
Als Vorläufer der
Ukulele wird übereinstimmend die Braguinha von der portugiesischen Insel
Madeira genannt, ein 100%ig authentisches Foto konnte ich bisher nicht finden.
Nah verwandt mit der Braguinha ist die 10-saitige Viola Braguesa (links)
und das Cavacinho (rechts). Letztere gilt auch
als Vorläufer der Braguinha. Unten folgen Details einer Viola
Braguesa



Wie im folgenden Bild
zu erkennen, sind sie Saiten der Viola Braguesa paarweise gestimmt, also
ähnlich Mandolinen - oder 12-saitigen Gitarren.

Die obigen Illustrationen
sind nicht Bestandteil der rechts zitierten Publikation, sondern entsammen
einer spanisch verfassten Internetseite: www.tamborileros.com/
tradiberia/cordfon1.htm*
-------------------
Da Links nicht immer aktuell bleiben, zog ich die Einbindung von Text und
Fotos vor, verweise auf die ursprünglichen Quellen und bitte die Autoren,
sich zu melden, falls Sie dagegen Einwände haben, oder auch vertiefende
Information beitragen möchten. |
Zur Herkunft und
Verbreitung der Ukulele
schrieben
Ralf Bauer und Ernst Stern*
Als "Instrument des kommenden Jahrtausends" kündigt einer der
größten US Gitarrenhändler ein eher unscheinbares Gerät
an. Ohne buntes Display, ohne Digitalausgang, ja sogar ohne jedwede Elektronik**
kommt es aus.
Es verfügt nur über vier Saiten, einen winzigen Korpus (ähnlich
Schuhgröße 46) und einfachste Mechaniken ohne Übersetzung.
Ukulele heißt das Instrument, wurde vor mehr als hundert Jahren "erfunden"
und hat in der Zwischenzeit so viele Booms und Comebacks erlebt, dass die
Sache mit dem nächsten Jahrtausend gar nicht einmal so unwahrscheinlich
ist.
"Die Möglichkeiten der Ukulele sind unbegrenzt, denn sie kann die
kompliziertesten Stücke ebenso wie einfache Melodien begleiten. Und
Anfänger haben an der Ukulele nach einigen Wochen Unterricht mehr Freude
als an anderen Instrumenten nach Jahren", schrieb Ernest K. Kaii aus Honolulu
1916 in seiner Schule "The Ukulele and how it is played". Ein anderer Lehrer
wollte die Beschränkung auf die Funktion eines Begleitinstruments nicht
gelten lassen: "Die Autoren haben festgestellt, dass die Ukulele als
Soloinstrument vernachlässigt wurde, schätzen aber ihre
Fähigkeiten auf diesem Gebiet und haben dieses Werk in der Hoffnung
zusammengestellt, dass es ein lang gehegtes Bedürfnis befriedigen
möge" (Bailey/Awai: A Collection of Ukulele Solos,1916).
Als dies geschrieben wurde, war der kleine Viersaiter noch keine 40 Jahre
in Gebrauch. Seine Geschichte hatte im Jahr 1879 begonnen. Damals landete
ein Schiff aus Madeira in einem hawaiianischen Hafen. An Bord befanden sich
vor allem portugiesische Handwerker und Bauern. Sie hatten ein kleines Instrument
dabei, das auf Madeira recht verbreitet war. Es besaß einen winzigen
Korpus in Gitarrenform, vier Stahlsaiten, ein kurzes Griffbrett, auf dem
mit Mühe vier Finger unterzubringen waren und hieß Braguinha.
Im Handstreich gelang es der Braguinha, das Terrain hawaiianischer
Saiteninstrumente zu erobern. Der Korpus wurde ein wenig vergrößert,
die Stahl- durch Darmsaiten ersetzt, die Stimmung von Quint- auf Quartintervalle
umgestellt. Das neue Instrument hieß bald Ukulele, was u.a. mit
"hüpfender Floh" übersetzt werden kann. Diese Bezeichnung mag für
vieles gestanden haben: den Spitznamen des Mannes, der das Instrument
populär gemacht hatte, die flinke Bewegung der Finger auf dem kleinen
Griffbrett oder den unaufdringlichen perkussiven Klang des kleinen Instruments.
Der Name Ukulele birgt auch eine gewisse Anlehnung an das Wort "Ukeke". So
hieß ein einfaches Saiteninstrument der Urbevölkerung, das nur
eine einzige Saite besaß und zur Erzeugung von Resonanz an den Mundraum
gepresst wurde. Hawaii war zum Zeitpunkt des Braguinha-Importes schon
verstärkt unter dem Einfluss amerikanischer Missionare und Kaufleute.
Diese hatten die einheimische Kultur stark zurückgedrängt und
europäische Elemente eingeführt. Die hawaiianische Musik hatte
hauptsächlich aus Chorgesängen mit Perkussionsbegleitung bestanden,
in der Melodieinstrumente wie die erwähnte Ukeke oder eine einfache
Nasenflöte kaum eine Rolle spielten. Durch Vermischung mit
europäischen Elementen entstanden Lieder, die im Falsettstil vorgetragen
und u.a. von Gitarren begleitet wurden. Bald gesellte sich die Steel-Guitar
dazu, die die Sänger nachahmte, ergänzte oder auch
Instrumentalversionen der Lieder lieferte.
Standardgröße ist die Sopran-Ukulele mit einer Mensur von 13 5/8
Zoll. Sie dient vor allem als Rhythmusinstrument. Das Geheimnis des besonderen
Klangs liegt in der speziellen Stimmweise: Die oberen*** drei Saiten sind
in den aufsteigenden Intervallen einer Gitarre gestimmt (d-f#-h oder c-e-a).
Die unterste Saite (a bzw. g) fügt sich in das Quartenschema ein, ist
aber nicht am tiefsten gestimmt, sondern erklingt eine Oktave höher
als erwartet und liegt damit nur einen Ganzton unter der höchsten Saite.
Solisten spielen meist akkordisch in Jazzmanier. Für Einzeltonsoli verwendet
man die größeren (und selteneren) Tenor- oder Bariton-Ukulelen.
Letztere hat schon etwa die Größe einer Tenorgitarre. Als optimal
betrachten viele Musiker die Concert-Größe mit einer Mensur von
etwa 14 3/4 Zoll. Sie ist allerdings sehr selten.****
--------------------------------------------------------------
* Der oben zitierte Textauszug erschien unter dem Originaltitel:
Musik für den Flohzirkus: die Ukulele auf der Inernetseite:
http://www.pagex.info/old_server/akustik-gitarre.com/archiv/2-01/vomfach.htm
- der vollständige Artikel erschien in AKUSTIK GITARRE
2/2001.
**Es gibt inzwischen selbstverständlich auch Tonabnehmer oder
integrierte Pickup-Systeme mit Klangregelung wie beispielsweise bei
Ovation-Ukulelen (die mit dem schwarzen rundlichen Plastikboden).
*** Um Missverständnissen vorzubeugen: ob "obere" oder "untere" Saiten,
das ist von der Draufsicht abhängig, ich hätte hier die umgekerhte
Bezeichnung gewählt.
**** Für ein sauberes Spiel, insbesondere auch von Einzeltönen
(á la Jake Shimabukuro), in den höheren Bundlagen, ist die
Konzert-Ukulele unerlässlich. |