwill beans."(Komm doch zum Essen rüber und sei unser Gast! Wir haben tausenderlei Dinge zu essen, und jedes davon ist ein Häufchen Vogelkacke.) "Penny's Farm" ist dank der Bentley Boys (und dank Harry Smith) auf der Anthology Of American Folk Music überliefert. Bob Dylan entlieh sich die s>Melodie für seinen Song "Hard Times in New York Town", in dem seinen ersten Versuch, sich in der Folk-Szene der Metropole zu etablieren, reflektiert. Als er den Song aufnahm, Ende 1961, war er allerdings schon angekommen, denn er hatte nicht nur den Plattenvertrag mit Columbia in der Tasche, sondern auch schon die Songs aufgenommen, darunter jenes erst 30 Jahre später auf den Bootleg Series veröffentlichte "Hard Times in New York Town". Im Übrigen liegt es nahe, dass  ihn "Penny's Farm" auch zu "Maggie's Farm" inspirierte.

Pretty Boy Floyd - In Woody Guthries Song wird Floyd als edler Outlaw, als Robin Hood dargestellt, der quasi nur infolge jenes Zwischenfalls mit einem provokanten Deputy Sherrif auf die schiefe Bahn gekommen ist. Kinky Friedman kommentiert auf einer Live-CD („From One Good American To Another"), dass Floyd zu unrecht glorifiziert wurde, denn er sei schlichtweg ein gemeiner Bankräuber gewesen. Wäre Floyd tatsächlich einer jener skrupellosen Gangster oder Killer des Wilden Westens gewesen, so könnte man erwarten, dass Bill O'Neal ihn nicht übersehen und in seine „Encyclopedia ff Western Gunfighters" aufgenommen hätte. Dem ist allerdings nicht so, und somit bleibt die Legende vom edlen Outlaw als dem Freund der Armen.

Prodiagl Son  - die Geschichte vom verlorenen Sohn. Der hiesige Text entspricht weitgehend dem (teilweise leider unverständlichen) Original von Rev. Robert Willkins (aufgenommen beim Newport Folk Festival 1964). Es gibt eine weitere Version von Willkins unter dem Titel „That’ll Be The Way To Get Along". In einer etwas kürzeren Version  wurde der Song von Rev. Mig Jagger & Co...  auf "Beggars Banquet" gecovert.

Prohibition  - das Verbot der Herstellung, des Verkaufs und Erwebs, des Besitzes, Ausschankes, der Ein- und Ausfuhr von Alkohol in den Jahren von 1920 bis 1934 (USA). Gesetze sind bekanntlich immer sehr ausführlich, um alle juristisch relevanten Aspekte abzudecken. Eigenartig dabei ist, dass der eigentliche Konsum der verbotenen Dinge nicht ausdrücklich untersagt war. Seltsames Relikt der Prohibition ist das bis heute gültige Verbot des Alkoholkonsums in der Öffentlichkeit, d.h. außerhalb der eigenen vier Wände bzw. von Bars etc., zu denen man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten erst ab dem Alter von 21 Jahren Zutritt hat, was von Türstehern penibel kontrolliert wird. Trinklieder und "musikalische Anleitungen" zur Herstellung von Whiskey (Copper Kettle) gab es allerdings schon vor der Prohibition. Eines der seinerzeit populärsten Hohelieder auf Whiskey war Little Brown Jug, das 1869 publiziert und einem Songwriter namens Joseph Winner zugeschrieben wird. Aus gleicher Ära dürften Songs wie "Hot Corn Cold Corn" oder "Green Corn" stammen. Aus Irland, das dank kluger Mönche die Heimat des Whiskeys ist, dürfte eine der melancholischsten Balladen zum Thema stammen: Moonshiner

Ragtime - ursprünglich für Klavier komponiert und daher an selbigem gespielt. Als Urvater dieser um die Jahrhundertwende beliebten Tanzmusik gilt Scott Joplin mit seinem 1899 geschriebenen "Maple Leaf Rag", so benannt nach dem gleichnamigen Club in Sedalia, Missouri, wo er als Pianist engagiert war. Der Erfolg seines Instrumentals führte einige Jahre danach, 1903, zur Ergänzung um einen Text von Sidney Brown, was die Popularität vergrößerte (ähnlich später bei Carmichaels "Star Dust"). Da Ragtime so beliebt war, bemühten sich auch Gitarristen darum, die Stücke auf ihrem Instrument zu spielen. Die beim Ragtime benötigten Akkorde ließen sich auf den Tasten des Pianos greifen, jedoch auf dem Griffbrett einer Gitarre erforderten sie sehr gelenkige und erst recht flinke Finger. Ragtime Picking ist daher wahrscheinlich die raffinierteste aller Begleittechniken auf der Gitarre. Meister dieser Technik und Guru für eine ganze Generation von Gitarristen war der blinde Straßenprediger Rev. Gary Davis aus New York. Auf Gitarre gezupfter Ragtime ist wegen dieser nur mit großer Geduld erlernbaren Technik heute nur selten live zu hören.

Railroad Bill - Von diesem, sich besonders im Umfeld der Eisenbahn durchs Leben schießenden schwarzen Outlaw aus Alabama erzählt die Legende, er habe sein Tun in die hehren Dienste der Gerechtigkeit gestellt, indem er sein Diebesgut billig an die schwarze Bevölkerung verhökerte. Ihm blühte das Schicksal vieler seiner Kollegen (siehe "Billy The Kid"): er wurde in einen Hinterhalt gelockt und von Kugeln durchsiebt.

Recording Session - Aufenthalt im Tonstudio zur Aufnahme von Musik.

Ride the Blind - Den "Blinden" fahren: Damit war der Gepäckwagen eines Zuges gemeint, der keine Verbindung zum Zug hatte (blind) und wo man deshalb während der Fahrt als Hobo (blinder Passagier) vom Zugpersonal nicht erreicht wurde. (Danke für diesesn Hinweis an Axel Schifer aus Stuttgart)

Rising Sun - Die aufgehende Sonne ist gewiss das Letzte, wonach sich ein in der Chain Gang angeketteter Sträfling sehnt. Denn jeder neue Tag in einem der berüchtigten Gefängnisse und Straflager der USA, etwa Angola State Prison, ist ein harter Tag voll schwerster körperlicher Arbeit unter unmenschlichsten Bedingungen. Daher wünschten sich die Gefangenen lieber, die Sonne, die sie auch "Old Hannah" nannten, möge endlich und für immer untergehen: "Go down, Old Hannah, and no more rise!" (Geh unter, alte Hannah, und nie wieder auf!) wie in Lead Bellys Song "Go Down Old Hannah".

Robert Ford - jener "schmutzige kleine Bastard" (wie es in der Outlaw-Ballade über Jesse James  heißt), der "wie ein Dieb in der Nacht kam" und den legendären Bank- und Zugräuber zur Strecke brachte. Ford war einst selbst Mitglied der James Bande und  hatte es dann auf das Kopfgeld des Mannes abgesehen, der einst sein Anführer war. Moral von der Geschicht: Man traue niemals seinen Angestellten nicht! Rock Island Line - Name eines Zuges. Bekannt gemacht - und daher immer mit seinem Namen verbunden - wurde dieses
Traditional in den 50er Jahren von Lead Belly, der auch den ungewöhnlich langen gesprochenen Teil hinzufügte. Die letzten beiden Strophen sind aus Versionen, die Alan Lomax 1934 auf seiner Suche nach Folksongs bei den schwarzen Gefangenen in den Gefängnissen von Arizona (Little Rock) aufnahm. Lead Belly, einst selbst Sträfling, war zu dieser Zeit Lomax’ Chauffeur, wo er diesen und viele Song skennenlernte. Rolling Stone - Metapher für jemand, der mehr oder weniger freiwillig unterwegs (on the road) ist, siehe auch Tumbleweed und Hobo . Danach benannt hat sich die allseits bekannte Kapelle der Herren Jagger & Richards, die's wohl eher freiwillig sind... Bekannt ist die Metapher auch durch den Titel "Papa Was A Rolling Stone" von The Tamptations. Schließlich hat eine renomierte Musikzeitschrift zur Popularisierung der Metapher beigetragen.

Rosetta Henry - eine von Charlie Patton in seinem Song. "Moon's Goin' Down" erwähnte Freundin aus Clarksdale, Mississippi. Und viel mehr als das, was Patton in diesem Song verrät, wissen die Blues-Forscher über seine Herkunft und sein Leben auch nicht. Route 66 - legendäre Fernstraße von Chicago nach Los Angeles, heute nur noch in Bruchstücken erhalten, da durch modernere (breitere) Highways ersetzt. In die Musikgeschichte eingegangen ist die Straße, weil auf ihrem Asphalt sowohl in den Metropolen, die sie verbindet als auch im Südwesten, den sie durchquert, großartige Musiker unterwegs waren. Hier auch nur einige aufzuzählen, wäre müßig. Vor allem ist die Straße aber durch den nach ihr benannten Song von Bobby Troup zu Kultstatus und damit zu touristischer Atraktivität gelangt: "If you ever plan to motor west, travel my way, take the highway, that's the best." Indem der Song etliche an der Strecke gelegenen Orte benennt, wird einem recht typischen Lokalpatriotismus gefrönt, und das macht den Song bekannt. Zum Hit wurde er allerdings durch den urigen Reim "Get your kicks on route 66!" Gecovert von den Rolling Stones und auf diese Weise auch jüngeren Europäern bekannt gemacht, besorgte der Ohrwurm seit den frühen 60ern Jahren mehr als jeder andere Hit eine stattliche Tantioemen-Rente für seinen Urheber.

Salty Dog -  wie der Name sagt, eine salziger Hund, d.h. ein Kerl, dessen Ausdünstungen dampfende Muskelpakete assoziieren - und das sind in der Regel die Rauhbeine: Cowboys, Abenteurer, Gängster, Männer jedenfalls, die nicht jeden Morgen in die Wanne steigen. Solche Burschen waren (für romantische Mädels nach wie vor) begehrte Liebhaber. Dass der Begriff auch eine sexuelle Metaphorik hat (bezüglich eines gewissen Körperteils), ist naheliegend.

Sampler  - LPs oder CDs, die Aufnahmen verschiedener Musiker oder Ausschnitte aus dem Gesamtwerk eines Künstlers bzw. einer Band enthalten, z.B. die sogeanannten "The Best Of"-Scheiben.

Session -Treffen von Musikern zwecks gemeinsamen Musizierens. Jam Session bedeutet, dass ein Musiker von anderen begleitet wird, ohne dass das Stück vorher gemeinsam geprobt wurde. Dies setzt allerdings voraus, dass die Musiker sich im Genre und Repertoire des "Openers" gut auskennen oder dass die Titel gemeinhin bekannt (Standard) sind.

Set - eine Anzahl von Songs, die in einem Teil des gesamten Programms gespielt werden. Beim Auftritt mit einer Band bedient man sich meist einer Set List, welche die Reihenfolge der Songs festlegt und Tonarten oder sonstige Hinweise enthält.

Shanandoah  - Name eines am Missoury beheimateten Indianerstammes. Die Melodie des gleichnamigen
Traditionals (hier eine aus verschiedenen Fassungen vereinte Version) wurde auch für einen (möglicherweise älteren) Song mit dem Titel "Mizzoury" verwendet. Ein Leser teilte mir mit, dass Shenandoah ein "running song" in dem Drama "Morning Becomes Electra" von Eugene O'Neil sei.

Singer - Songwriter - relativ moderne Bezeichnung für Sänger, die vorwiegend ihre eigenen Songs singen und sich dazu auf einem Instrument (meist Gitarre) begleiten. Von Singer/Songwritern geschriebene Songs unterscheiden sich meist auch durch den künstlerischen Anspruch von Titeln, welche in Arbeitsteilung für die Masse produziert werden. Die klassische Avantgarde der Country-Sänger wie Gene Autry, Hank Williams und  Jimmy Rogers gehörten zu jenen Künstlern, denen die Musen sowohl als Dichter, Komponist und Musiker zu Diensten waren.

Smith, Harry

Soho - Kürzel für: South of Houston (bedeutet: südlich der Housten Street im New Yorker Stadtteil Manhattan - eine Gegend mit vielen Bars, Kneipen etc.

SP - Southern Pacific (Eisenbahnstrecke)

Stagolee  - der eigentliche Name soll Stack Lee gewesen sein, Sohn einer Familie, welcher eine Dampferflotte auf dem Mississippi gehörte. Es heißt, Stack sei als Heizer auf einem dieser Dampfer tätig gewesen. Wer auch immer dieser „bad nigger" (wie es im Text  heißt) wirklich war, dem Song nach war er wenigstens alles andere als ein guter Verlierer, denn von ihm weiß man, dass er 1895 seinen überlegenen Kontrahenten umlegte. Alan Lomax sammelte drei Dutzend Strophen (!), welche davon erzählen, wie Stack beim Pokern verlor, sich über den Verlust so sehr grämt, dass er seinen Spielpartner Bill Lyon zum Duell herausforderte und umlegte, gefolgt von der Reaktion der Lyon-Witwe und der anschließenden Flucht Stacks, seiner Verfolgung, Verhaftung, Verurteilung und Hinrichtung. Und damit nicht genug, denn schließlich erfahren wir auch noch von Stacks Ankunft in der Hölle und seinem Deal mit dem Teufel, was an sich schon so komisch ist, dass man daraus eine selbständige Version schaffen muss ("Stack & The Devil"). Keine der mir bekannten Versionen handelt übrigens die ganze 36-Strophen-Story ab. Die älteste Aufnahme dieses Traditonals dürfte die von Frank Hutchinson (Anthology of American Folk Music) sein, welche Bob Dylan als Basis für seine Version auf „World Gone Wrong" benutzte. Weitere Versionen gibt es von Hogman Maxey (Angola Prisoners Blues) und von Mississippi John Hurt.

Standard- Titel, besonders aus dem Genre des Blues und Jazz, der einer Mehrheit der in diesem Bereich tätigen Musiker bekannt ist und daher meist als Lehrstücke dient.

Star Dust - 1929 von Hoagy Carmichael als Pseudo- Ragtime fürs Klavier geschrieben, wurde das Instrumental ein Jahr später um einen Text von Mitchell Parish ergänzt und der Rhythmus dem romantischen Text angepasst, d.h. sehr verlangsamt. Daraufhin gehörte es in den USA bis in die 1950er Jahre zu den "Top 10" der am meisten aufgenommen Songs. In jüngerer Zeit ist es von Willie Nelson aufgenommen worden, der mit solchen Stücken immer wieder seine Vielseitigkeit unterstreicht. Hört man die Melodie oder versucht gar, das Stück selbst zu spielen, so kann man sich bei der Komplexität der Harmonien wohl kaum vorstellen, dass Carmichael weder Noten lesen noch schreiben gekonnt haben soll.

Stephen Foster - schrieb etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts an die 200 Songs, wovon neben „Old Folks At Home" wohl „Oh Susanna" der bekannteste sein dürfte. Als Dichter und Komponist in einem und dazu als einer der ersten Autoren, die ihre Lieder patentrechtlich schützen und vermarkten ließen, ist Foster im Grunde das Vorbild dessen, was man seit Ende des 20. Jahrhunderts Singer/Songwriter nennt. Etliche seiner Lieder mögen hinterfragbare Zeugnisse seiner Epoche sein, aber "Hard Times" gehört zweifellos zu jenem zeitlosen Liedgut, das uns beispielsweise Sänger wie Bob Dylan („Good As I Been To You") immer wieder nahebringen können.

Still  - Slang für "distillery", zu deutsch: Brennerei - und zwar nicht etwa für so profane Dinge wie Ziegel oder Töpfe, sondern zur Verarbeitung diverser Getreidesorten. Schwarz gebrannt wurde besonders während der Prohibition (siehe auch Moonshiner), aber dass man aus Korn nicht nur Brot backen kann, wusste man schon früher sieh siehe: Hot Corn Cold Corn

Sugar Daddy - siehe Daddy

Sugar Land - ironische Metapher für das ganz und gar nicht süße Leben im Knast

Ta ya - Slang für "to you"

Take  - eine im Tonstudio erfolgte Musikaufnahme, welche meistens nummeriert wird, um sie von wiederholten Aufnahmen des gleichen Songs zu unterscheiden. Die Nummerierung ermöglicht ein leichteres Auffinden und Vergleichen von Aufnahme für den Tonmeister, den Musiker und gegebenenfalls für den Produzenten, welche getrennt oder gemeinsam über die Auswahl des zur Veröffentlichung bestimmten Takes entscheiden (siehe auch Out Takes).

Tantiemen- finanzielle Anteile, die dem Urheber (Texter und Komponist bzw. dessen Verleger etc.) bei öffentlicher Aufführung eines Musikwerkes (sei es live auf der Bühne, im Radio gesendet oder vom DJ in der Disko aufgelegt) zugeteilt werden. Sogenannte Verwertungsgesellschaften - in Deutschland die GEMA - treiben das Geld bei den Veranstaltern ein, was aufgrund von Tarifen, die mitunter höher als die Gagen der Musiker sind, manch kleines Lokal davon abhält, überhaupt noch Live-Musik anzubieten.

Tatos - Slang für "potatos" (Kartoffeln)

Thomas Howard- ab 1881 eines der Pseudonyme des Outlaws Jesse James. Es war (und ist) für eine Gangster-Karierre typisch, sich mit verschiedenen Namen durchs Leben zu schießen, um unerkannt zu bleiben, erst recht für den Fall, dass es der eine oder andere unter ihnen tatsächlich schafft, sich unbehelligt zur Ruhe zu setzen.

Tijuana - liegt auf der mexikanischen Seite der kalifornischen Grenzstadt San Diego. Während die Grenze zwischen einem der reichsten Industrieländer und einem der sogenannten Schwellenländer fern ab solcher Städte ziemlich unbewacht und - wie etwa am Rio Grande  - nur natürliche Hindernisse kennt, gibt es in San Diego/Tijuana eine strenge Grenzbewachung, um den Strom der sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge und Arbeitspendler "in Grenzen" zu halten (siehe auch "Deportee"). Tom Cat - Bezeichnung für die männliche Katze, also den Kater Tom catting - - wie ein Kater auf Katzenpirsch - nicht sehr wählerisch bei der Auswahl einer Partnerin - und besonders die Abwechslung mögend  - mit anderen Worten: die Promiskuität bevorzugend (Textbeispiel: In the Jailhouse Now)

Tom Dooley- alias Tom Dula wurde 1866 in Wilkes County, North Carolina, zum Tod am Galgen verurteilt, nachdem er seine Geliebte, eine gewisse Laura Foster, umgebracht hatte. Warum er dies tat, spielt im gleichnamigen
Traditional sowenig eine Rolle wie in den meisten anderen Songs dieses Genres, den sogenannten Murderer Ballads (siehe "Little Sadie").

Tom Joad - Die Titelfigur geht auf den Roman von John Steinbeck „Früchte des Zorns" (1939) zurück, welchen Hollywood in 1940* verfilmte und auf diese Weise vielen Amerikanern die bittere Armut der ländlichen Bevölkerung, besonders der als Okies verrufenen Arbeitsmigranten, während der großen Depression der frühen 1930er Jahre vor Augen führte. Guthrie, einst selbst einer jener Okies, sah den Film und schrieb - angeblich an einem einzigen Tag - diese epische Ballade. Die Melodie basiert auf dem Traditional "John Hardy", bekannt u.a. durch Aufnahmen von Lead Belly und der Carter Family. (*Anmerkung einer Leserin)

Traditional- Bezeichnung  für jeden Song, für den keine Urheberschaft mehr nachweisbar ist. Der größte Teil aller uns beispielsweise durch Lead Bellys bekannten und daher mit seinem Namen verbundenen Songs ist traditionellen Ursprungs, so beispielsweise auch "Midnight Special" und "Rock Island Line". Traditionals stehen jedem Musiker zur freien Bearbeitung zur Verfügung, was auch reichlich  genutzt wird, da es, wenn man mit so einer Bearbeitung einen Hit landet (wie um 1970 etwa das Duo John Travolta & Olivia Newton John mit "Banks Of The Ohio" oder CCR mit "Midnight Special"), auch reichlich in der Tantiemen -Kasse klingeln kann. Die Bearbeitung eines Songs, dessen Urheber bekannt ist und noch Ansprüche geltend machen kann  (was national unterschiedlich geregelt ist - in Deutschland meines Wissens 70 Jahre nach Anmeldung des Werkes), wird von den Inhabern oder Verwaltern der Urheberrechte (etwa in Gestalt von Verlegern) meist untersagt, da sie bei kommerziellem Erfolg dieser Bearbeitung mit dem Bearbeiter anfallende Tantiemen teilen müssten. Das sogenannte Covern eines derartigen Bestsellers, was de facto auch eine Bearbeitung ist, aber eben nicht als solche deklariert wird, steht jedem Musiker frei. Wenn die Cover-Version eines Songs, der sich bereits millionenfach verkauft hat, sich erneut massenweise verkaufen lässt, kann das auch einige Spesen für den Urheber wettmachen (falls er noch lebt).

Tumbleweed - in Wörterbüchern als Steppenkraut und/oder als Steppenläufer übersetzt, womit herumwirbelndes Steppenkraut gemeint ist. Eine bessere Vorstellung bekommt man, wenn man Tumbleweed wörtlich übersetzt: to tumble = stürzen/zerzausen, weed = Kraut/Unkraut/Gestrüpp. Einmal entwurzelt, wird es zur Beute des Windes und durch die Gegend getrieben, bildet ein Knäuel, eine Rolle, und rollt und rollt ... etwa so wie manche Leute vom Leben durch die Welt - oder von der Welt durchs Leben getrieben werden... "like tumbleweed or a poor old rolling stone".

Tune - Synonym für Song, wird aber eher im Sinne von Melodie und zur Bezeichnung von Instrumentals verwendet. Tuner - ein zum Stimmen von Saiteninstrumenten erfundenes elektronisches Messgerät, das zwar inzwischen die gute alte Stimmgabel (und die weniger geeignete Stimmpfeife) abgelöst hat, nicht aber ein geübtes Gehör ersetzen kann. Die blinkenden Lämpchen eines Tuners haben bisher sehr wenig Ahnung davon, dass der Klang einer Saite nicht nur aus einer messbaren Frequenz, sondern aus einer breiten, für jedes Instrument charakteristischen Skala von Ober- und Untertönen besteht. Zum Finden des sogenannten Kammertones und beim Stimmen in geräuschvoller Umgebung ist der Tuner also hilfreich, aber die letzte Instanz kann nur das Ohr des Musikers sein.

Urban Blues - in den Großstädten der Nordstaaten seit den 1950er Jahren populäre Art des Blues. Die aus den ländlichen Gebieten der Südstaaten (besonders Mississippi, Louisiana) kommenden Gitarristen spielten  zunächst ihren ursprünglichen Country Blues, dann jedoch, auf den neu entwickelten elektrischen Gitarren, begleitet von einer Band. Die daurch wesentlich lautere Spielart eignete sich bestens als Tanzmusik und etablierte sich besonders in Städten wie Chicago, daher auch Chicago Blues genannt. Um als Musiker in den Tanzlokalen engagiert werden zu können, musste man, was die Bandbesetzung betrifft, flexibel sein. Jeder musste mit jedem spielen können. Dies erforderte unter anderem eine gewisse Homogenität des Repertoires bzw. der Stilistik. Der Raum für individuelle musikalische Experimente wurde damit zumindest auf der Bühne eingeschränkt. Die bis heute anhaltende große Beliebtheit dieser Spielart führte zu weltweiten Konzerttourneen der großen Bluesmen aus Chicago, sodass es den Superstars wie Muddy Waters und  B.B.King möglich wurde, dem Urban Blues wieder ihre individuellen Charakter zu geben.

Vigilante Man - jemand von der Bürgerwache. Das Wort ist abgeleitet von "vigilant" (aufmerksam). Der Vigilante Man sorgte dort für "Ordnung", wo das Auge des Gesetzes fehlte. Diese Bürgerwächtler richtete jedoch auch willkürlich und rassistisch motiviert. Selbstjustiz und Lynchmord wird im gleichnamigen Song Woody Guthries hinterfragt.

Whatcha Gonna Do - Slang für "What are you going to do?

Whiff - zu deutsch: Hauch, aber im Kontext von "Take A Whiff On Me" bedeutet es wörtlich soviel wie: "Nimm'n Näschen auf mich" - oder richtig übersetzt: "Ich geb'ne Prise Koks aus". Diverse Pülverchen waren um 1900, besonders in den Südstaaten der USA, ganz legal verbreitet. Allerdings wusste man bald, dass der regelmäßige Genuss des eigentlich eher zur Besänftigung von Pferden gedachten Stoffs Nebenwirkungen hat, die der Gesundheit abträglich sind, "nur wann", das würden die Ärzte nicht dazu sagen, wie es in jenem Lied heißt... Also konnte man damals fröhlich in ein gemeinsames „whifferee and whiffery" einstimmen. Songs wie "Take A Whiff" und "Cocaine" kommen etwa aus den 1920ern, als die Wirkung gemeinhin bekannt war und die Mittel schließlich rezeptpflichtig wurden.


Whiskey - siehe Still


Ya - Slang für "you"

Yas Yas - Als diverse A-Wörter noch nichtsalonfähig waren, setzte man ein "Y" davor und verschleierte somit etwas den obszönenen Oberton. Titel-Beispiele: "Duck Yas Yas" (zu deutsch: Entenyarschyarsch) oder "Get Yer Yas Up" (zu deutsch: Setz 'en Yarsch in Bewegung)

Yer - Slang für "your"

You Shall Be Free - Sowohl der Refrain als auch Teile einzelner Strophen dieser hier im Duett von Lead Belly und Woody Guthrie gesungenen Version stammen aus verschiedensten
Traditionals. Beispielsweise kommt die gesamte Struktur der Lead Belly-Version in einem gleichnamigen Song mit ähnlichem Refrain, aber inhaltlich völlig anderen Strophen vor, was wahrscheinlich das Muster für Lead Belly war. Den Refrain gibt es auch in "There Was An Old Nigger His Name Was Dr. Peck". Eine mit der Zeile "Nigger be nigger, whatever he do" beginnende Version enthält Teile der von Lead Belly benutzten Strophen und der Refrain ist abgewandelt zu "Shout to glory, you shall be free". Ein ausschließlich im Schema des Refrains variierender Text enthält der Titel "We'll Soon Be Free". Ein gutes Dutzend weiterer Strophen enthält die bei Alan Lomax "When De Good Lord Sets You Free" betitelte Version.

Zydeco - eine besonders in New Orleans, Lousiana, beheimatete populäre Form der Cajun Music - siehe Cajun



Literatur

  • A Folk Song History of America. America Through His Songs - Samuel L.Forcucci, Prentice Hall 1984
    Balladen und Lieder des schwarzen Amerika - Christiane Agricola (Hg.), Kiepenheuer 1984
  • American Folksongs of Protest - John Greenway, Perpetua Edition 1960
  • Blues Fell This Morning - Die Bedeutung des Blues - Paul Oliver, Hannibal Verlag
  • Der Country Blues - Samuel Charters, Rowohlt 1994
  • Die Geschichte des Blues - Paul Oiver, Hannibal
  • Freedom In The Air. Song Movements Of The Sixties Josh Dunson, Greenword Press 1965)
  • Legenden des Blues - State of the Blues - Jeff Dunas, Könemann 1999, Aperture Foundation inc. 1998 (eine hervorragende Portraitsammlung von Blues-Sängern)
  • Long Steel Rail. The Railroad in American Folksong - Norman Cohen: University of Illinois Press 1981
  • Pastures of Planty - A Self-Portrait - Woody Guthrie, edited by D. Marsh & H. Leventhal, Harper Perennial - weiteres von und über Woody Guthrie: Bound for Glory; American Folksong; Hard Hitting Songs for Hard-Hit Poeple, Born to Win; Woody Sez; The Woody Guthrie Songbook; Sedds of Man



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